1890 - Geschichte des Infanterie-Regiments von Goeben (2. Rheinischen) Nr. 28., 

Im Auftrage des Regiments verfaßt.
Eingeleitet wird das Buch mit 9 Portraits wie z.B. Herzog von Wellington, Prinz Georg von Grossbritannien, General von Goeben und Kaiser Wilhelm II. Diese nach einem Entwurf von W. Neff.
383 Seiten, mit Abbildungen, im Anhang weitere 87 Seiten mit Ranglisten und Veränderungen bzw. Lebensgang ehemaliger Offiziere.
Verlag Mittler und Sohn, Berlin 1890, Gebundene Ausgabe, Ganzleineneinband, Kartenskizzen als Beilage, Zustand 2
484449
60,00

1890 - Geschichte des Infanterie-Regiments von Goeben (2. Rheinischen) Nr. 28., 

Die Regimentsgeschichte des Infanterie-Regiments von Goeben (2. Rheinischen) Nr. 28, veröffentlicht im Jahre 1890, repräsentiert einen bedeutenden Typus militärhistorischer Dokumentation aus der Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Solche offiziellen Regimentsgeschichten waren ein wesentlicher Bestandteil der preußischen und später deutschen Militärtradition, die darauf abzielte, die Identität, den Stolz und die Kontinuität militärischer Einheiten zu bewahren.

Das Infanterie-Regiment Nr. 28 gehörte zur rheinischen Garnison und trug den Ehrennamen des Generals August Karl von Goeben (1816-1880), einem der angesehensten preußischen Militärführer des 19. Jahrhunderts. Von Goeben zeichnete sich während der deutschen Einigungskriege aus, insbesondere im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, wo er das VIII. Armeekorps befehligte. Die Verleihung seines Namens an das Regiment im Jahre 1889 stellte eine besondere Ehrung dar, die kurz vor der Publikation dieser Regimentsgeschichte erfolgte.

Die Verlagsgesellschaft Mittler & Sohn in Berlin war der führende Militärverlag des Deutschen Kaiserreichs und später der Weimarer Republik. Gegründet 1789, spezialisierte sich das Verlagshaus auf militärische Fachliteratur, Regimentsgeschichten, Dienstvorschriften und militärwissenschaftliche Werke. Die Beauftragung eines renommierten Verlags wie Mittler & Sohn unterstreicht die offizielle Natur und Bedeutung solcher Publikationen.

Typisch für Regimentsgeschichten dieser Epoche ist die aufwendige Gestaltung mit Portraitgalerien bedeutender Persönlichkeiten. Die neun Portraits in diesem Werk umfassen eine bemerkenswerte internationale Auswahl: Der Herzog von Wellington, Sieger über Napoleon bei Waterloo, und Prinz Georg von Großbritannien verweisen auf die britisch-preußische Waffenbrüderschaft während der napoleonischen Kriege. Die Einbeziehung von Kaiser Wilhelm II., dem regierenden Monarchen zum Zeitpunkt der Publikation, unterstreicht die Loyalität zur Krone. Diese Portraits, entworfen von W. Neff, folgten der künstlerischen Tradition der Zeit, militärische Würdenträger in repräsentativer Darstellung zu zeigen.

Der Umfang von 383 Hauptseiten zeugt von der detaillierten Aufarbeitung der Regimentsgeschichte. Solche Werke behandelten typischerweise die Gründung der Einheit, ihre Reorganisationen, Feldzüge, Schlachten und Garnisonszeiten. Der besonders umfangreiche Anhang mit 87 Seiten, der Ranglisten und biografische Informationen über ehemalige Offiziere enthält, war ein Standardelement. Diese prosopografischen Abschnitte dienten mehreren Zwecken: Sie dokumentierten Karrierewege, bewahrten die Erinnerung an verdiente Offiziere und schufen ein Netzwerk der Zugehörigkeit für aktive und ehemalige Regimentsangehörige.

Die beiliegenden Kartenskizzen waren unverzichtbare Elemente, um militärische Operationen nachvollziehbar zu machen. Sie zeigten Schlachtfelder, Truppenaufstellungen, Marschrouten und taktische Manöver. Für das 2. Rheinische Regiment waren besonders die Kämpfe der napoleonischen Ära, die Revolutionsjahre 1848/49 und die Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71 von Bedeutung.

Der Ganzleineneinband in festem Buchformat entsprach dem repräsentativen Charakter solcher offizieller Publikationen. Diese Werke waren nicht für den Massenmarkt bestimmt, sondern für Offiziersheime, militärische Bibliotheken, Archive und als Geschenke für verdiente Regimentsangehörige gedacht. Die Produktionsqualität spiegelte den Anspruch wider, diese Geschichten als dauerhafte historische Dokumente zu bewahren.

Im Kontext der 1890er Jahre steht diese Publikation in einer Phase intensiver militärhistorischer Aufarbeitung im Deutschen Kaiserreich. Nach der Reichsgründung 1871 und dem triumphalen Sieg über Frankreich erlebte die militärhistorische Literatur einen Boom. Viele Regimenter ließen in diesem Zeitraum ihre Geschichten verfassen oder aktualisieren, um ihre Rolle in der nationalen Geschichtserzählung zu verankern.

Solche Regimentsgeschichten erfüllten mehrere Funktionen: Sie waren Instrumente der Traditionspflege, Mittel zur Förderung des Korpsgeistes, Werkzeuge der militärischen Ausbildung durch historische Beispiele und Beiträge zur nationalen Geschichtsschreibung. Sie legitimierten die Existenz und Bedeutung der jeweiligen Einheit und schufen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Für die moderne Militärgeschichtsforschung sind solche Werke von unschätzbarem Wert. Sie bieten detaillierte Informationen über militärische Organisation, Personalwesen, taktische Entwicklungen und die Sozialgeschichte des Offizierskorps. Gleichzeitig müssen sie als offizielle, oft hagiografische Darstellungen kritisch gelesen werden, die den Ruhm des Regiments in den Vordergrund stellen und Niederlagen oder Kontroversen möglicherweise beschönigen.