Hamburg Plakette für die "alten" Fahnenspitzen des Infanterie-Regiments Hamburg (2. Hanseatisches) Nr. 76 aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges

Hamburg 1875. Schildförmige Plakette mit der Inschrift «Dem Offz. Corps des 2 Hans. Inf. Regts. No 76 zur Anbrg. der bis 1871 auf sein Fahnen getrag. Spitzen gewidmet vom Sec. Lieutenant v. Alt-Stutterheim 29/3 1875.». Höhe 7.2 cm. Drei Bohrungen für die Anbringung. Zustand 2.

Ein Stück von musealer Bedeutung:

Von Alt-Stutterheim wird in der Rang- und Quartier-Liste von 1875 aufgeführt. Er war Veteran des Deutsch-Französischen Krieges und Träger des Eisernen Kreuzes 1870 2. Klasse. Das Regiment kämpfte u.a. bei der Belagerung von Metz, der Schlacht von Loigny, Orléans, Le Mans und bei Paris. 

"Nach dem Deutsch-Französischen Krieg erhielten die Fahnen durch die A. K. O. vom 16. Juni 1871 das Eiserne Kreuz für deren Fahnenspitzen sowie schwarz-weiße Fahnenbänder verliehen. Die alten Spitzen verblieben beim jeweiligen Truppenteil. Überzugskappen mit Kreuz und Namenszug erhielten die Fahnen am 13. April 1872. Die Weihe der Musketierbataillonsfahnen fand am 20. Mai 1872 in der reformierten Kirche zu Hamburg statt. Die Fahne des Füsilierbataillons, welche in den Gefechten am 2. und 4. Dezember 1870 beschädigt wurde, wurde am 23. Mai nach Berlin gebracht und dort dem Kaiser vorgestellt. Er verfügte, dass die Fahne eine neue Spitze mit dem Eisernen Kreuze und unter der Spitze einen silbernen Ring mit der Gravierung „Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870“ erhalten solle. Die Weihe dieser Fahne fand am 30. Juni 1872 in der Lübecker Garnisonskirche statt."

https://de.wikipedia.org/wiki/Infanterie-Regiment_„Hamburg“_(2._Hanseatisches)_Nr._76#Deutsch-Französischer_Krieg

https://wiki.genealogy.net/IR_76
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Hamburg Plakette für die "alten" Fahnenspitzen des Infanterie-Regiments Hamburg (2. Hanseatisches) Nr. 76 aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges

Diese schildförmige Plakette aus dem Jahr 1875 repräsentiert ein bemerkenswertes Zeugnis der preußischen Militärgeschichte und der besonderen Traditionen hanseatischer Regimenter im Deutschen Kaiserreich. Die Inschrift dokumentiert eine Schenkung des Seconde-Lieutenants von Alt-Stutterheim an das Offizierkorps des 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76, bekannt als Infanterie-Regiment “Hamburg”.

Die historische Bedeutung dieser Plakette liegt in ihrem direkten Bezug zu einem entscheidenden Moment der deutschen Militärgeschichte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erfuhr die preußische Armee eine umfassende Reform ihrer Fahnentraditionen. Durch die Allerhöchste Kabinetts-Order vom 16. Juni 1871 erhielten zahlreiche Regimenter, die sich im Krieg besonders ausgezeichnet hatten, das Eiserne Kreuz als neue Fahnenspitze. Diese königliche Auszeichnung war eine der höchsten Ehrungen, die einem Regiment zuteil werden konnte.

Das Infanterie-Regiment Hamburg Nr. 76 hatte sich während des Krieges gegen Frankreich durch herausragende Tapferkeit hervorgetan. Das Regiment nahm an mehreren entscheidenden Schlachten teil, darunter die Belagerung von Metz, eine der längsten und bedeutendsten Belagerungen des Krieges, sowie die Schlacht bei Loigny am 2. Dezember 1870, die Kämpfe um Orléans und Le Mans, und schließlich bei der Belagerung von Paris. Besonders die Füsilierbataillonsfahne des Regiments wurde in den Gefechten am 2. und 4. Dezember 1870 beschädigt, was ihre Kampfbewährung eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Die Verleihung der neuen Fahnenspitzen mit dem Eisernen Kreuz bedeutete, dass die alten, historischen Fahnenspitzen, die das Regiment durch den Krieg getragen hatte, ersetzt wurden. Diese alten Spitzen verblieben jedoch beim Regiment als kostbare Traditionsstücke. Die vorliegende Plakette diente der würdigen Anbringung dieser historischen Fahnenspitzen und dokumentiert damit die Übergabe von einer Ära zur nächsten.

Seconde-Lieutenant von Alt-Stutterheim, der Stifter dieser Plakette, erscheint in der Rang- und Quartier-Liste von 1875 und war selbst Veteran des Deutsch-Französischen Krieges. Als Träger des Eisernen Kreuzes 2. Klasse von 1870 hatte er persönlich an den Kampfhandlungen teilgenommen. Seine Schenkung vier Jahre nach Kriegsende zeigt das ausgeprägte Traditionsbewusstsein der Offiziere und ihren Wunsch, die materielle Erinnerung an die gemeinsamen Kriegserlebnisse zu bewahren.

Die Zeremonie der Fahnenweihe war im preußischen Heer von höchster symbolischer Bedeutung. Für das Regiment Hamburg fand die Weihe der neuen Musketierbataillonsfahnen am 20. Mai 1872 in der reformierten Kirche zu Hamburg statt. Die besonders ausgezeichnete Füsilierbataillonsfahne wurde Kaiser Wilhelm I. persönlich vorgestellt, der verfügte, dass sie nicht nur die neue Spitze mit dem Eisernen Kreuz erhalten sollte, sondern auch einen silbernen Ring mit der Gravierung “Loigny (Orleans) 2. Dezember 1870”. Die Weihe dieser besonderen Fahne erfolgte am 30. Juni 1872 in der Lübecker Garnisonskirche.

Die hanseatischen Regimenter nahmen eine besondere Stellung in der preußischen Armee ein. Nach der Reichsgründung 1871 wurden die Kontingente der Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen in die preußische Armee integriert, behielten aber ihre eigene Identität und Traditionen. Das Regiment Nr. 76 verkörperte den Stolz und die militärische Tradition der Freien und Hansestadt Hamburg.

Solche Plaketten und Erinnerungsstücke dienten nicht nur der praktischen Aufbewahrung historischer Objekte, sondern erfüllten eine wichtige Funktion in der Regimentskultur. Sie schufen einen materiellen Bezugspunkt für die kollektive Erinnerung des Offizierkorps und trugen zur Identitätsbildung und zum Zusammenhalt bei. Die präzise Inschrift mit Datum und Name des Stifters dokumentiert die persönliche Verbundenheit einzelner Offiziere mit ihrer militärischen Einheit.

Diese Plakette ist somit weit mehr als ein einfaches Metallstück. Sie verkörpert die Übergangsphase der deutschen Militärgeschichte vom norddeutschen Bund zum Deutschen Kaiserreich, die Transformation militärischer Traditionen nach einem siegreichen Krieg und die persönliche Bindung der Offiziere an die Geschichte ihres Regiments. Als museales Objekt bietet sie einen einzigartigen Einblick in die Gedenkkultur und Traditionspflege der kaiserlichen Armee.