Preußen Einzel Schulterstück für einen Betriebsleiter/Ingenieur der Technischen Institute der Artillerie

Um 1910. Karmesinrote Tuchunterlage und Durchzüge, Auflage gekreuzte Kanonenrohre. Zum einnähen. Getragen, Zustand 2-.

Sehr selten!
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150,00

Preußen Einzel Schulterstück für einen Betriebsleiter/Ingenieur der Technischen Institute der Artillerie

Das vorliegende preußische Einzelschulterstück repräsentiert ein faszinierendes und außergewöhnlich seltenes Beispiel der Distinktionsabzeichen für technisches Personal im Königreich Preußen um 1910. Diese Epaulette wurde von einem Betriebsleiter oder Ingenieur der Technischen Institute der Artillerie getragen und veranschaulicht die zunehmende Bedeutung, die das preußische Militär den technischen und wissenschaftlichen Fachkräften im frühen 20. Jahrhundert beimaß.

Die Technischen Institute der Artillerie waren spezialisierte Einrichtungen, die im Zuge der fortschreitenden Modernisierung und Technologisierung der preußischen Streitkräfte entstanden. Nach den Erfahrungen der deutschen Einigungskriege (1864-1871) erkannte die preußische Militärführung die wachsende Bedeutung technischer Innovation für die Kriegsführung. Die Artillerie durchlief besonders rapide Entwicklungen: gezogene Geschütze, Schnellfeuergeschütze und moderne Rücklaufsysteme revolutionierten die Waffentechnik zwischen 1870 und 1910.

Das Schulterstück zeigt auf einer karmesinroten Tuchunterlage das charakteristische Symbol der Artillerie: gekreuzte Kanonenrohre. Die karmesinrote Farbe war traditionell die Waffenfarbe der preußischen Artillerie und wurde bereits seit dem 18. Jahrhundert konsequent verwendet. Diese Farbcodierung ermöglichte eine sofortige Identifizierung der Waffengattung eines Soldaten oder Beamten und war fester Bestandteil des preußischen Uniformsystems.

Die Besonderheit dieses Stückes liegt in seiner Bestimmung für zivile technische Fachkräfte im militärischen Dienst. Während reguläre Offiziere und Mannschaften standardisierte Schulterstücke trugen, existierten für Betriebsleiter und Ingenieure spezielle Regelungen. Diese Personen waren oft keine aktiven Militärangehörigen im traditionellen Sinne, sondern qualifizierte Zivilisten, die aufgrund ihrer technischen Expertise in militärischen Einrichtungen beschäftigt wurden. Sie benötigten dennoch eine eindeutige Kennzeichnung ihres Status und ihrer Zugehörigkeit.

Die Technischen Institute befassten sich mit der Entwicklung, Erprobung und Verbesserung von Artilleriewaffen und -munition. In Preußen gab es mehrere solcher Einrichtungen, darunter das bedeutende Artillerie-Prüfungskommission in Berlin-Tegel und verschiedene Versuchsanstalten. Diese Institutionen beschäftigten Ingenieure, Chemiker, Metallurgen und andere Spezialisten, die an der Spitze der damaligen Waffentechnologie arbeiteten.

Um 1910, dem Entstehungszeitraum dieses Schulterstücks, befand sich die europäische Rüstungsindustrie in einem beispiellosen Wettlauf. Das Deutsche Kaiserreich investierte massiv in die Modernisierung seiner Artillerie, insbesondere in schwere Feldgeschütze und Haubitzen. Die berühmten Krupp-Werke in Essen und andere Rüstungsunternehmen arbeiteten eng mit den militärischen Technischen Instituten zusammen.

Das Schulterstück war zum Einnähen bestimmt, was darauf hindeutet, dass es an der Uniform oder dem Dienstrock des Trägers dauerhaft befestigt wurde. Dies unterschied sich von den abnehmbaren Epauletten höherer Offiziere und unterstreicht den besonderen Status dieser technischen Beamten. Die Ausführung mit Durchzügen und aufgelegten gekreuzten Kanonenrohren folgte den preußischen Herstellungsstandards für Distinktionsabzeichen.

Die Seltenheit solcher Stücke erklärt sich durch mehrere Faktoren: Erstens war die Anzahl der Betriebsleiter und Ingenieure in den Technischen Instituten relativ gering im Vergleich zur Gesamtgröße der Armee. Zweitens wurden viele dieser Uniformstücke nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 vernichtet oder entsorgt. Drittens hatten diese zivilen Fachkräfte oft keinen sentimentalen Bezug zu ihren Dienstabzeichen wie reguläre Soldaten, was die Überlieferungsrate weiter senkte.

Das vorliegende Exemplar im Zustand 2- zeigt Gebrauchsspuren, die von seiner tatsächlichen Verwendung zeugen. Solche authentischen Tragezeichen erhöhen den historischen Wert des Objekts, da sie beweisen, dass es nicht als reine Paradeuniformen-Komponente hergestellt, sondern im täglichen Dienst verwendet wurde.

Für Sammler und Historiker bietet dieses Schulterstück einen wichtigen Einblick in die oft übersehene Rolle technischer Zivilspezialisten im preußisch-deutschen Militärwesen. Es dokumentiert die Schnittstelle zwischen militärischer Organisation und ziviler technischer Expertise in einer Zeit des rasanten technologischen Wandels, die letztlich in den Ersten Weltkrieg mündete.

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