Wehrmacht Herstelleretikett für 10 Trikothemden 

Trikothemd 10 Stück, R-B.Nr. 0/0761/0108, auf Pappe gedruckt, Zustand 2-.
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€ 10,00

Wehrmacht Herstelleretikett für 10 Trikothemden 

Herstelleretikett für Wehrmacht-Trikothemden: Ein Zeugnis militärischer Bekleidungslogistik im Zweiten Weltkrieg

Das vorliegende Herstelleretikett für zehn Trikothemden repräsentiert einen faszinierenden Aspekt der deutschen Militärlogistik während des Zweiten Weltkriegs. Diese auf Pappe gedruckten Etiketten waren integraler Bestandteil des komplexen Systems der Heeresversorgung, das Millionen von Soldaten mit Uniformen und Ausrüstung versorgen musste.

Die Wehrmacht-Bekleidungsverwaltung

Die Wehrmacht etablierte ein ausgeklügeltes System zur Verwaltung und Verteilung von Bekleidungsgegenständen. Die R-B.Nr. (Reichsbekleidungsnummer) 0/0761/0108 auf diesem Etikett war Teil eines umfassenden Katalogisierungssystems, das die Identifikation, Nachverfolgung und Bestandsverwaltung aller Ausrüstungsgegenstände ermöglichte. Jede Nummer war spezifisch einem bestimmten Artikel, seiner Größe und Spezifikation zugeordnet.

Das System der Reichsbekleidungsnummern wurde in den 1930er Jahren entwickelt und kontinuierlich verfeinert. Es ermöglichte eine zentrale Kontrolle über die Produktion und Verteilung von Millionen Bekleidungsstücken, die von hunderten verschiedenen Herstellern im gesamten Deutschen Reich und später in besetzten Gebieten produziert wurden.

Trikothemden in der Wehrmacht

Trikothemden waren grundlegende Unterbekleidungsstücke für Wehrmacht-Angehörige. Diese aus Baumwolltrikot gefertigten Hemden wurden direkt auf der Haut unter der Uniform getragen und dienten mehreren Zwecken: Sie absorbierten Schweiß, boten eine zusätzliche Wärmeschicht und schützten die teureren Uniformteile vor direktem Hautkontakt.

Die Standardausgabe für Soldaten umfasste typischerweise zwei bis drei Trikothemden, die regelmäßig gewechselt und gewaschen werden sollten. In der Realität des Kriegsalltags, besonders an der Ostfront oder in Nordafrika, war dies jedoch oft schwierig umzusetzen. Die hygienischen Bedingungen in Schützengräben und Feldlagern waren häufig prekär, was die Bedeutung ausreichender Unterbekleidungsvorräte unterstreicht.

Produktion und Herstellerkennzeichnung

Die Produktion von Militärbekleidung im Dritten Reich involvierte ein weitverzweigtes Netzwerk von Textilfabriken, Schneidereibetrieben und Zulieferern. Herstelleretiketten wie das vorliegende dienten mehreren wichtigen Funktionen:

Erstens ermöglichten sie die Qualitätskontrolle. Wenn Mängel an gelieferten Waren festgestellt wurden, konnte der Hersteller identifiziert und zur Verantwortung gezogen werden. Zweitens erleichterten sie die Bestandsverwaltung in Depots und Lagerhäusern. Die Angabe “10 Stück” auf dem Etikett deutet darauf hin, dass Trikothemden in standardisierten Gebinden verpackt und ausgeliefert wurden.

Drittens dienten diese Etiketten der Abrechnung zwischen Herstellern und der Militärverwaltung. Die Rüstungsproduktion unterlag strikten vertraglichen Regelungen, und jede gelieferte Einheit musste dokumentiert werden.

Materialknappheit und Kriegswirtschaft

Mit fortschreitender Kriegsdauer verschärfte sich die Materialknappheit im Deutschen Reich dramatisch. Baumwolle, traditionell das bevorzugte Material für Unterbekleidung, wurde zunehmend knapper. Die Blockade durch die Alliierten unterbrach Lieferungen aus überseeischen Baumwollanbaugebieten. Dies führte zu mehreren Anpassungen:

Ab 1942 wurden verstärkt Ersatzstoffe und Zellwolle (eine Kunstfaser auf Zellulosebasis) verwendet. Die Qualität der Trikothemden variierte zunehmend, und Größen- sowie Qualitätsstandards mussten gelockert werden. Recycling von Textilien aus besetzten Gebieten und die Wiederverwendung von Material gefallener Soldaten wurden systematisch praktiziert.

Historische Bedeutung

Solche Herstelleretiketten mögen auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen, doch sie dokumentieren wichtige Aspekte der Kriegsführung im 20. Jahrhundert. Die moderne industrielle Kriegsführung erforderte nicht nur Waffen und Munition, sondern eine umfassende logistische Infrastruktur zur Versorgung von Millionen Soldaten mit allem Notwendigen – von Nahrung über Munition bis eben zur Unterbekleidung.

Die Bürokratie der Wehrmacht, exemplifiziert durch solche detaillierten Katalogisierungssysteme, zeigt sowohl die organisatorischen Stärken als auch die Schwächen des NS-Regimes. Während das System zunächst effizient funktionierte, wurde es mit der Überdehnung der deutschen Streitkräfte und den zunehmenden Materialengpässen immer schwerfälliger.

Sammler- und Forschungswert

Heute sind solche Etiketten wertvolle Quellen für Militärhistoriker und Sammler. Sie ergänzen unser Verständnis der alltäglichen Realität des Krieges jenseits von Schlachten und Strategien. Die Erhaltung solcher Dokumente – selbst scheinbar banaler administrativer Materialien – ermöglicht eine umfassendere Rekonstruktion der historischen Wirklichkeit und trägt zur Dokumentation eines dunklen Kapitels deutscher Geschichte bei.