Preußen Pickelhaube für einen Offizier der Feldartillerie-Regimenter

Eigentumsstück um 1910. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen in vergoldeter Ausführung. Vorne der Linienadler vergoldet mit aufpolierten Kanten. Gewölbte vergoldete Schuppenketten an Rosetten, beide Kokarden. Abnehmbare Kugel. Innen mit braunem  Lederschweißband und grünem Seidenripsfutter, in der Glocke handschriftlich die Größe «56» sowie der Trägername «Grün». Außergewöhnlich gut erhalten ! Zustand 1a.
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2.800,00

Preußen Pickelhaube für einen Offizier der Feldartillerie-Regimenter

Die preußische Pickelhaube für Offiziere der Feldartillerie-Regimenter repräsentiert einen der ikonischsten Kopfbedeckungen der deutschen Militärgeschichte. Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1910 verkörpert die Hochphase der preußischen Militärtradition in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg und zeigt die charakteristischen Merkmale der Offiziersausführung mit vergoldeten Beschlägen.

Die Pickelhaube wurde 1842 unter König Friedrich Wilhelm IV. in der preußischen Armee eingeführt und basierte auf russischen Vorbildern. Der Name leitet sich von der charakteristischen Spitze (“Pickel”) ab, die ursprünglich als Schutz gegen Säbelhiebe dienen sollte. Bis 1918 blieb sie die offizielle Kopfbedeckung der preußischen und später deutschen Streitkräfte.

Die Feldartillerie nahm in der preußischen Armee eine besondere Stellung ein. Als technische Waffengattung erforderte sie hochqualifizierte Offiziere mit mathematischen und ballistischen Kenntnissen. Die Feldartillerie-Regimenter waren mit gezogenen Geschützen ausgerüstet und bildeten das Rückgrat der Feuerkraft der Armee. Um 1910 verfügte das Deutsche Kaiserreich über zahlreiche Feldartillerie-Regimenter, die mit dem modernen Feldkanone 96 n.A. bewaffnet waren.

Das vorliegende Objekt zeichnet sich durch seine vergoldeten Beschläge aus, die es eindeutig als Offiziersmodell kennzeichnen. Während Mannschaften und Unteroffiziere Helme mit Beschlägen aus Messing oder versilbertem Metall trugen, war die Vergoldung den Offizieren vorbehalten. Der Linienадler auf der Vorderplatte zeigt den preußischen Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der das Wappen auf der Brust trägt. Die “aufpolierten Kanten” verstärken den repräsentativen Charakter dieser Paradekopfbedeckung.

Die gewölbten Schuppenketten an beiden Seiten des Helms, befestigt an Rosetten, dienten ursprünglich als Kinnriemen. Im Laufe der Zeit wurden sie zunehmend dekorativ und bei Paraden oft hochgeklappt getragen. Die beiden Kokarden - die schwarz-weiße preußische und die schwarz-weiß-rote Reichskokarde - symbolisierten die doppelte Loyalität zum preußischen Königreich und zum Deutschen Kaiserreich.

Die abnehmbare Kugel auf der Spitze ist ein charakteristisches Merkmal der Artillerie-Pickelhauben. Sie unterschied sich damit von der Infanterie, die eine fest montierte Spitze trug. Diese Kugel konnte für bestimmte Anlässe durch andere Aufsätze ersetzt werden oder bei Felddienstübungen abgenommen werden, um die Sichtbarkeit zu verringern.

Das Innenleben des Helms zeigt die typische Konstruktion der Zeit: Das braune Lederschweißband diente dem Tragekomfort, während das grüne Seidenripsfutter charakteristisch für Offiziershelme war. Die handschriftliche Größenangabe “56” und der Trägername “Grün” sind persönliche Kennzeichnungen, die in der kaiserlichen Armee üblich waren. Offiziersausrüstung musste privat beschafft werden, weshalb solche Personalisierungen häufig vorkamen.

Die Zeitstellung um 1910 ordnet dieses Stück in eine bedeutende Periode ein. Deutschland befand sich in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung und Modernisierung. Die Heeresreformen unter Kriegsminister von Einem hatten die Armee erheblich vergrößert, und die Feldartillerie wurde durch neue Schnellfeuergeschütze revolutioniert. Gleichzeitig blieb die traditionelle Uniform mit der Pickelhaube im Paradedienst erhalten, obwohl ihre praktische Bedeutung zunehmend in Frage gestellt wurde.

Der außergewöhnliche Erhaltungszustand dieses Helms ist bemerkenswert. Viele Pickelhauben wurden während des Ersten Weltkriegs zerstört oder nach 1918 aus politischen Gründen vernichtet. Die Lederkorpusse litten oft unter Austrocknung, und die vergoldeten Beschläge wurden häufig beschädigt oder entfernt. Ein Helm in “Zustand 1a” mit allen originalen Komponenten ist daher eine Rarität.

Die Pickelhaube verschwand 1916 aus dem Felddienst, als sie durch den praktischeren Stahlhelm ersetzt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zum Symbol einer vergangenen Ära. Heute sind solche Helme wichtige kulturhistorische Objekte, die Einblick in die militärische Kultur des Kaiserreichs bieten und die Handwerkskunst der Zeit dokumentieren.