NSDAP Lauban 2. Volksschießen 1938 - Eintrittsausweis"
Lauban ist eine Stadt in Niederschlesien in Polen an der Neiße. Historisch war sie ein Grenzort der Oberlausitz zu Schlesien. Heute gehört Lauban zu Polen.
Das vorliegende Objekt ist ein Eintrittsausweis zum 2. Volksschießen der NSDAP in Lauban 1938, gefertigt als geprägtes Pappabzeichen in Silber mit schwarzem Aufdruck und Nadelansteckung. Solche Ausweise dokumentieren die Durchdringung des öffentlichen Lebens im nationalsozialistischen Deutschland durch Parteiorganisationen und die Instrumentalisierung traditioneller Volksfeste für propagandistische Zwecke.
Lauban in Niederschlesien (heute Lubań in Polen) war eine Stadt mit etwa 13.000 Einwohnern, die historisch an der Grenze zwischen der Oberlausitz und Schlesien lag. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde auch hier das gesellschaftliche Leben zunehmend von der NSDAP und ihren Gliederungen organisiert und kontrolliert. Die Stadt gehörte zum Gau Niederschlesien der NSDAP.
Volksschießen hatten in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Ursprünglich dienten Schützenfeste der Wehrhaftigkeit der Bürger und der Gemeinschaftspflege. Im 19. Jahrhundert entwickelten sie sich zu beliebten Volksfesten mit gesellschaftlichem Charakter. Das Deutsche Reich förderte das Schützenwesen, da es als vormilitärische Ausbildung galt.
Nach 1933 unterwarf das NS-Regime systematisch alle bestehenden Vereine und Traditionen seiner Ideologie. Das Schützenwesen wurde in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert. Der Deutsche Schützenbund wurde gleichgeschaltet und in den Reichsbund Deutsche Jägerschaft sowie andere NS-Organisationen integriert. Volksschießen wurden nun von NSDAP-Ortsgruppen, SA, SS oder anderen Parteigliederungen organisiert.
Das Jahr 1938 war ein bedeutendes Jahr der NS-Expansion. Im März erfolgte der Anschluss Österreichs, im Oktober die Besetzung des Sudetenlandes nach dem Münchner Abkommen. Die Kriegsvorbereitungen liefen auf Hochtouren. In diesem Kontext erhielten vormilitärische Veranstaltungen wie Volksschießen besondere Bedeutung. Sie dienten nicht nur der Propaganda und der Demonstration von Volksgemeinschaft, sondern auch der praktischen Vorbereitung der männlichen Bevölkerung auf den kommenden Krieg.
Die Tatsache, dass es sich um das “2. Volksschießen” handelte, deutet darauf hin, dass solche Veranstaltungen in Lauban regelmäßig stattfanden und eine gewisse Tradition unter NS-Ägide entwickelten. Die erste Veranstaltung hatte vermutlich 1937 stattgefunden.
Eintrittsausweise dieser Art erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten der Zugangskontrolle, waren aber auch Erinnerungsstücke und Propagandamittel. Die Gestaltung in Silber mit schwarzem Aufdruck folgte den typischen NS-Farbschemata. Das geprägte Pappabzeichen war eine kostengünstige Produktionsmethode, die dennoch einen gewissen repräsentativen Charakter ermöglichte. Die Nadelansteckung erlaubte das sichtbare Tragen während der Veranstaltung.
Solche Abzeichen waren Teil der umfassenden NS-Abzeichenkultur. Das Regime produzierte unzählige Anstecknadeln, Plaketten und Ausweise für verschiedenste Anlässe – von Parteitagen über Sportveranstaltungen bis zu lokalen Festen. Diese dienten der visuellen Durchdringung des Alltags mit NS-Symbolik und schufen ein Gefühl der Zugehörigkeit zur “Volksgemeinschaft”.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Lauban gemäß dem Potsdamer Abkommen an Polen und wurde in Lubań umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Die Stadt liegt heute im Powiat Lubański in der Woiwodschaft Niederschlesien, nahe der Grenze zu Deutschland.
Aus historischer Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeitdokumente. Sie belegen die Allgegenwart der NSDAP im Alltag selbst kleiner Städte und die systematische Vereinnahmung traditioneller Veranstaltungsformen für politische Zwecke. Die Seltenheit solcher Ausweise – viele wurden nach 1945 vernichtet – macht sie zu wertvollen Quellen für die Regional- und Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus.
Das Sammeln und Bewahren solcher Objekte dient ausschließlich historischen und dokumentarischen Zwecken und trägt zum Verständnis dieser dunklen Epoche deutscher Geschichte bei.