Südwest-Afrika Denkmünze für Nichtkämpfer

17 mm, Knopflochdekoration, Zustand 2.
520949
95,00

Südwest-Afrika Denkmünze für Nichtkämpfer

Die Südwest-Afrika Denkmünze für Nichtkämpfer stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte dar und wurde am 19. März 1907 von Kaiser Wilhelm II. des Deutschen Reiches gestiftet. Diese Auszeichnung sollte den Dienst während der Niederschlagung der Herero- und Nama-Aufstände im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, in den Jahren 1904 bis 1906 würdigen – einem Kolonialkrieg, der heute als Völkermord anerkannt wird. Die Medaille ehrte herausragende Leistungen, Tapferkeit, Anstrengungen und Entbehrungen deutscher Kräfte im Zeitraum von Januar 1904 bis zum 31. März 1907.

Der Entwurf der Medaille stammte von Wilhelm II. selbst, während die Stempel von Otto Schultz, seit 1902 erster Medailleur der Berliner Hauptmünze, geschnitten wurden. Die Prägung erfolgte in der Berliner Münze. Das vorliegende Exemplar ist eine 17-mm-Knopflochdekoration, also eine Miniaturversion der regulären Medaille, die für das diskrete Tragen im Zivil gedacht war.

Die physische Gestaltung zeigt auf der Vorderseite den Kopf der Germania mit geflügeltem Helm, nach links blickend. Am linken Rand verläuft die gebogene Inschrift SUEDWEST AFRIKA, am rechten Rand, etwas tiefer gesetzt, die Jahreszahl 1904-06. Bei original ausgegebenen Stücken erscheint die Signatur SCHULTZ sehr klein im Halsbereich. Die Rückseite präsentiert in der Mitte das gekrönte Monogramm W II (Wilhelm II.), überhöht von der Kaiserkrone. Unterhalb des Monogramms befindet sich ein Lorbeerzweig – anstelle der gekreuzten Schwerter der Kämpferversion. Die umlaufende Inschrift lautet: VERDIENST UM DIE EXPEDITION (Verdienst um die Expedition).

Ein charakteristisches Merkmal originaler Stücke ist die V-förmige Querstange im Buchstaben A. Ersatzstücke und Miniaturen für Ordensspangen fehlt die Graveur-Signatur. Die Nichtkämpfer-Version wurde in poliertem Stahl gefertigt, während die Kämpferversion in Bronze ausgegeben wurde. Reproduktionen und Ersatzstücke wurden auch aus anderen Materialien wie Weißmetall, Silber oder versilbertem Basismetall hergestellt.

Es existierten zwei Versionen der Südwestafrika-Denkmünze: Die Bronzeversion für Kämpfer mit der Inschrift DEN SIEGREICHEN STREITERN und gekreuzten Schwertern auf der Rückseite, sowie die Stahlversion für Nichtkämpfer mit der Inschrift VERDIENST UM DIE EXPEDITION und Lorbeerzweig auf der Rückseite. Beide Versionen existierten in Originalgröße und als Miniaturen. Während für die Kämpferversion 16 verschiedene Gefechtsspangen existierten, wurden keine Gefechtsspangen mit der Nichtkämpfer-Version verliehen.

Die Verleihungskriterien umfassten Angehörige der Schutztruppe, die an der Vorbereitung, Zusammenstellung und Entsendung der Südwestafrikanischen Streitkräfte teilnahmen oder die Interessen der eingesetzten Truppen in außerordentlich verdienstvoller Weise während des Zeitraums Januar 1904 bis 31. März 1907 unterstützten. Ebenso berechtigt waren Besatzungsmitglieder von Schiffen, die ausschließlich mit dem Transport von Truppen und Kriegsmaterial nach Südwestafrika und zurück beauftragt waren. Verliehen werden konnte die Medaille auch an Kolonialverwaltungsbeamte, Missionare, Ärzte, medizinisches Personal, Kaufleute, Siedler und andere Zivilisten, die militärische Operationen unterstützten, sowie an Angehörige von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz.

Im Jahr 1908 wurde der Kreis der Berechtigten auf Teilnehmer der Kalahari-Expedition erweitert. Eine bemerkenswerte Verleihung erfolgte im Januar 1909, als 105 Bronzemedaillen mit der Spange Kalahari 1907 an britische Truppen der Kapkolonie überreicht wurden – die einzige Instanz, bei der eine deutsche Kaiserliche Medaille en bloc an eine britische Streitmacht verliehen wurde.

Die Medaille wurde von den Trägern bis 1914 weitergetragen. Südafrikanische Empfänger entfernten ihre deutschen Medaillen bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, und diese tauchten viele Jahre lang nicht wieder auf. Die Neubewertung der deutschen Kolonialvergangenheit, einschließlich der Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama durch die deutsche Bundesregierung im Jahr 2021, verleiht solchen historischen Objekten besondere Bedeutung als materielle Zeugen dieser Geschichte. Authentische Exemplare sind auf dem Sammlermarkt heute relativ selten.