Blanko Marke der Firma Deumer für Angehörige der OAW Ostbahn - Eisenbahn-Ausbesserung-Werk Warschau - Praga 

Rückseite mit Filzstift geschrieben, aus der Mustertafel 17820 der Firma Deumer Lüdenscheid, Durchmesser ca. 3,8 cm, Zustand 2+
aus der ehemaligen Sammlung von Peter Groch, Berlin
373949
200,00

Blanko Marke der Firma Deumer für Angehörige der OAW Ostbahn - Eisenbahn-Ausbesserung-Werk Warschau - Praga 

Diese Blanko-Marke der Firma Deumer repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Besatzungsverwaltung während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen. Die Marke war vorgesehen für Angehörige des Ostbahn-Eisenbahn-Ausbesserungswerks (OAW) in Warschau-Praga, einer wichtigen Eisenbahnreparatureinrichtung unter deutscher Kontrolle.

Die Ostbahn war die Bezeichnung für die von den deutschen Besatzungsbehörden verwalteten Eisenbahnlinien in den besetzten Ostgebieten. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 und der anschließenden Besetzung wurde die polnische Eisenbahninfrastruktur unter deutsche Kontrolle gestellt. Die Ostbahn spielte eine zentrale Rolle für die militärische Logistik, den Transport von Truppen, Nachschub und auch für die verbrecherischen Deportationen während des Holocaust.

Das Eisenbahn-Ausbesserungswerk (EAW) in Warschau-Praga war eine der wichtigsten Reparatur- und Wartungseinrichtungen für Eisenbahnfahrzeuge im besetzten Polen. Der Stadtteil Praga, östlich der Weichsel gelegen, verfügte bereits vor dem Krieg über bedeutende Eisenbahnanlagen. Die deutschen Besatzer bauten diese Infrastruktur weiter aus und integrierten sie in ihr Ostbahn-System.

Die Firma Deumer aus Lüdenscheid war einer der bedeutendsten Hersteller von militärischen Auszeichnungen, Abzeichen und Ehrenzeichen im Deutschen Reich. Das Unternehmen, das bereits im 19. Jahrhundert gegründet wurde, produzierte während der NS-Zeit eine Vielzahl von militärischen und zivilen Abzeichen, Orden und Dienstmarken. Die Firma führte sorgfältige Aufzeichnungen ihrer Produktion und nutzte Mustertafeln, um ihre verschiedenen Erzeugnisse zu katalogisieren. Die erwähnte Mustertafel 17820 war eine solche Referenztafel, auf der verschiedene Abzeichenmuster für Ordnungs- und Verwaltungszwecke dokumentiert wurden.

Diese spezielle Marke mit einem Durchmesser von ca. 3,8 cm blieb als Blanko-Ausführung erhalten, das heißt, sie wurde nie offiziell ausgegeben oder personalisiert. Die auf der Rückseite mit Filzstift angebrachte Beschriftung erfolgte wahrscheinlich nachträglich zu Dokumentationszwecken, möglicherweise durch Sammler oder Forscher.

Dienstmarken und Abzeichen dieser Art dienten während der deutschen Besatzung verschiedenen Zwecken. Sie ermöglichten die Identifikation von Personal, regelten Zugangsberechtigungen zu sicherheitsrelevanten Bereichen wie Eisenbahnanlagen und waren Teil des umfassenden bürokratischen Systems der Besatzungsverwaltung. Für die Angehörigen des Ostbahn-Personals waren solche Marken wichtige Dokumente, die ihre Funktion und Berechtigung nachwiesen.

Die Arbeitsbedingungen in den Eisenbahn-Ausbesserungswerken waren während der Besatzungszeit hart. Neben deutschen Fachkräften wurden auch polnische Arbeiter, häufig unter Zwang, beschäftigt. Die Einrichtungen waren wichtige Ziele für den polnischen Widerstand, der regelmäßig Sabotageakte gegen die deutsche Verkehrsinfrastruktur durchführte.

Das Objekt stammt aus der ehemaligen Sammlung von Peter Groch aus Berlin, einem bekannten Sammler von militärhistorischen Objekten. Solche Sammlungen sind von unschätzbarem Wert für die historische Forschung, da sie Artefakte bewahren, die sonst verloren gehen würden. Sie ermöglichen es Historikern, die materiellen Aspekte der Besatzungsverwaltung und die alltäglichen Mechanismen der deutschen Herrschaft in den besetzten Gebieten zu studieren.

Der gute Erhaltungszustand (Zustand 2+) dieser Blanko-Marke macht sie zu einem wertvollen Studienobjekt. Sie veranschaulicht die Professionalisierung und Bürokratisierung der Besatzungsverwaltung sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahninfrastruktur für das deutsche Kriegssystem.

Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse einer dunklen Epoche der europäischen Geschichte. Sie erinnern an die systematische Ausbeutung der besetzten Gebiete und ihrer Bevölkerung sowie an die zentrale Rolle der Eisenbahn im deutschen Besatzungs- und Vernichtungssystem. Für die militärhistorische Forschung bieten sie wichtige Einblicke in die organisatorischen Strukturen und die materielle Kultur der deutschen Besatzungsherrschaft im Zweiten Weltkrieg.

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