III.Reich Polizei Seitengewehr .

Nicht aufpflanzbare Variante, vorschriftsmäßig gekürzt, Hersteller "E. & F. Hörster Solingen", auf dem Klingenrücken eine Polizeipunze, Nickelgefäß mit neu vernieteten Hirschhorngriffschalen, der Griffadler wurde durch einen Adler von einem Polizei-Degen ersetzt, das Parierstück gestempelt "S.D.VI.224.", schwarze Lederscheide mit vernickelten Beschlägen, das Ortblech stärker korrodiert, mit geweißtem Koppelschuh, deutlich getragen, aber noch recht gut erhalten. Zustand 2-3
510351
600,00

III.Reich Polizei Seitengewehr .

Das Polizei-Seitengewehr des Dritten Reiches stellt ein bedeutendes Zeugnis der Entwicklung deutscher Polizeibewaffnung in der Zeit zwischen 1933 und 1945 dar. Diese Blankwaffen dienten nicht nur als funktionale Ausrüstungsgegenstände, sondern auch als Symbol staatlicher Autorität und Macht.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die deutsche Polizei zunehmend zentralisiert und militarisiert. Die Ordnungspolizei, unter der Führung von Kurt Daluege ab 1936, erhielt eine einheitliche Bewaffnung und Ausrüstung. Das Seitengewehr gehörte zur Standardausrüstung verschiedener Polizeieinheiten, insbesondere der Schutzpolizei und der Gendarmerie.

Die Firma E. & F. Hörster aus Solingen war einer der renommierten Hersteller solcher Blankwaffen. Solingen hatte bereits seit Jahrhunderten den Ruf als Zentrum der deutschen Klingenproduktion und belieferte sowohl militärische als auch zivile Abnehmer. Während der NS-Zeit produzierten die Solinger Firmen in großem Umfang Seitengewehre, Dolche und Säbel für verschiedene staatliche Organisationen.

Die vorschriftsmäßige Kürzung der Klinge war eine offizielle Maßnahme, die bei vielen Polizei-Seitengewehren vorgenommen wurde. Nach verschiedenen Dienstvorschriften mussten die Klingen auf eine praktischere Länge reduziert werden, da sich die ursprüngliche Länge im täglichen Dienst als unpraktisch erwies. Diese Kürzungen wurden häufig in Polizeiwerkstätten durchgeführt und mit entsprechenden Polizeipunzen auf dem Klingenrücken dokumentiert.

Das Nickelgefäß war charakteristisch für Polizei-Seitengewehre und unterschied sie von den oft verchromten oder versilberten Ausführungen anderer Organisationen. Der Griffadler, ursprünglich ein spezifisches Polizeiabzeichen, wurde bei diesem Exemplar durch einen Adler von einem Polizei-Degen ersetzt - eine nicht ungewöhnliche Reparaturmaßnahme in der Nachkriegszeit oder bei Beschädigungen während der Dienstzeit.

Die Hirschhorn-Griffschalen waren ein hochwertiges Material, das sowohl ästhetischen als auch praktischen Anforderungen genügte. Hirschhorn bot eine gute Griffigkeit und war gleichzeitig widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit und mechanische Belastung. Die Neuvernietung der Griffschalen deutet auf eine sorgfältige Instandhaltung oder spätere Restaurierung hin.

Die Stempelung am Parierstück “S.D.VI.224.” ist eine typische Inventarnummer, die der Zuordnung zu einer bestimmten Dienststelle diente. Solche Markierungen ermöglichten die Nachverfolgung der Ausrüstung und deren Verantwortlichen. Das System der Inventarisierung war in der deutschen Polizei streng geregelt.

Die schwarze Lederscheide mit vernickelten Beschlägen entsprach der Standard-Ausführung für Polizei-Seitengewehre. Der Koppelschuh ermöglichte das Tragen am Koppel, wobei das Seitengewehr an der linken Seite getragen wurde. Die Korrosion am Ortblech ist ein typisches Alterungsmerkmal, da dieser Teil der Scheide besonders der Feuchtigkeit ausgesetzt war.

Die Bezeichnung “nicht aufpflanzbare Variante” weist darauf hin, dass dieses Seitengewehr nicht auf ein Gewehr aufgepflanzt werden konnte, im Gegensatz zu militärischen Bajonetten. Es handelte sich um eine reine Hieb- und Stichwaffe für den Nahkampf oder zur Selbstverteidigung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele dieser Waffen von den Alliierten beschlagnahmt oder mussten abgeliefert werden. Zahlreiche Exemplare wurden zerstört, andere gelangten als Souvenirs in private Hände. Die erhaltenen Stücke sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Ausrüstung und Organisation der nationalsozialistischen Polizei geben.

Heute sind solche Polizei-Seitengewehre gesuchte Sammlerobjekte, die jedoch mit der gebotenen historischen Sensibilität betrachtet werden müssen. Sie dokumentieren einen dunklen Abschnitt deutscher Geschichte, in dem die Polizei aktiv an der Unterdrückung und Verfolgung Unschuldiger beteiligt war. Der Sammlerwert liegt vor allem im historischen und dokumentarischen Charakter dieser Objekte.