SS-Porzellanmanufaktur Allach - Kleiner Barock Leuchter

Franz Nagy Nr. 57, weiss glasiert mit Golddekor.
440951
650,00

SS-Porzellanmanufaktur Allach - Kleiner Barock Leuchter

Die SS-Porzellanmanufaktur Allach stellt ein bemerkenswertes Kapitel in der Geschichte der deutschen Keramikproduktion während des Nationalsozialismus dar. Die im Jahr 1935 gegründete Manufaktur entwickelte sich von einem kulturpolitischen Prestigeprojekt zu einem bedeutenden Wirtschaftsunternehmen innerhalb der SS-Strukturen.

Die Gründung der Manufaktur erfolgte auf Initiative des Reichsführers-SS Heinrich Himmler, der eine Wiederbelebung germanischer Handwerkskunst und die Schaffung einer “nordischen” Porzellankultur anstrebte. Die ursprüngliche Werkstatt in München-Allach wurde später erheblich erweitert und 1940 um ein zweites Werk in Dachau ergänzt, das in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager errichtet wurde.

Der Designer Franz Nagy gehörte zu den bedeutendsten künstlerischen Mitarbeitern der Manufaktur. Seine Entwürfe umfassten sowohl figürliche Darstellungen als auch dekorative Gebrauchsgegenstände wie Leuchter, Vasen und Tafelgeschirr. Der hier beschriebene Kleine Barock Leuchter mit der Modellnummer 57 dokumentiert das Bestreben der Manufaktur, auch an klassische europäische Handwerkstraditionen anzuknüpfen, was im Kontrast zur propagierten “germanischen” Ausrichtung stand.

Die weisse Glasur mit Golddekor entsprach den höchsten Qualitätsstandards der damaligen Porzellanherstellung. Die Allacher Manufaktur verwendete hochwertige Rohstoffe und beschäftigte erfahrene Handwerker, um Produkte zu schaffen, die mit etablierten Manufakturen wie Meissen oder Nymphenburg konkurrieren konnten. Das Golddekor wurde in aufwendiger Handarbeit aufgetragen und bei niedrigeren Temperaturen eingebrannt, was besondere technische Fertigkeiten erforderte.

Die Produktion der Manufaktur diente mehreren Zwecken: Sie sollte einerseits repräsentative Geschenke für SS-Angehörige und Parteigrößen liefern, andererseits aber auch kommerzielle Erfolge erzielen. Leuchter wie das beschriebene Modell wurden sowohl für den internen Gebrauch als auch für den freien Verkauf hergestellt. Die Stücke trugen in der Regel die charakteristischen Bodenmarken der Manufaktur, darunter die stilisierten SS-Runen, die Inschrift “Allach” und Modellnummern.

Die wirtschaftliche Dimension der Manufaktur war erheblich. Sie wurde als Teil der SS-Wirtschaftsunternehmen geführt und unterstand der Verwaltung des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes. Ab 1940 kam es zum systematischen Einsatz von KZ-Häftlingen aus dem nahegelegenen Konzentrationslager Dachau in der Produktion. Diese Zwangsarbeiter mussten unter härtesten Bedingungen arbeiten, was die Manufaktur zu einem Ort nationalsozialistischer Ausbeutung machte.

Nach 1945 wurde die Produktion eingestellt, und die Anlagen wurden von den amerikanischen Besatzungstruppen beschlagnahmt. Die historische Bewertung der Allacher Produkte bleibt bis heute komplex: Einerseits repräsentieren sie handwerkliche Qualität und künstlerisches Können, andererseits sind sie untrennbar mit dem verbrecherischen System des Nationalsozialismus und der Zwangsarbeit verbunden.

Heute werden Allacher Porzellane von Sammlern und Museen unterschiedlich bewertet. Während einige die kunsthandwerkliche Qualität würdigen, betonen andere die Notwendigkeit, diese Objekte als Zeugnisse einer diktatorischen Herrschaft und ihrer Verbrechen zu kontextualisieren. Die Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität und die Anerkennung des Leids, das mit ihrer Herstellung verbunden war.

r