III. Reich - Reichsluftschutzbund ( RLB ) - Türplakette - " Mitglied des Reichsluftschutzbundes "
Die vorliegende Türplakette des Reichsluftschutzbundes (RLB) mit der Inschrift “Mitglied des Reichsluftschutzbundes” stellt ein authentisches Zeugnis der zivilen Luftschutzorganisation im nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese 75 mm große, aus geprägtem Eisenblech gefertigte Plakette mit farbig lackiertem Zentrum diente als sichtbares Kennzeichen der Mitgliedschaft in einer der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches.
Der Reichsluftschutzbund wurde am 29. April 1933 gegründet und entstand aus dem bereits 1931 etablierten Deutschen Luftschutz-Verband. Unter der Leitung von Generalleutnant a.D. Friedrich Christiansen entwickelte sich der RLB zu einer paramilitärischen Organisation, die dem Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring unterstellt war. Die Hauptaufgabe bestand darin, die deutsche Zivilbevölkerung auf mögliche Luftangriffe vorzubereiten und im Ernstfall Schutzmaßnahmen zu koordinieren.
Die Mitgliedschaft im RLB war formal freiwillig, wurde jedoch durch massiven gesellschaftlichen Druck und staatliche Propaganda stark gefördert. Bis 1939 zählte die Organisation bereits über 13 Millionen Mitglieder, was etwa 20% der deutschen Bevölkerung entsprach. Während des Zweiten Weltkrieges stieg diese Zahl auf schätzungsweise 22 Millionen an. Die Organisation gliederte sich in lokale Gruppen, Ortsgruppen und Landesgruppen, die ein flächendeckendes Netzwerk über das gesamte Reichsgebiet bildeten.
Die hier beschriebene Türplakette erfüllte mehrere Funktionen im System des zivilen Luftschutzes. Sie kennzeichnete Haushalte, deren Bewohner im RLB organisiert waren und somit theoretisch in Luftschutzmaßnahmen geschult waren. Dies sollte im Ernstfall den Behörden signalisieren, dass in diesem Haushalt Personen lebten, die über Grundkenntnisse in Erster Hilfe, Brandbekämpfung und Verdunkelung verfügten. Gleichzeitig diente die sichtbare Anbringung der Plakette als Propagandainstrument und übte subtilen Druck auf Nachbarn aus, ebenfalls dem Bund beizutreten.
Die Ausbildung im RLB umfasste verschiedene Bereiche: Selbstschutz (Schutz des eigenen Haushalts), Werkluftschutz (Schutz in Betrieben), erweiterten Selbstschutz (nachbarschaftliche Hilfe) und Luftschutzwarndienst. Mitglieder erhielten Schulungen in Brandbekämpfung, Entgiftung, Bergung Verschütteter und Sanitätsdienst. Diese Ausbildung erwies sich während der alliierten Luftoffensive als durchaus relevant, konnte jedoch die verheerenden Auswirkungen der Flächenbombardements nicht verhindern.
Die materielle Ausführung solcher Plaketten variierte je nach Herstellungszeitpunkt. Frühe Exemplare aus der Vorkriegszeit zeigen oft eine qualitativ hochwertigere Verarbeitung mit sorgfältiger Lackierung. Mit Kriegsbeginn und zunehmendem Materialmangel wurde die Produktion vereinfacht. Das verwendete Eisenblech musste gegen Witterungseinflüsse geschützt werden, was die farbige Lackierung nicht nur dekorativ, sondern auch funktional notwendig machte.
Die Symbolik des RLB zeigte typischerweise das charakteristische Swastika-Symbol kombiniert mit stilisierten Darstellungen von Luftschutzthemen wie Gasmasken, Helmen oder schützenden Händen. Die Farbgebung orientierte sich an den offiziellen Organisationsfarben. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 wurden RLB-Insignien durch die alliierten Kontrollbehörden als NS-Symbole klassifiziert, was zum Einsammeln und Vernichten vieler dieser Objekte führte.
Heute besitzen solche Türplaketten primär historischen Dokumentationswert. Sie erinnern an die totale Mobilisierung der deutschen Gesellschaft im Zweiten Weltkrieg und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch NS-Organisationen. Für die militärhistorische Forschung sind sie wichtige Zeugnisse der Heimatfront und der Versuche, die Zivilbevölkerung auf den Luftkrieg vorzubereiten. Die Erhaltung solcher Objekte in Museen und Sammlungen dient der historischen Aufarbeitung und Erinnerungskultur, wobei stets der historische Kontext vermittelt werden muss.