Deutsches Reich 1. Weltkrieg Feldflasche Modell 1915/17

Vereinfachte Ausführung 1918. Die Flasche aus innen und außen feldgrau lackiertem Stahlblech, der Mantel aus grobem, olivgrün gefärbtem Gewebe, statt der Druckknöpfe schon mit fünf metallenen Ösen mit der originalen schwarzen Kordel. Komplett mit dem Korkpfropfen an der geriffelten eisernen Kapsel und dem eisernen Trage-Karabiner an dem Riemen, welcher am Mantel vernäht ist. Der Mantel außen mit dem Stempel des Herstellers «Emanuel Kühn Karlsruhe 1918». Zustand 2.

Das Stück stammt aus einem Depot aus Lüttich. Die Feldflaschen wurden im Laufe des Krieges immer mehr vereinfacht und wegen des Rohstoffmangels zunehmend mithilfe von Ersatzstoffen hergestellt. Für den Soldaten war die Versorgung mit Wasser eine höchste Priorität. Ab 1918 sollte jeder Frontsoldat nun zwei anstatt einer Feldflasche erhalten, was den Bedarf dieses wichtigen Gutes nochmals verdoppelte.
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350,00

Deutsches Reich 1. Weltkrieg Feldflasche Modell 1915/17

Die Feldflasche Modell 1915/17 repräsentiert einen entscheidenden Wendepunkt in der deutschen Militärausrüstung des Ersten Weltkriegs. Als sich der Konflikt von einem erwarteten kurzen Bewegungskrieg zu einem zermürbenden Stellungskrieg entwickelte, musste das Deutsche Reich seine Produktion militärischer Ausrüstung grundlegend anpassen und vereinfachen.

Die ursprünglichen deutschen Feldflaschen zu Kriegsbeginn 1914 waren noch aufwendig gefertigt, mit Aluminium- oder Stahlkörpern und sorgfältig gearbeiteten Filzmänteln. Doch die enormen Materialverluste an der Front und der zunehmende Rohstoffmangel durch die alliierte Blockade zwangen die deutsche Kriegswirtschaft zu drastischen Vereinfachungen. Das Modell 1915/17 entstand aus dieser Notwendigkeit heraus.

Die hier beschriebene Feldflasche aus dem Jahr 1918 zeigt die letzte Entwicklungsstufe dieser Vereinfachung. Der Flaschenkörper bestand nun aus innen und außen feldgrau lackiertem Stahlblech, wobei die Lackierung sowohl dem Rostschutz als auch der Tarnung diente. Im Gegensatz zu früheren Modellen wurde auf teure Materialien vollständig verzichtet. Der Mantel aus grobem, olivgrün gefärbtem Gewebe ersetzte die früheren Filzmäntel und bot dennoch ausreichenden Schutz sowie Isolation.

Eine charakteristische Vereinfachung der 1918er Ausführung war der Verzicht auf Druckknöpfe. Stattdessen wurden fünf metallene Ösen mit schwarzer Kordel verwendet – eine deutlich einfachere und materialschonendere Lösung. Der Korkpfropfen an der geriffelten eisernen Kapsel und der eiserne Trage-Karabiner am vernähten Riemen vervollständigten die funktionale, aber spartanische Konstruktion.

Der Hersteller Emanuel Kühn aus Karlsruhe war einer von vielen Zulieferern, die in der deutschen Rüstungsindustrie tätig waren. Der Stempel auf dem Mantel ermöglicht eine präzise Datierung und Zuordnung dieses Stücks. Karlsruhe entwickelte sich während des Krieges zu einem wichtigen Produktionsstandort für militärische Ausrüstung.

Die Wasserversorgung hatte für die Soldaten im Stellungskrieg höchste Priorität. In den Schützengräben der Westfront, wo Soldaten oft tagelang ausharren mussten, war eine zuverlässige Wasserversorgung überlebenswichtig. Die verschmutzen, oft mit Giftgas kontaminierten Gebiete machten eine sichere Wasseraufbewahrung unerlässlich. Ab 1918 ordnete die Oberste Heeresleitung an, dass jeder Frontsoldat zwei statt einer Feldflasche erhalten sollte. Diese Entscheidung verdoppelte den ohnehin schon enormen Bedarf und stellte die Kriegswirtschaft vor zusätzliche Herausforderungen.

Das vorliegende Stück stammt aus einem Depot in Lüttich (Belgien), das während der deutschen Besatzung als wichtiger Nachschubknotenpunkt diente. Nach dem Waffenstillstand im November 1918 fielen große Mengen deutscher Militärausrüstung in alliierte Hände. Viele dieser Depots wurden versiegelt und die Bestände eingelagert, was erklärt, warum manche Ausrüstungsgegenstände in bemerkenswert gutem Zustand erhalten blieben.

Die Materialknappheit des Deutschen Reiches 1918 lässt sich an dieser Feldflasche deutlich ablesen. Die britische Seeblockade hatte Deutschland von wichtigen Rohstoffquellen abgeschnitten. Kupfer, Messing und andere Nichteisenmetalle wurden für kriegswichtigere Zwecke wie Munitionsherstellung benötigt. Selbst Textilien wurden knapp, da die Baumwollimporte ausblieben. Die Verwendung von grobem Gewebe und einfachem Stahlblech spiegelt diese Zwangslage wider.

Trotz aller Vereinfachungen blieb die Feldflasche funktional und robust. Die Konstruktion mit dem isolierenden Stoffmantel schützte den Inhalt vor extremen Temperaturen und dämpfte Geräusche beim Tragen. Die feldgraue Lackierung folgte den militärischen Vorschriften zur Tarnung, die seit 1910 die traditionellen bunten Uniformen abgelöst hatten.

Die Feldflasche Modell 1915/17 in ihrer vereinfachten Ausführung von 1918 ist somit mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand. Sie ist ein materielles Zeugnis der totalen Mobilisierung der deutschen Gesellschaft, der zunehmenden Ressourcenknappheit und der verzweifelten Bemühungen, eine moderne Massenarmee im vierten Kriegsjahr noch ausrüsten zu können. Gleichzeitig dokumentiert sie die alltäglichen Bedürfnisse der Soldaten, für die sauberes Trinkwasser oft wichtiger war als Munition.