Preußen Paar Schulterstücke für einen Oberstabsveterinär zur Disposition

Um 1914. Karmesinrote Tuchunterlage , zum einnähen. Zustand 2.
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200,00

Preußen Paar Schulterstücke für einen Oberstabsveterinär zur Disposition

Die vorliegenden Schulterstücke für einen Oberstabsveterinär zur Disposition aus der Zeit um 1914 repräsentieren ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Rangabzeichen des Königreichs Preußen in der Endphase des Kaiserreichs. Diese Distinktionszeichen dokumentieren die wichtige Rolle, die Militärveterinäre in der preußischen und deutschen Armee spielten.

Der Rang eines Oberstabsveterinärs war eine hohe Position innerhalb des Veterinärkorps der preußischen Armee. Die Ergänzung “zur Disposition” (z.D.) bedeutete, dass der betreffende Offizier zwar seinen Rang behielt, aber vorübergehend oder dauerhaft ohne aktives Kommando war. Dies konnte verschiedene Gründe haben: Wartestellung auf eine neue Verwendung, gesundheitliche Gründe, Reorganisation der Truppe oder der Übergang in den Ruhestand. Offiziere zur Disposition waren weiterhin Teil der Armee und trugen ihre Uniform mit den entsprechenden Rangabzeichen, hatten aber keine aktive Truppenführung.

Die karmesinrote Tuchunterlage ist charakteristisch für das preußische Militär und hatte eine spezifische Bedeutung. In der preußischen Armee kennzeichnete die Farbe Karmesinrot die Waffenfarbe der Veterinärdienste und des Sanitätskorps. Diese Farbgebung war in den Uniformvorschriften genau festgelegt und ermöglichte eine sofortige Identifikation der Truppengattung. Die Verwendung von Karmesinrot für Veterinäroffiziere war seit den preußischen Armeereformen des 19. Jahrhunderts etabliert und blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bestehen.

Schulterstücke, auch Epauletten oder Achselstücke genannt, waren wesentliche Bestandteile der Offiziersuniform. Sie wurden auf den Schultern der Uniformröcke getragen und dienten der Rangkennzeichnung. Die zum Einnähen bestimmte Ausführung deutet darauf hin, dass diese Schulterstücke für den täglichen Dienst oder die Ausgehuniform vorgesehen waren, im Gegensatz zu aufschiebbaren Epauletten für Paradeuniformen.

Das Veterinärkorps der preußischen Armee hatte eine lange Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert erkannte man die Notwendigkeit einer professionellen tierärztlichen Versorgung der Militärpferde. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Kriegsführung und der immer noch großen Abhängigkeit von Pferden für Kavallerie, Artillerie und Transport war die Rolle der Militärveterinäre von entscheidender Bedeutung. Um 1914, am Vorabend des Ersten Weltkriegs, hatte das Deutsche Heer Hunderttausende von Pferden im Dienst, die alle tierärztlicher Betreuung bedurften.

Die Rangstruktur des Veterinärkorps war parallel zu der anderer Offizierslaufbahnen aufgebaut. Der Oberstabsveterinär entsprach in etwa dem Rang eines Majors oder Oberstleutnants in der Linientruppe. Diese Offiziere hatten ihre veterinärmedizinische Ausbildung an spezialisierten Institutionen wie der Königlichen Tierärztlichen Hochschule in Berlin absolviert und verfügten über umfassende Kenntnisse in Pferdeheilkunde, Seuchenbekämpfung und Militärorganisation.

Die Zeit um 1914 markiert einen Wendepunkt in der Militärgeschichte. Das preußisch-deutsche Heer stand am Beginn des Ersten Weltkriegs, der die letzte große militärische Auseinandersetzung werden sollte, in der Pferde eine zentrale Rolle spielten. Die Uniformen und Rangabzeichen dieser Epoche trugen noch stark traditionelle Züge, die teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreichten, wurden aber zunehmend durch praktische Erwägungen der modernen Kriegsführung beeinflusst.

Die Verarbeitung solcher Schulterstücke erfolgte nach strengen Vorschriften. Die Tuchunterlage musste von bestimmter Qualität sein, die Dimensionen waren genau festgelegt, und die Anbringung von Rangsternen, Paspelierungen oder anderen Kennzeichen folgte präzisen Regelwerken. Diese Standards waren in verschiedenen Anzugsordnungen und Uniformreglements niedergelegt, die regelmäßig aktualisiert wurden.

Für Sammler und Militärhistoriker sind solche Schulterstücke wertvolle Objekte, da sie nicht nur handwerkliche Qualität zeigen, sondern auch wichtige Informationen über Rangstrukturen, Organisationsformen und die soziale Stellung verschiedener Militärberufe vermitteln. Sie dokumentieren eine Epoche, in der militärische Hierarchien durch ein komplexes System von visuellen Kennzeichen ausgedrückt wurden.

Das Paar Schulterstücke in gutem Erhaltungszustand (Zustand 2) zeigt, dass diese Gegenstände oft sorgfältig aufbewahrt wurden, was ihre Bedeutung für die Träger und deren Familien unterstreicht. Viele solcher Uniformteile wurden nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie als Erinnerungsstücke bewahrt, als die preußische Armee aufgelöst und durch die Reichswehr ersetzt wurde.

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