III. Reich - Frei Stadt Danzig - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Ostland Treue Fahrt 29.8.1933 Senat der Freien Stadt Danzig "
Die Ostland-Treue-Fahrt vom 29. August 1933 stellt ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Freien Stadt Danzig dar, die zwischen 1920 und 1939 unter dem Schutz des Völkerbundes als quasi-unabhängiger Stadtstaat existierte. Diese nichttragbare Teilnehmerplakette dokumentiert eine maritime Propagandaveranstaltung, die in der frühen Phase der nationalsozialistischen Machtübernahme in Danzig stattfand.
Nach dem Vertrag von Versailles 1919 wurde Danzig vom Deutschen Reich getrennt und erhielt den Status einer Freien Stadt unter Verwaltung des Völkerbundes. Die Stadt behielt jedoch ihre überwiegend deutsche Bevölkerung und kulturelle Identität. Der Senat der Freien Stadt Danzig, die Exekutivbehörde, organisierte diese Fahrt als Teil der zunehmenden nationalsozialistischen Einflussnahme.
Im Jahr 1933 gewann die NSDAP auch in Danzig erheblichen politischen Einfluss. Nach der Machtergreifung in Deutschland im Januar 1933 verstärkten sich die nationalsozialistischen Bestrebungen in der Freien Stadt. Die Ostland-Treue-Fahrt war eine von mehreren Veranstaltungen, die die Verbundenheit der Region mit dem deutschen “Mutterland” demonstrieren sollten.
Die nichttragbare Plakette aus Buntmetall mit einem Durchmesser von 90 mm und vier Bohrungen zur Befestigung wurde als Erinnerungsstück für Teilnehmer und Organisatoren dieser Fahrt geschaffen. Solche Plaketten dienten nicht als tragbare Auszeichnungen am Uniformrock, sondern als Wandschmuck oder Sammlerstücke, die an die Teilnahme an bedeutenden Ereignissen erinnerten.
Der Begriff “Ostland” bezog sich auf die östlichen deutschen Gebiete und unterstrrich die geografische und kulturelle Bedeutung dieser Regionen für das deutsche Selbstverständnis. Die Bezeichnung “Treue-Fahrt” sollte die Loyalität zum Deutschtum betonen, besonders in einer Zeit, in der Danzig politisch vom Reich getrennt war.
Maritime Veranstaltungen und Schiffsfahrten waren beliebte Instrumente der NS-Propaganda. Sie ermöglichten die Mobilisierung großer Menschengruppen und schufen ein Gemeinschaftserlebnis. Die Organisation durch den Senat zeigt, wie staatliche Institutionen in die nationalsozialistische Propaganda eingebunden wurden.
Die Herstellung solcher Plaketten folgte handwerklichen Traditionen der Medaillenkunst. Buntmetall, eine Kupferlegierung, war ein gängiges Material für derartige Erinnerungsstücke, da es kostengünstiger als Edelmetalle war, aber dennoch eine ansprechende Optik bot und sich gut prägen ließ.
Die vier Bohrungen an den Ecken oder am Rand der rechteckigen Plakette ermöglichten die feste Montage an Wänden oder in Vitrinen. Dies unterscheidet sie von tragbaren Abzeichen, die mit Nadeln oder Ösen versehen waren. Solche Erinnerungsstücke wurden häufig in Amtsstuben, Vereinsräumen oder privaten Haushalten ausgestellt.
Der 29. August 1933 fällt in eine Phase intensiver politischer Umgestaltung in Danzig. Obwohl die Stadt formal unter Völkerbundsverwaltung stand, gewann die NSDAP unter Albert Forster zunehmend an Macht. Forster wurde im Juni 1933 zum Gauleiter der NSDAP in Danzig ernannt und trieb die Gleichschaltung der Stadt voran.
Die historische Bedeutung solcher Objekte liegt heute vor allem in ihrem dokumentarischen Wert. Sie zeugen von der systematischen Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie, selbst in formal autonomen Gebieten wie der Freien Stadt Danzig. Die Plakette dokumentiert, wie kulturelle und maritime Traditionen für politische Zwecke instrumentalisiert wurden.
Für Sammler und Historiker sind solche nichttragbaren Plaketten wichtige Quellen zur Erforschung der NS-Zeit in den Grenzregionen des Deutschen Reiches. Sie ergänzen das Verständnis über die Mechanismen der Machtausübung und Propaganda in der Zwischenkriegszeit und zeigen, wie lokale Institutionen in das nationalsozialistische System integriert wurden.