III. Reich / DSB - große tragbare Erinnerungsmedaille " 12. Deutsches Sängerbundfest 1862 - 1937 Bestehens des Deutsches Sängerbundes Breslau 28.7. - 1.8. "

, geschwärzte Gußeisenmedaille, Durchmesser 92 mm, auf der Vorderseite Darstellung eines nackten Sängers im Stil "Arno Breker", Rückseite Text und Hakenkreuze, Zustand 2.
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120,00

III. Reich / DSB - große tragbare Erinnerungsmedaille " 12. Deutsches Sängerbundfest 1862 - 1937 Bestehens des Deutsches Sängerbundes Breslau 28.7. - 1.8. "

Historischer Kontext: Deutsche Sängerbund-Medaille zum 12. Bundesfest in Breslau 1937

Die vorliegende Erinnerungsmedaille dokumentiert ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der deutschen Gesangsbewegung während der NS-Zeit: das 12. Deutsche Sängerbundfest, das vom 28. Juli bis 1. August 1937 in Breslau stattfand. Diese Veranstaltung markierte zugleich das 75-jährige Jubiläum des Deutschen Sängerbundes, der 1862 gegründet worden war.

Der Deutsche Sängerbund (DSB) war eine der größten deutschen Vereinigungen im Bereich der Laienmusik und hatte eine lange Tradition, die bis in die bürgerliche Gesangsbewegung des 19. Jahrhunderts zurückreichte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden alle deutschen Gesangsvereine nach dem Führerprinzip gleichgeschaltet. Der DSB wurde in die nationalsozialistische Kulturorganisation eingegliedert und musste sich den ideologischen Vorgaben des Regimes unterwerfen.

Das Breslauer Sängerfest von 1937 war eine der größten kulturellen Massenveranstaltungen des Dritten Reiches. Die Wahl des Austragungsortes Breslau (heute Wrocław, Polen) war nicht zufällig: Die Stadt in Schlesien sollte als deutsches Kulturzentrum im Osten propagandistisch in Szene gesetzt werden. An der Veranstaltung nahmen mehrere tausend Sänger aus ganz Deutschland teil, und das Fest wurde zu einer Demonstration nationalsozialistischer Kulturpolitik.

Die Medaille selbst ist aus geschwärztem Gusseisen gefertigt, einem Material, das in der deutschen Medaillenkunst eine lange Tradition besitzt. Gusseisen-Medaillen waren bereits im 19. Jahrhundert beliebt und wurden besonders von der Königlichen Eisengießerei in Berlin hergestellt. Die schwarze Patinierung verleiht den Objekten ihre charakteristische Erscheinung und unterstreicht die plastische Wirkung der Reliefdarstellung.

Die Vorderseite der Medaille zeigt einen nackten Sänger im Stil des Bildhauers Arno Breker, des bekanntesten Bildhauers des Dritten Reiches. Breker (1900-1991) war ab 1937 Professor an der Berliner Kunsthochschule und schuf monumentale Skulpturen, die dem nationalsozialistischen Ideal des heroischen, idealisierten menschlichen Körpers entsprachen. Sein Stil war geprägt von klassizistischen Vorbildern und sollte Stärke, Gesundheit und "arische“ Vollkommenheit verkörpern. Die Darstellung auf der Medaille entspricht diesem Kunstverständnis: Der männliche Körper wird idealisiert und monumentalisiert, was typisch für die NS-Ästhetik war.

Die Rückseite trägt Inschriften mit Bezug zum Fest sowie Hakenkreuze, das offizielle Symbol der NSDAP und ab 1935 Bestandteil der Reichsflagge. Die Integration nationalsozialistischer Symbole in kulturelle Objekte war nach 1933 üblich und demonstrierte die vollständige Durchdringung aller Lebensbereiche mit der NS-Ideologie.

Mit einem Durchmesser von 92 mm handelt es sich um eine große, tragbare Medaille, die vermutlich als Ehrenzeichen für Teilnehmer, Funktionäre oder verdiente Mitglieder des Sängerbundes ausgegeben wurde. Solche Medaillen dienten sowohl als persönliche Erinnerungsstücke als auch als sichtbare Zeichen der Zugehörigkeit zur "Volksgemeinschaft“.

Die deutschen Gesangsvereine spielten im Nationalsozialismus eine wichtige Rolle bei der kulturellen Mobilisierung der Bevölkerung. Das gemeinsame Singen von Volksliedern, Chorwerken und speziell komponierten NS-Liedern sollte das Gemeinschaftsgefühl stärken und die Menschen ideologisch beeinflussen. Große Sängerfeste wie das in Breslau 1937 waren dabei wichtige Propagandaveranstaltungen, die medial ausgeschlachtet wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Breslau polnisch, und die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Die Erinnerung an das Sängerfest von 1937 blieb jedoch in Form solcher Medaillen erhalten. Heute sind diese Objekte wichtige zeithistorische Dokumente, die zeigen, wie das NS-Regime kulturelle Traditionen für seine Zwecke instrumentalisierte.

Aus heutiger Sicht sind solche Medaillen ambivalente Objekte: Einerseits dokumentieren sie die lange Tradition der deutschen Gesangsbewegung, andererseits zeigen sie die Vereinnahmung und Pervertierung kultureller Aktivitäten durch die NS-Diktatur. Sie gehören zu den zahlreichen Hinterlassenschaften des Dritten Reiches, die als Studienobjekte für Historiker und Sammler von Bedeutung sind und zur Aufarbeitung dieser dunklen Periode der deutschen Geschichte beitragen.