III. Reich Adolf Hitler:  Fisch Vorlegemesser aus dem Besteck der Alten Reichskanzlei

.um 1935. Aus der Alten Reichskanzlei. auf dem den Griffstück reliefierter Hoheitsadler mit umlaufender Zierkante. Rückseitig gestempelt "Bruckmann" und  "90" für die Feinsilberauflage, Länge 27,9 cm. Leichte Gebrauchspuren, Zustand 2.
Dieses Tafelsilber war in der Alten Reichskanzlei in Gebrauch, als auch in den Deutschen Botschaften im Ausland.

Wir konnten einen kleinen Restbestand aus US Kriegsbeute erwerben

Die Kantine der Reichskanzlei unterstand der Leitung von Arthur Kannenberg (* 23. Februar 1896 in Charlottenburg; † 26. Januar 1963 in Düsseldorf). Kannenberg war der Hausintendant Adolf Hitlers. Kannenberg schloss die Werdersche Oberrealschule in Berlin mit der mittleren Reife ab und begann 1912 eine Lehre im gastronomischen Betrieb seines Vaters Oskar Kannenberg. Ab 1915 diente er im Telegrafen-Bataillon I. und wurde 1918 als Gefreiter entlassen. Ab 1924 führte er die Betriebe seines Vaters, das Restaurant Kannenberg, Hotel Stadt Berlin und das im Grunewald gelegene Ausflugslokal Onkel Toms Hütte, die 1930 in Konkurs gingen. Als Geschäftsführer von Pfuhl’s Wein- und Bierstuben, in der auch bekannte Nazi-Größen wie Joseph Goebbels und Hermann Göring verkehrten, lernte er Hitler kennen, der ihm die Leitung des Kasinos der Parteizentrale Braunes Haus in München antrug. Diese Tätigkeit nahm er 1931 auf. In der Folge wurde ihm auch die Führung der Kantine der Reichsführerschule der NSDAP in der Schwanthalerstraße übertragen. Nachdem Hitler 1933 Reichskanzler geworden war, wurde Kannenberg Hausintendant in der Reichskanzlei. Dabei organisierte er den Ablauf des Führerhaushalts. Dazu gehörte insbesondere die Einstellung des Personals, die Versorgung mit Lebensmitteln und Getränken und die Erarbeitung der Speisepläne, aber auch die Organisation der Bewirtung bei Staatsempfängen sowohl in der Reichskanzlei als auch gelegentlich auf dem Berghof; während des Krieges war er dann im Führerhauptquartier in der Wolfsschanze tätig und zuletzt im Bunker der Reichskanzlei in Berlin. Im Mai 1945 wurde er von den Amerikanern interniert und am 25. Juli 1946 entlassen. 
Viele Stücke aus der Reichskanzlei waren nach Kriegsende beliebte Souvenirs der Besatzungstruppen, aber auch viele Berliner haben mit den Überresten der Reichskanzlei ihren oft ausgebombten Haushalt wieder ausgestattet. 
471450
1.200,00

III. Reich Adolf Hitler:  Fisch Vorlegemesser aus dem Besteck der Alten Reichskanzlei

Das vorliegende Fischvorlegemesser aus versilbertem Besteck repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der materiellen Kultur des Dritten Reiches und stammt aus der Alten Reichskanzlei in Berlin. Gefertigt um 1935 von der renommierten Firma Bruckmann, verkörpert dieses Objekt die Verbindung von traditionellem Kunsthandwerk und nationalsozialistischer Repräsentationskultur.

Die Alte Reichskanzlei am Wilhelmplatz in Berlin diente seit 1875 als Amtssitz der deutschen Reichskanzler. Nach der Machtübernahme 1933 wurde das Gebäude zum zentralen Regierungssitz Adolf Hitlers, bis 1939 die von Albert Speer entworfene Neue Reichskanzlei fertiggestellt wurde. Die Ausstattung der Alten Reichskanzlei umfasste umfangreiche Tafelsilberbestände, die sowohl für den täglichen Gebrauch als auch für repräsentative Staatsempfänge verwendet wurden.

