1. Weltkrieg patriotischer Fingerring für Spender von goldenen Eheringen

um 1914. Ring aus Weißblech mit umlaufender Prägung "Vaterlandsdank 1914", Innendurchmesser 17 mm, Leicht getragen, Zustand 2.
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65,00

1. Weltkrieg patriotischer Fingerring für Spender von goldenen Eheringen

Der Vaterlandsdank 1914 Ring gehört zu den eindrucksvollsten materiellen Zeugnissen der Heimatfront im Ersten Weltkrieg. Bei Ausbruch des Krieges im August 1914 benötigte das Deutsche Kaiserreich dringend Edelmetalle zur Kriegsfinanzierung. Die Regierung griff dabei auf eine bewährte Kampagne aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon zurück: Gold gab ich für Eisen, die ursprünglich 1813-1814 durchgeführt worden war.

Die Bürger, insbesondere Frauen, wurden ermutigt, ihre goldenen Eheringe und Schmuckstücke für die Kriegsanstrengungen zu spenden. Im Austausch erhielten sie Ersatzringe aus Eisen, Stahl oder unedlen Metallen mit patriotischen Inschriften. Diese Kampagne erzeugte einen erheblichen sozialen Druck in der deutschen Gesellschaft: Wer einen eisernen oder stählernen Ring trug, demonstrierte damit öffentlich seine Vaterlandstreue und Opferbereitschaft, während jene, die weiterhin Gold trugen, gesellschaftliches Ansehen verloren.

Es existierten mehrere Varianten dieser patriotischen Ringe. Neben den Vaterlandsdank 1914 Ringen gab es auch solche mit der Inschrift Gold gab ich für Eisen mit oder ohne Jahreszahl, Ringe mit Eisernem Kreuz-Motiven und dem Datum 1914 sowie Pro Patria 1914 Ringe. Die verwendeten Materialien variierten erheblich: Am häufigsten war Eisen, aber auch verzinnter Stahl (Weißblech) wie beim vorliegenden Exemplar sowie Silber in 800er oder 925er Legierung wurden verwendet. Manche Ringe trugen die Inschrift innen oder außen am Band.

Das beschriebene Objekt besteht aus Weißblech, also verzinntem Stahlblech, und weist einen Innendurchmesser von 17 Millimetern auf. Die umlaufende erhabene Prägung VATERLANDSDANK 1914 ist charakteristisch für diese Ringart. Dokumentierte Exemplare weisen Innendurchmesser von 16 bis 21 Millimetern auf, wobei bei einigen Beispielen Oxidation oder dunkler Hintergrund hinter der erhabenen Inschrift sichtbar ist.

Ab 1916 belohnte die Reichsbank Goldspenden formell mit Medaillen, was zeigt, dass sich die Kampagne über mehrere Jahre entwickelte. Während die meisten Ringe das Datum 1914 tragen, sind aus Museumssammlungen auch Exemplare aus den Jahren 1915-1917 bekannt. Die Herstellung erfolgte durch verschiedene Hersteller im gesamten Deutschen Reich, was die unterschiedlichen Materialien und Ausführungen erklärt. Einige Hersteller produzierten magnetische Eisenringe, andere verwendeten Silber in verschiedenen Legierungen.

Organisationen wie Vaterlandsdank wurden gegründet, um Kriegswitwen und Kriegswaisen zu unterstützen. Die Ringe markierten persönliches Opfer für die Kriegsanstrengungen und waren sichtbare Beweise patriotischer Hingabe in einer Zeit nationaler Mobilisierung. Ähnliche Kampagnen fanden auch in Österreich-Ungarn statt, was die weite Verbreitung dieser Praxis im deutschsprachigen Raum zeigt.

Nach der deutschen Niederlage 1918 wurden diese Ringe zu historischen Artefakten und Sammlerstücken, die das Opfer der Heimatfront während des Ersten Weltkriegs repräsentieren. Heute finden sie sich in Museumssammlungen wie dem Landesmuseum Württemberg sowie in Privatsammlungen. Die Ringe dienen als materielle Beweise für Kriegspropaganda, sozialen Druck und zivile Mobilisierung während des Großen Krieges. Sie erinnern an eine Zeit, in der von der Zivilbevölkerung erwartet wurde, persönliche Opfer für nationale Ziele zu bringen, und in der soziale Konformität durch sichtbare Symbole erzwungen wurde.

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