Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie ( RDK ) - Abzeichen für Familienwart

groß 25 mm, an Nadel, Hersteller : B GES.GESCH., Zustand 2.
359850
€ 90,00

Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie ( RDK ) - Abzeichen für Familienwart

Das Abzeichen für Familienwart des Reichsbundes der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie (RDK) stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Bevölkerungs- und Familienpolitik der 1930er und 1940er Jahre dar. Diese Organisation und ihre Abzeichen spiegeln die ideologische Ausrichtung des NS-Regimes wider, das kinderreiche Familien als wesentlichen Bestandteil seiner rassenpolitischen Agenda betrachtete.

Der Reichsbund der Kinderreichen wurde bereits in der Weimarer Republik gegründet, erfuhr jedoch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eine grundlegende Umgestaltung und Instrumentalisierung. Die Organisation wurde in das nationalsozialistische Herrschaftssystem eingegliedert und diente fortan der Umsetzung der pronatalischen Politik des Regimes. Der Zusatz “zum Schutze der Familie” verdeutlichte die propagandistische Ausrichtung, wobei unter “Familie” ausschließlich “arische” Familien im Sinne der NS-Rassenideologie verstanden wurden.

Das vorliegende Abzeichen mit einem Durchmesser von 25 mm wurde als Anstecknadel getragen und vom Hersteller mit der Kennzeichnung “B GES.GESCH.” (gesetzlich geschützt) versehen. Diese Herstellermarkierung weist auf die offizielle Autorisierung und den rechtlichen Schutz des Abzeichens hin. Die Funktion des Familienwarts war innerhalb der Organisation von besonderer Bedeutung: Familienwaerte waren lokale Funktionäre, die als Verbindungsglied zwischen dem Reichsbund und den kinderreichen Familien in ihrem Bezirk dienten.

Die Aufgaben eines Familienwarts umfassten die Betreuung und Beratung kinderreicher Familien, die Vermittlung von Unterstützungsleistungen und die Überwachung der ideologischen Ausrichtung der betreuten Familien. Sie sollten sicherstellen, dass die Familien im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung erzogen wurden und die staatlichen Fördermaßnahmen in Anspruch nahmen. Das Tragen des Abzeichens legitimierte den Funktionär in seiner offiziellen Rolle und machte ihn für die Bevölkerung erkennbar.

Die NS-Familienpolitik zielte darauf ab, die Geburtenrate zu erhöhen und gleichzeitig die “rassische Reinheit” zu gewährleisten. Kinderreiche Familien erhielten verschiedene Vergünstigungen, darunter finanzielle Beihilfen, Steuererleichterungen und bevorzugten Zugang zu Wohnraum. Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, eingeführt 1938, war ein weiteres Element dieser Politik. Der Reichsbund der Kinderreichen spielte bei der Identifizierung förderungswürdiger Familien und der Verteilung von Unterstützungsleistungen eine zentrale Rolle.

Die Organisation war hierarchisch strukturiert und in lokale, regionale und Reichsebenen gegliedert. Auf lokaler Ebene waren die Familienwaerte die wichtigsten Repräsentanten. Sie mussten selbst den ideologischen Anforderungen des Regimes entsprechen und wurden sorgfältig ausgewählt. Das Abzeichen diente nicht nur als Erkennungszeichen, sondern auch als Auszeichnung für das Engagement im Dienste der nationalsozialistischen Familienpolitik.

Die Herstellung solcher Abzeichen unterlag strengen Vorschriften. Nur autorisierte Hersteller durften offizielle Organisationsabzeichen produzieren, was durch Markierungen wie “GES.GESCH.” dokumentiert wurde. Dies sollte die Einheitlichkeit gewährleisten und die Herstellung gefälschter Abzeichen verhindern. Die Größe von 25 mm war standardisiert und ermöglichte eine klare Erkennbarkeit des Abzeichens.

Nach 1945 wurden der Reichsbund der Kinderreichen und alle seine Untergliederungen aufgelöst. Die Abzeichen und Dokumente dieser Organisation sind heute historische Zeugnisse einer Zeit, in der Familienpolitik als Instrument totalitärer Bevölkerungspolitik missbraucht wurde. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie und die Instrumentalisierung scheinbar harmloser sozialer Organisationen für politische Zwecke.

Für Sammler und Historiker sind solche Abzeichen wichtige Quellen zur Erforschung der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie zeigen, wie das Regime durch ein dichtes Netz von Organisationen und Funktionären die Gesellschaft kontrollierte und seine ideologischen Ziele durchsetzte. Das Abzeichen des Familienwarts steht exemplarisch für die Verbindung von Sozialpolitik und Ideologie im nationalsozialistischen Deutschland.