Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr .

Lange Klinge mit breiten Hohlkehlen, auf der Fehlschärfe der Hersteller "Richard Herder Solingen", etwas schwer zu erkennen, da hier die Vernickelung etwas abgeblättert ist, vernickeltes Zinkgefäß mit intakten Griffschalen, beweglicher Drücker, schwarz lackierte Stahlscheide, Alters- und Gebrauchsspuren. Zustand 2-
480750
140,00

Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr .

Das Extraseitengewehr der Wehrmacht stellt einen bedeutenden Bestandteil der Ausrüstung deutscher Soldaten während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses spezielle Bajonett wurde primär von Heeresangehörigen getragen und diente sowohl als Blankwaffe im Nahkampf als auch als Werkzeug im Feldgebrauch.

Die Bezeichnung “Extraseitengewehr” bezieht sich auf eine besondere Qualitätsstufe, die über die Standardausführung hinausging. Diese Waffen wurden häufig von spezialisierten Herstellern wie Richard Herder aus Solingen produziert, einer Stadt, die seit Jahrhunderten für ihre hervorragende Klingenproduktion weltbekannt war. Die Solinger Schmiedekunst stand traditionell für höchste Qualität und Handwerkskunst, weshalb viele Waffenhersteller dort ansässig waren.

Das beschriebene Exemplar zeigt typische Konstruktionsmerkmale der Wehrmacht-Seitengewehre: Eine lange Klinge mit breiten Hohlkehlen, die sowohl zur Gewichtsreduzierung als auch zur Verstärkung der Klingenstabilität dienten. Die Hohlkehlen waren ein charakteristisches Merkmal deutscher Militärblankwaffen und ermöglichten eine optimale Balance zwischen Festigkeit und Handhabbarkeit.

Die Vernickelung des Zinkgussgefäßes war eine Standard-Oberflächenbehandlung, die sowohl ästhetische als auch praktische Zwecke erfüllte. Sie schützte das Metall vor Korrosion und verlieh der Waffe ein professionelles militärisches Erscheinungsbild. Das Zinkgussgefäß war eine kostengünstigere Alternative zu Messingausführungen und wurde besonders in den späteren Kriegsjahren häufiger verwendet, als Materialknappheit zunehmend ein Problem darstellte.

Die Griffschalen waren typischerweise aus Holz oder Bakelit gefertigt und mit Nieten am Griff befestigt. Der bewegliche Drücker war ein wesentliches funktionales Element, das die sichere Befestigung an der Gewehrläuferung ermöglichte. Dieser Mechanismus musste zuverlässig funktionieren, um die Waffe im Gefecht schnell montieren oder demontieren zu können.

Die schwarz lackierte Stahlscheide entsprach den militärischen Vorschriften der Wehrmacht. Schwarze Scheiden waren Standard für Heeresangehörige, während andere Waffengattungen teilweise unterschiedliche Ausführungen verwendeten. Die Scheide schützte nicht nur die Klinge, sondern verhinderte auch Verletzungen des Trägers und seiner Kameraden.

Die Herstellung von Seitengewehren unterlag strengen militärischen Spezifikationen und Qualitätskontrollen. Hersteller wie Richard Herder mussten ihre Produktion den Anforderungen des Heereswaffenamtes anpassen und erhielten spezifische Aufträge. Die Markierung auf der Fehlschärfe (der nicht geschliffenen Seite der Klinge) war vorgeschrieben und diente der Identifikation des Herstellers sowie der Qualitätssicherung.

Im historischen Kontext repräsentiert dieses Seitengewehr die Übergangszeit deutscher Militärtradition. Während das Bajonett bereits im Ersten Weltkrieg an Bedeutung als taktische Waffe verloren hatte, blieb es dennoch fester Bestandteil der Infanterieausrüstung. Es symbolisierte militärische Tradition und Kampfgeist, wurde praktisch jedoch eher als Werkzeug denn als Nahkampfwaffe eingesetzt.

Die Alters- und Gebrauchsspuren an solchen Objekten erzählen stumme Geschichten über ihre Verwendung und die Umstände ihrer Träger. Die Abblätterung der Vernickelung ist ein typisches Alterungsmerkmal und zeugt von tatsächlichem militärischem Gebrauch unter oft widrigen Bedingungen.

Heute sind derartige Wehrmacht-Seitengewehre bedeutende militärhistorische Objekte, die in Sammlungen und Museen zur Dokumentation dieser Epoche beitragen. Sie dienen der historischen Forschung und Bildung, wobei stets der angemessene historische Kontext berücksichtigt werden muss.