Die Firma Bruckmann & Söhne aus Heilbronn war einer der führenden deutschen Silberwarenhersteller des 19. und 20. Jahrhunderts. Das 1805 gegründete Unternehmen belieferte den Hochadel und später auch staatliche Institutionen. Die Stempelung “90” auf dem Besteck bezeichnet die Stärke der Feinsilberauflage und entspricht den damaligen Standards für hochwertiges Tafelsilber. Der reliefierte Hoheitsadler auf dem Griffstück ist das charakteristische Merkmal der offiziellen Reichsausstattung und wurde nach 1933 zum omnipräsenten Symbol staatlicher Autorität.

Arthur Kannenberg (1896-1963) spielte als Hausintendant eine zentrale Rolle in der Organisation des Haushalts der Reichskanzlei. Der gelernte Gastronom übernahm 1933 die Leitung der gesamten Bewirtung und Versorgung. Zu seinen Aufgaben gehörten die Beschaffung von Lebensmitteln, die Erstellung von Speiseplänen, die Einstellung und Überwachung des Personals sowie die Organisation von Staatsempfängen. Kannenberg war für die Verwaltung umfangreicher Silberbestände verantwortlich, die nicht nur in der Reichskanzlei, sondern auch in deutschen Botschaften im Ausland zum Einsatz kamen.

Die Tafelkultur im Dritten Reich folgte weitgehend den traditionellen bürgerlichen und aristokratischen Konventionen des Kaiserreichs. Trotz der propagierten Volksverbundenheit legte das Regime großen Wert auf repräsentative Darstellung bei offiziellen Anlässen. Das umfangreiche Tafelsilber diente der Inszenierung staatlicher Macht und sollte ausländische Diplomaten und Staatsgäste beeindrucken. Spezialbestecke wie Fischvorlegemesser waren fester Bestandteil gehobener Tischkultur und folgten den etablierten Regeln der französischen Service-Tradition.

Nach Kriegsende im Mai 1945 wurde die Reichskanzlei von sowjetischen Truppen erobert, während Berlin später in vier Sektoren aufgeteilt wurde. Die materielle Hinterlassenschaft des Regimes wurde zu begehrten Kriegstrophäen. Amerikanische, britische, französische und sowjetische Soldaten nahmen zahllose Gegenstände als Souvenirs mit. Gleichzeitig bedienten sich auch Berliner Bürger, deren Haushalte durch Bombardements zerstört worden waren, an den Überresten der Regierungsgebäude.

Der Handel mit solchen Objekten begann unmittelbar nach Kriegsende und setzt sich bis heute fort. Während in der unmittelbaren Nachkriegszeit praktische Erwägungen im Vordergrund standen, entwickelte sich später ein Sammlermarkt für NS-Relikte. Die historische Einordnung solcher Objekte bleibt komplex: Sie sind Zeugnisse eines verbrecherischen Regimes, besitzen aber zugleich dokumentarischen Wert für die Erforschung der materiellen Kultur und Alltagsgeschichte des Dritten Reiches.

Die Provenienz solcher Stücke aus US-Kriegsbeute ist typisch für viele erhaltene Objekte aus Regierungsgebäuden. Amerikanische Soldaten hatten nach der Kapitulation Zugang zu den westlichen Sektoren Berlins und konnten Gegenstände legal oder illegal ausführen. Viele dieser Objekte verblieben jahrzehntelang in Privatbesitz in den USA, bevor sie auf den europäischen Sammlermarkt zurückkehrten.

Aus konservatorischer Sicht zeigt das Stück die typischen Gebrauchsspuren eines über mehrere Jahre genutzten Tafelsilbers. Die Versilberung weist Abnutzungserscheinungen auf, was die authentische Verwendung dokumentiert. Die handwerkliche Qualität der Bruckmann-Fertigung ist auch nach Jahrzehnten noch erkennbar und zeugt von der hohen technischen Kompetenz deutscher Silberschmiede jener Epoche.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfordert eine differenzierte Betrachtung. Sie dürfen weder glorifiziert noch ihre historische Bedeutung geleugnet werden. Als Sachquellen ermöglichen sie Einblicke in die Repräsentationskultur, die wirtschaftlichen Strukturen und die Alltagspraxis einer Diktatur. Ihre Existenz wirft zudem Fragen nach dem Umgang mit belasteten Kulturgütern, nach Provenienzforschung und nach der Verantwortung von Sammlern und Museen auf.

r