III. Reich - Türplakette - " Mitglied der NS-Volkswohlfahrt"
Türplakette der NS-Volkswohlfahrt: Ein Zeugnis nationalsozialistischer Wohlfahrtspropaganda
Die vorliegende Türplakette aus glasiertem Porzellan mit der Aufschrift “Mitglied der NS-Volkswohlfahrt” stellt ein charakteristisches Artefakt der nationalsozialistischen Herrschaft dar. Mit einem Durchmesser von 60 mm und zwei Bohrungen zur Montage versehen, wurde diese Plakette an Haustüren oder Geschäftseingängen angebracht, um die Zugehörigkeit zur NS-Volkswohlfahrt (NSV) öffentlich sichtbar zu machen.
Die NS-Volkswohlfahrt wurde am 3. Mai 1933 gegründet und entwickelte sich rasch zur größten Massenorganisation des Dritten Reiches nach der Deutschen Arbeitsfront. Unter der Leitung von Erich Hilgenfeldt, der von 1933 bis 1945 als Reichswalter fungierte, wuchs die Organisation bis 1943 auf über 17 Millionen Mitglieder an. Die NSV unterstand direkt der Kontrolle der NSDAP und diente als zentrales Instrument der nationalsozialistischen Wohlfahrtspolitik.
Die Aufgaben der NSV waren vielfältig und umfassten die Winterhilfswerk-Sammlungen, das Hilfswerk Mutter und Kind, die Kinderlandverschickung sowie verschiedene Ernährungs- und Gesundheitsprogramme. Die Organisation konkurrierte systematisch mit den traditionellen Wohlfahrtsverbänden der Kirchen und anderer freier Träger und verdrängte diese schrittweise aus dem öffentlichen Leben. Die NSV propagierte eine rassistisch und ideologisch ausgerichtete “Volksgemeinschaft”, bei der Hilfe nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach rassischen und politischen Kriterien vergeben wurde.
Die Porzellanplaketten wie das vorliegende Exemplar dienten mehreren Zwecken. Zum einen visualisierten sie die Durchdringung des öffentlichen Raums durch nationalsozialistische Organisationen. Zum anderen erzeugten sie sozialen Druck auf Nichtmitglieder, da die sichtbare Abwesenheit einer solchen Plakette als mangelnde Volksgemeinschaftsgesinnung interpretiert werden konnte. Die Mitgliedschaft in der NSV war formell freiwillig, doch der gesellschaftliche und oft auch berufliche Druck zur Mitgliedschaft war erheblich.
Die Herstellung solcher Plaketten erfolgte in verschiedenen Porzellanmanufakturen des Deutschen Reiches. Die Verwendung von glasiertem Porzellan garantierte Wetterbeständigkeit und Langlebigkeit. Die rückseitige Aufschrift “Zerbrechlich - Schrauben nur leicht anziehen” auf einem Etikett weist auf die praktischen Montagehinweise hin, die notwendig waren, um Beschädigungen beim Anbringen zu vermeiden. Diese Details belegen die serielle Produktion und weite Verbreitung solcher Kennzeichnungsobjekte.
Die NSV finanzierte sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und öffentliche Sammelaktionen, insbesondere das jährliche Winterhilfswerk, das zwischen 1933 und 1945 durchgeführt wurde. Die Organisation verfügte über ein ausgedehntes Netzwerk von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern, das bis in die kleinsten Gemeinden reichte. Die Blockwarte der NSDAP überwachten häufig die Teilnahme an NSV-Aktivitäten und die Anbringung entsprechender Kennzeichen.
Historisch betrachtet repräsentiert diese Türplakette die Instrumentalisierung sozialer Fürsorge für ideologische und propagandistische Zwecke. Die NSV war keine neutrale Wohlfahrtsorganisation, sondern ein Werkzeug zur Durchsetzung der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte und andere als “gemeinschaftsfremd” definierte Gruppen wurden systematisch von den Leistungen ausgeschlossen.
Nach 1945 wurde die NS-Volkswohlfahrt als Teil des verbrecherischen NS-Regimes aufgelöst und ihr Vermögen konfisziert. Die Alliierten Kontrollratsbeschlüsse verboten die Organisation und alle ihre Symbole. Türplaketten wie die vorliegende wurden in der Regel entfernt und vernichtet, weshalb erhaltene Exemplare heute als historische Dokumente gelten.
Als Sammlerstück dokumentiert diese Plakette einen wichtigen Aspekt der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis: die totale Organisation und Kontrolle der Gesellschaft durch eine Vielzahl von Organisationen und die visuelle Markierung von Zugehörigkeit und Konformität. Sie erinnert an eine Zeit, in der selbst Wohltätigkeit und soziale Fürsorge der rassistischen Ideologie untergeordnet wurden und als Mittel zur Stabilisierung der Diktatur dienten.