NSKK / DDAC - nichttragbare Teilnehmerplakette " Ostmärkische Orientierungsfahrt 22. April 1934 "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette zur Ostmärkischen Orientierungsfahrt vom 22. April 1934 stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der deutschen Automobilsport- und Organisationsgeschichte dar. Diese Plakette wurde vom renommierten Hersteller Metallkleinkunst A. Moser München gefertigt und dokumentiert eine wichtige Veranstaltung in der Frühphase des nationalsozialistischen Regimes in Österreich.
Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) wurde 1931 als Teilorganisation der NSDAP gegründet und übernahm 1934 die Funktionen des bereits bestehenden Der Deutsche Automobil-Club (DDAC). Der DDAC selbst war 1933 durch die Gleichschaltung des ADAC und anderer Automobilclubs entstanden. Diese Organisationen spielten eine zentrale Rolle bei der Motorisierung Deutschlands und der Förderung des Automobilsports im nationalsozialistischen Sinne.
Die Bezeichnung “Ostmark” für Österreich wurde zwar offiziell erst nach dem Anschluss 1938 verwendet, doch zeigt die Verwendung bereits 1934, dass nationalsozialistische Kreise in Österreich diese Terminologie bereits früher verwendeten. Im April 1934 befand sich Österreich in einer äußerst angespannten politischen Situation. Der austrofaschistische Ständestaat unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß hatte die NSDAP verboten, doch die illegale nationalsozialistische Bewegung blieb sehr aktiv.
Die Orientierungsfahrt am 22. April 1934 war mehr als eine sportliche Veranstaltung. Solche Fahrten dienten der Demonstration technischer Fähigkeiten, der Navigation und der Beherrschung von Kraftfahrzeugen. Sie waren auch wichtige soziale Ereignisse, die Gleichgesinnte zusammenführten und das Gemeinschaftsgefühl stärkten. Im Kontext der illegalen NSDAP in Österreich hatten solche Veranstaltungen zusätzlich eine politische Dimension, da sie Gelegenheiten zum Austausch und zur Organisation boten.
Die Plakette aus vergoldetem Buntmetall mit den Maßen 65 x 88 mm verfügt über vier Bohrungen, was darauf hindeutet, dass sie zur dauerhaften Montage, beispielsweise an einem Fahrzeug oder in einer Vitrine, vorgesehen war. Als nichttragbare Plakette unterscheidet sie sich von Abzeichen, die an der Uniform getragen wurden. Solche Erinnerungsstücke wurden typischerweise an Teilnehmer von Motorsportveranstaltungen ausgegeben und dienten als prestigeträchtiger Nachweis der Teilnahme.
Die Firma A. Moser München war ein bekannter Hersteller von Metallkleinkunst und fertigte zahlreiche Plaketten, Abzeichen und Ehrenzeichen für verschiedene Organisationen. Die handwerkliche Qualität dieser Münchner Manufaktur war hoch geschätzt, und ihre Produkte wurden für offizielle und halboffizielle Veranstaltungen verwendet.
Der April 1934 war ein Wendepunkt in der österreichischen Geschichte. Nur wenige Monate später, am 25. Juli 1934, versuchten österreichische Nationalsozialisten einen Putsch, bei dem Bundeskanzler Dollfuß ermordet wurde. Der Putschversuch scheiterte jedoch, und die NSDAP blieb in Österreich bis zum Anschluss 1938 verboten. Die Existenz dieser Plakette zeigt, dass trotz des Verbots nationalsozialistische Organisationsstrukturen und Aktivitäten im Untergrund weiterliefen.
Solche Teilnehmerplaketten sind heute wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus, der Motorisierungsgeschichte und der politischen Entwicklung in Österreich vor dem Anschluss. Sie dokumentieren die Vernetzung deutscher und österreichischer Nationalsozialisten und die Rolle des Automobilsports als Mittel zur Organisation und Identitätsstiftung.
Die Erhaltung in Zustand 2 deutet auf ein sehr gut erhaltenes Objekt hin, was bei Metallgegenständen aus dieser Zeit bemerkenswert ist. Die Vergoldung und die detaillierte Ausführung unterstreichen die Bedeutung, die solchen Veranstaltungen und ihren Erinnerungsstücken beigemessen wurde.