Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erneuerte die preußische Tradition des Eisernen Kreuzes, das ursprünglich 1813 von König Friedrich Wilhelm III. gestiftet worden war. Am 1. September 1939, zeitgleich mit dem deutschen Überfall auf Polen, führte Adolf Hitler das Eiserne Kreuz wieder ein und schuf mit dem Ritterkreuz einen neuen Zwischengrad zwischen dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und dem Großkreuz. Es ersetzte die älteren Verdienst- und Tapferkeitsauszeichnungen des Deutschen Kaiserreichs wie den Pour le Mérite. Das Ritterkreuz fungierte als höchste praktische militärische Auszeichnung, da das Großkreuz nur einmal an Hermann Göring verliehen wurde.
Die Auszeichnung wurde durch das Reichsgesetzblatt I S. 1573 am 1. September 1939 von Adolf Hitler gestiftet. Das vorliegende Exemplar wurde von der Firma Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid gefertigt, einem der wichtigsten autorisierten Hersteller während des gesamten Krieges. Steinhauer & Lück war die erste Firma, die mit der Produktion des Ritterkreuzes beauftragt wurde, und setzte die Fertigung bis Kriegsende fort.
Das Ritterkreuz wurde in fünf progressiven Stufen verliehen: das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (Grundstufe, gestiftet am 1. September 1939), das Ritterkreuz mit Eichenlaub (gestiftet am 3. Juni 1940), das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern (gestiftet am 28. September 1941), das Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (gestiftet am 28. September 1941) sowie das Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (gestiftet am 29. Dezember 1944, nur einmal an Hans-Ulrich Rudel verliehen).
Die Auszeichnung erfolgte für außergewöhnliche Tapferkeit auf dem Schlachtfeld oder herausragende militärische Führungsleistungen während des Zweiten Weltkriegs, unabhängig vom Rang. Voraussetzung war normalerweise der vorherige Besitz des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und 1. Klasse, obwohl beide auch gleichzeitig verliehen werden konnten. Das Ritterkreuz wurde über alle Waffengattungen hinweg verliehen: Wehrmacht (Heer, Kriegsmarine, Luftwaffe), Waffen-SS, Reichsarbeitsdienst, Volkssturm und verbündete Streitkräfte. Spezifische Kriterien variierten: U-Boot-Kommandanten konnten sich durch die Versenkung von 100.000 Bruttoregistertonnen qualifizieren, Jagdflieger durch 20 Luftsiege, wobei die Kriterien gegen Kriegsende gelockert wurden. Die Verleihungsbefugnis lag persönlich bei Adolf Hitler. Die erste Verleihung erfolgte am 30. September 1939, die letzte rechtsgültige Verleihungsfrist endete am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr MEZ.
Das Ritterkreuz stellte ein bedeutendes Propagandainstrument dar. Träger wurden als Helden gefeiert, erhielten Autogrammkarten und wurden der deutschen Jugend als Vorbilder präsentiert. Die Form des Kreuzes war ein Tatzenkreuz mit einem geschwärzten Eisenkern und silberner Zarge. Die Standardproduktion wies eine mattierte und polierte Silberfassung mit Schutzlackierung auf. Auf der Vorderseite befand sich zentral ein erhabenes Hakenkreuz auf schwarzem Hintergrund, auf dem unteren Arm die Jahreszahl “1939”. Die Auszeichnung wurde als Halsorden an einem schwarz-weiß-roten Band getragen.
Dieses spezifische Exemplar gehörte Gefreitem Fritz Jacobeit (1. März 1916 – 12. April 1990), der am 11. März 1945 als Gefreiter und Gruppenführer in der 6./Füsilier-Regiment 22, 1. Infanterie-Division, mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde. Die Verleihung erfolgte für seine Handlungen während der viertägigen Schlacht von Schlossberg (beginnend am 13. Januar 1945) in Ostpreußen. Während erbitterter Häuserkämpfe startete Jacobeit auf eigene Initiative einen Gegenstoß mit einer Handvoll Männer und vereitelte einen feindlichen Infanterieangriff. Er wurde zum Unteroffizier befördert. Jacobeit erhielt außerdem die Nahkampfspange in Gold am 15. April 1945 mit 53 Nahkampftagen (nur 631 Mal verliehen). Seine fünfte Verwundung erlitt er am 16. April 1945 in Bludau bei Fischhausen, Ostpreußen, und wurde über das Flüchtlingsschiff “Dora Christophersen” nach Kopenhagen, dann zum Marinelazarett Marne evakuiert. Am 9. Februar 1946 wurde er aus dem Lazarett entlassen und lebte bis zu seinem Tod in Oberhausen, Rheinland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot die Bundesrepublik Deutschland das Tragen von NS-Insignien einschließlich des Hakenkreuzes. Am 26. Juli 1957 autorisierte die westdeutsche Regierung Ersatz-Ritterkreuze in “entnazifizierter” Form mit einem Eichenblattcluster anstelle des Hakenkreuzes, die von Veteranen des Zweiten Weltkriegs legal getragen werden konnten. Diese Versionen von 1957 wurden nur an berechtigte Träger der Kriegsauszeichnung ausgegeben; die Produktion endete 1986. Die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger wurde 1955 in Köln gegründet. 1999 untersagte Verteidigungsminister Rudolf Scharping Kontakte der Bundeswehr mit der Vereinigung unter Verweis auf neonazistische und revanchistische Verbindungen.