Preußen Helm Modell 1867/71 für Mannschaften Garde-Infanterie

Schwerer Lederhelm in Kammerqualität aus der Zeit um 1870, in der Trageweise um 1894, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der große Gardeadler in Messingausführung mit aufgelegtem silbernem Gardestern. Flache Schuppenketten an Rosetten, beide Kokarden in der großen Blechausführung. Teller mit Kugelkopfschrauben, der Paradetrichter mit schwarzem Rosshaarbusch. Innen mit gelaschtem Lederfutter. innen mit Resten eines Etiketts, die Schraubenmuttern für das Emblem innen ersetzt. Größe 52. Zustand 2.

Die Kombination aus gelbem Gardeadler mit silbernem Stern und schwarzem Paradebusch trugen nur das III. Bataillon des 2. Garde-Regiments zu Fuß und das III. Bataillon des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1.
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2.200,00

Preußen Helm Modell 1867/71 für Mannschaften Garde-Infanterie

Der preußische Infanteriehelm Modell 1867/71 stellt einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte der militärischen Kopfbedeckungen des Deutschen Kaiserreichs dar. Diese charakteristische Pickelhaube wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 eingeführt und sollte für mehr als vier Jahrzehnte zum Symbol preußischer und deutscher Militärmacht werden.

Die Entwicklung dieses Helmtyps basierte auf dem bereits 1842 eingeführten Lederhelm, doch das Modell 1867/71 wies entscheidende Verbesserungen auf. Der schwere Lederhelm bestand aus gepresstem und gehärtetem Rindsleder, das in mehreren Schichten verleimt wurde. Die sogenannte “Kammerqualität” bezeichnete dabei die höchste Fertigungsqualität, die strengen militärischen Normen entsprechen musste.

Besonders bedeutsam ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Gardeeinheiten durch spezifische Helmkonfigurationen. Die Kombination aus messingfarbenem Gardeadler mit aufgelegtem silbernem Gardestern und schwarzem Rosshaarbüschel war ausschließlich zwei Elite-Einheiten vorbehalten: dem III. Bataillon des 2. Garde-Regiments zu Fuß und dem III. Bataillon des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1. Diese exklusive Zuordnung unterstreicht die Bedeutung der Helmausstattung als Identifikationsmerkmal innerhalb der komplexen preußischen Militärhierarchie.

Das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 hatte eine besondere historische Bedeutung. Es wurde zu Ehren des russischen Zaren Alexander I. benannt, der während der Befreiungskriege gegen Napoleon ein enger Verbündeter Preußens war. Diese dynastische Verbindung spiegelte sich in der besonderen Ausstattung und dem hohen Prestige des Regiments wider.

Die technische Ausführung des Helms zeigt die hohe Handwerkskunst der Zeit. Der Gardeadler in Messingausführung wurde in einem aufwendigen Pressverfahren hergestellt und anschließend vergoldet oder poliert. Der darauf applizierte silberne Gardestern war ein weiteres Distinktionsmerkmal der preußischen Garde. Die flachen Schuppenketten an den Seiten dienten sowohl dekorativen als auch praktischen Zwecken – sie konnten unter dem Kinn befestigt werden, um den Helm bei Paraden zu sichern.

Die beiden Kokarden hatten ebenfalls symbolische Bedeutung: Die rechte Kokarde zeigte die schwarz-weißen Farben Preußens, während die linke Kokarde in den schwarz-weiß-roten Reichsfarben gehalten war. In der “großen Blechausführung” waren diese Kokarden aus geprägtem und emailliertem Metall gefertigt.

Der Paradetrichter mit dem schwarzen Rosshaarbüschel war ein charakteristisches Element der Gardehelme. Bei regulären Diensthelmen wurde dieser durch eine einfachere Spitze ersetzt. Der Rosshaarbüschel wurde aus speziell präpariertem Pferdehaar hergestellt, das gefärbt, gebündelt und in den Trichter eingesetzt wurde. Diese aufwendige Verzierung war ausschließlich für Paradezwecke vorgesehen.

Die Trageweise um 1894 bezieht sich auf spezifische Änderungen in den Uniformvorschriften dieser Zeit. Unter Kaiser Wilhelm II. wurden verschiedene Modifikationen an der Uniformierung vorgenommen, die auch die exakte Anbringung der Beschläge und die Art der Befestigung betrafen.

Das innere Lederfutter war komplex konstruiert. Die “gelaschte” Ausführung bedeutete, dass das Leder in überlappenden Streifen angebracht wurde, um eine bessere Passform und Polsterung zu gewährleisten. Ein Schweißband aus weicherem Leder verlief entlang der Innenkante. Die Größe 52 entsprach einem Kopfumfang von etwa 52 Zentimetern, was einer durchschnittlichen Erwachsenengröße entsprach.

Die Helme wurden von spezialisierten Militäreffektenfabriken hergestellt, die strenge Qualitätskontrollen durchlaufen mussten. Zu den bekanntesten Herstellern gehörten Firmen wie Jaedicke & Co. in Berlin oder C. Schilling & Sohn in Lübeck. Die Etiketten im Helminneren enthielten üblicherweise Angaben zum Hersteller, Jahr und manchmal auch zur zugewiesenen Einheit.

Die historische Bedeutung dieser Helme geht weit über ihre militärische Funktion hinaus. Sie wurden zu einem international erkennbaren Symbol des preußischen und später deutschen Militarismus. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwanden sie aus dem aktiven Dienst, doch ihre ikonografische Bedeutung blieb erhalten. Heute sind gut erhaltene Exemplare, insbesondere solche mit nachweisbarer Zuordnung zu spezifischen Gardeeinheiten, wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts und begehrte Sammlerstücke, die sowohl die technische Handwerkskunst als auch die komplexe soziale und militärische Hierarchie des Kaiserreichs dokumentieren.