NSV Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen
Die Brosche des NSV Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Wohlfahrtsorganisation während der Zeit des Dritten Reiches dar. Diese Organisation war Teil der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), die ab 1933 zur größten Massenorganisation der NSDAP nach der Deutschen Arbeitsfront wurde.
Der Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen wurde als Unterorganisation der NSV geschaffen, um professionelle Krankenschwestern und Pflegerinnen unter nationalsozialistischer Kontrolle zu vereinen. Die Organisation zielte darauf ab, das Pflegepersonal ideologisch auszurichten und in die nationalsozialistische Volksgemeinschaft zu integrieren. Freie Schwestern waren dabei Pflegekräfte, die nicht konfessionell gebunden waren – im Gegensatz zu den traditionellen kirchlichen Schwesternschaften, die bis dahin das Pflegewesen dominiert hatten.
Die vorliegende Brosche in der ersten Form mit 36 mm Durchmesser gehört zu den offiziellen Abzeichen, die von Mitgliedern des Reichsbundes getragen wurden. Diese Broschen dienten als Erkennungszeichen und symbolisierten die Zugehörigkeit zur Organisation. Das Medaillon im Zentrum der Brosche trug typischerweise das Symbol der NSV oder spezifische Embleme des Reichsbundes, häufig in Emaille-Ausführung, was die hier erwähnte Beschädigung des Emailles erklärt.
Die NSV wurde offiziell am 3. Mai 1933 gegründet und entwickelte sich rasch zur zentralen Wohlfahrtsorganisation des NS-Regimes. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt ab 1933 expandierte die Organisation erheblich und übernahm zunehmend Aufgaben, die zuvor von kirchlichen und privaten Wohlfahrtsverbänden wahrgenommen wurden. Bis 1939 hatte die NSV etwa 17 Millionen Mitglieder, was sie zu einer der größten Organisationen im nationalsozialistischen Deutschland machte.
Der Reichsbund der Freien Schwestern und Pflegerinnen war integraler Bestandteil der NSV-Struktur und spielte eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung. Die Mitglieder wurden in nationalsozialistischer Ideologie geschult und waren verpflichtet, die Rassengesetze und eugenischen Prinzipien des Regimes zu unterstützen. Sie arbeiteten in Krankenhäusern, bei der häuslichen Pflege, in Mütterberatungsstellen und während des Krieges zunehmend in Lazaretten und feldnahen Einrichtungen.
Die Herstellung solcher Broschen unterlag bestimmten Vorschriften und wurde von autorisierten Herstellern durchgeführt. Die erste Form der Brosche, wie hier beschrieben, wurde in der Frühphase der Organisation verwendet und unterschied sich möglicherweise von späteren Varianten, die im Laufe der Jahre eingeführt wurden. Die Größe von 36 mm war eine Standardgröße für derartige Organisationsabzeichen.
Das Tragen der Brosche an der Nadel war vorschriftsmäßig und ermöglichte es den Trägerinnen, ihre Zugehörigkeit zur Organisation sichtbar zu machen. Dies war besonders wichtig in einem System, das großen Wert auf Uniformierung und äußere Erkennungszeichen legte. Die Brosche wurde üblicherweise an der Dienstkleidung oder an der Uniform getragen.
Während des Zweiten Weltkrieges gewann die Arbeit der Schwestern und Pflegerinnen zusätzliche Bedeutung. Sie waren nicht nur in der zivilen Krankenversorgung tätig, sondern auch in der Betreuung von verwundeten Soldaten, bei der Evakuierung von Kindern im Rahmen der Kinderlandverschickung und in zahlreichen anderen kriegsbezogenen Aufgaben. Die NSV und ihre Unterorganisationen wurden zunehmend in die Kriegswirtschaft und Kriegsführung integriert.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 wurden die NSV und alle ihre Unterorganisationen von den Alliierten verboten und aufgelöst. Das Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 ordnete die Auflösung der NSDAP und aller angeschlossenen Organisationen an. Die Abzeichen und Symbole dieser Organisationen wurden zu historischen Artefakten, die heute als Zeugnisse dieser Epoche in Sammlungen und Museen bewahrt werden.
Die erhaltene Brosche mit leichten Gebrauchsspuren und einer kleinen Emaillebeschädigung deutet darauf hin, dass sie tatsächlich getragen wurde. Solche authentischen Stücke sind wichtige historische Quellen für das Verständnis der Organisationsstruktur und des Alltags im nationalsozialistischen Deutschland. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie, einschließlich des Gesundheitswesens und der Wohlfahrtspflege.