Kriegsmarine feldgraues Schiffchen für Mannschaften der Küstenartillerie
Das hier vorgestellte Schiffchen – eine Feldmütze aus feldgrauem Tuch – ist ein eindrucksvolles Zeugnis der materiellen Kultur der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Es handelt sich um ein Kopfbedeckungsstück, das speziell für die landgestützten Einheiten der deutschen Marine gefertigt wurde, insbesondere für die Mannschaften der Küstenartillerie. Dieses Objekt bietet dem Sammler und Historiker gleichermaßen Einblicke in die Organisation, Uniformierung und den operativen Einsatz einer oft übersehenen Teilstreitkraft des Dritten Reiches.
Form und Konstruktion
Das Schiffchen entspricht dem typischen Schnitt der Kriegsmarine und ist aus dickem feldgrauem Wollstoff gefertigt. Es besitzt umlaufende, herunterklappbare Seitenteile, die vorn sanft ausgebuchtet sind. Das vorliegende Exemplar hat eine Kopfgröße von ca. 54, wobei die gängigen Größen dieser Mützen zwischen 54 und 58 lagen. Die Maße eines solchen Schiffchens betragen im zusammengelegten Zustand auf einer flachen Oberfläche ungefähr 280 mm in der Länge und 130 mm in der Höhe.
Die Abzeichen bestehen aus Bevo-gewebten Effekten auf dunkelgrünem Grund. An der Vorderseite befindet sich ein maschinengestickter Hoheitsadler (Wehrmacht-Adler) in leuchtend gelben Fäden, der ein bekränztes Hakenkreuz in den Fängen hält, mit Maßen von etwa 65 mm Breite und 26 mm Höhe. Darunter ist eine maschinengestickte dreifarbige Kokarde in Rot, Weiß und Schwarz auf einem dunkelgrünen Rautengrund angebracht, umgeben von einer goldgelben gestickten Soutache, mit Maßen von etwa 35 mm x 35 mm. Das Farbschema Gelb auf Feldgrau war spezifisch für bestimmte Kriegsmarine-Einheiten: Während die reguläre Marineinfanterie und Schiffsbesatzungen überwiegend silberne oder weiße Abzeichen auf dunkelblauem Grund trugen, verwendeten die spezialisierten Landeinheiten der Marine, einschließlich der Küstenartillerie, feldgraue Grundmaterialien. Die gelbe Farbe des Adlers folgte den Traditionen der Artillerie als Waffengattung.
Verwendung und Trageweise
Das Schiffchen war die Standardkopfbedeckung für Mannschaftsdienstgrade der Wehrmacht im Landdienst. In der Kriegsmarine wurde es zur Arbeitsuniform und zu bestimmten Landdienstuniformen getragen. Im Gegensatz zur charakteristischen Tellermütze mit Mützenband, die zur Borduniform gehörte, war das Schiffchen für den Landdienst und insbesondere bei der Küstenartillerie deutlich praktischer. Feldgraue Uniformen und Kopfbedeckungen wurden bei der deutschen Marine bereits seit 1919 für landgestütztes Personal verwendet und setzten sich über die Reichsmarine bis zur Kriegsmarine fort. Im Jahr 1935 wurde eine neue Schirmmütze in „Sattelform“ für die Marinelandeinheiten eingeführt, die die Reichsmarine-Schirmmütze in „Tellerform“ ersetzte. Schnitt und Stil der feldgrauen Schiffchen ähnelten denen des Heeres, wobei sich die Abzeichen und Effekten hauptsächlich durch gelbe Materialien in konventionellem Marinemuster unterschieden. Es existierten Varianten für Offiziere (mit handgestickten Abzeichen) und für Mannschaften (mit maschinengestickten oder Bevo-gewebten Abzeichen). Das M38-Schiffchen war das Standardmodell, das später durch die M43-Feldmütze, eingeführt 1943, ergänzt wurde.
Die Küstenartillerie der Kriegsmarine
Die Küstenartillerie-Gruppen (Marine Artillerie Abteilung – MAA) hatten den Auftrag, feindliche Flotten in Sichtweite der Küste zu bekämpfen und große Häfen sowie sensible Verteidigungsabschnitte zu schützen. Neben den MAA existierten leichte Küstenartillerie-Gruppen (leMAA) und Marine-Flakartillerie-Abteilungen (MaF/A). Das Personal all dieser Formationen trug diese Art feldgrauer Kopfbedeckung. Die Marineküstenartillerie betrieb schwere Geschütze mit Kalibern bis zu 40,6 cm, die in der Lage waren, Seeziele auf große Entfernungen zu bekämpfen.
Historischer Kontext: Der Atlantikwall
Mit der Eroberung und Besetzung anderer Länder wurde die Küstenartillerie entlang der Küsten dieser Länder stationiert, insbesondere in Frankreich und Norwegen, als Teil des Atlantikwalls. Der Atlantikwall war ein ausgedehntes System von Küstenverteidigungsanlagen und Befestigungen, das von Nazi-Deutschland zwischen 1942 und 1944 entlang der Küste Kontinentaleuropas und Skandinaviens errichtet wurde. Ab der Besetzung Norwegens, der Niederlande, Belgiens und Frankreichs ab 1940 wurde dieses umfangreiche System von Küstenbefestigungen aufgebaut. Die Verwaltung und der Betrieb des Atlantikwalls oblagen überwiegend dem deutschen Heer, mit Unterstützung von Luftwaffen-Bodeneinheiten. Die Kriegsmarine unterhielt ein separates Küstenverteidigungsnetz, das in eine Reihe von Seeverteidigungszonen gegliedert war. Es ist bemerkenswert, dass Schiffchen dieser Art auch in besetzten Gebieten gefertigt wurden – so sind Exemplare bekannt, die im besetzten Paris produziert wurden.
Nachkriegsgeschichte und Bedeutung für Sammler
Nach Kriegsende 1945 wurden viele dieser Abzeichen und Uniformstücke zerstört oder von Soldaten als Erinnerungsstücke aufbewahrt. Die Kriegsmarine selbst wurde 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa aufgelöst. Heute stellen solche Objekte bedeutende historische Dokumente dar, die Einblicke in die Organisation, Uniformierung und materielle Kultur der deutschen Streitkräfte bieten. Das vorliegende Schiffchen weist ein kleines Loch neben der Kokarde auf und befindet sich im Zustand 3. Für den seriösen Sammler von Kriegsmarine-Uniformen repräsentiert dieses Stück eine faszinierende Schnittstelle zwischen Marine- und Heerestradition und dokumentiert die Realität des Landkrieges einer Teilstreitkraft, die in der populären Vorstellung fast ausschließlich mit dem Seekrieg verbunden wird.