Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) ( Tschechische NSDAP )

Mitgliedsabzeichen 2. Form, als Knopflochausführung, Hersteller : Karnet A Kysely Praha XI, getragener Zustand.
Národní souručenství ( NS ), deutsch etwa "Nationale Gemeinschaft", war während der Existenz des Protektorats Böhmen und Mähren auf dem Teilgebiet der ehemaligen Tschechoslowakei die einzige politische parteiähnliche Organisation. 
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Tschecheslowakei - Narodni Sourucenstvi ( NS ) ( Tschechische NSDAP )

Das Národní souručenství (NS), deutsch etwa “Nationale Gemeinschaft”, stellte während der Existenz des Protektorats Böhmen und Mähren von 1939 bis 1945 die einzige zugelassene politische Organisation dar. Diese parteiähnliche Vereinigung entstand im Kontext der deutschen Besatzung der restlichen Tschechoslowakei nach dem Münchner Abkommen von 1938 und der anschließenden Zerschlagung des tschechoslowakischen Staates im März 1939.

Nach der Errichtung des Protektorats am 16. März 1939 durch Adolf Hitler wurde die politische Landschaft Böhmens und Mährens grundlegend umgestaltet. Alle bisherigen politischen Parteien wurden aufgelöst, und das Národní souručenství wurde als einzige politische Organisation etabliert. Die Gründung erfolgte unter der Führung von Rudolf Beran, dem letzten Ministerpräsidenten der Zweiten Tschechoslowakischen Republik, der auch der erste Vorsitzende der NS wurde.

Das Mitgliedsabzeichen, wie das hier vorliegende Exemplar in der zweiten Form als Knopflochausführung, diente als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Organisation. Der Hersteller Karnet A Kysely aus Prag XI gehörte zu den offiziell autorisierten Produzenten solcher Abzeichen. Die Knopflochausführung ermöglichte das diskrete Tragen des Abzeichens an der Zivilkleidung und war die gängigste Trageweise für Mitglieder.

Die Struktur und Ideologie des Národní souručenství orientierten sich am Modell faschistischer Einheitsparteien, obwohl die Organisation niemals die vollständige Kontrolle erreichte, die die NSDAP im Deutschen Reich ausübte. Die NS versuchte, verschiedene gesellschaftliche Gruppen unter einem korporatistischen Dachverband zu vereinen, wobei sie eine Zusammenarbeit mit der deutschen Besatzungsmacht propagierte. Diese Kollaborationspolitik sollte angeblich die Interessen der tschechischen Bevölkerung im Rahmen der “neuen Ordnung” Europas wahren.

Das Protektorat Böhmen und Mähren stand unter der Kontrolle eines Reichsprotektors, zunächst Konstantin von Neurath, später des berüchtigten Reinhard Heydrich und schließlich Kurt Daluege. Die tschechische Protektoratsregierung unter Präsident Emil Hácha besaß nur eingeschränkte Autonomie, und das Národní souručenství fungierte als Transmissionsriemen zwischen Besatzungsmacht und tschechischer Bevölkerung.

Die Mitgliedschaft im Národní souručenství war formal freiwillig, jedoch wurde auf viele Beamte, Lehrer und andere Angehörige des öffentlichen Dienstes erheblicher Druck ausgeübt, beizutreten. Das Tragen des Mitgliedsabzeichens konnte berufliche Vorteile bringen und demonstrierte die Bereitschaft zur Kooperation mit dem Regime. Gleichzeitig wurde die Organisation von vielen Tschechen als notwendiges Übel oder als Mittel betrachtet, um in der schwierigen Zeit des Protektorats zu überleben.

Im Verlauf des Krieges, besonders nach dem Attentat auf Heydrich im Mai 1942 und der darauffolgenden brutalen Vergeltung, verlor das Národní souručenství zunehmend an Bedeutung und Legitimität in der tschechischen Bevölkerung. Der Widerstand gegen die deutsche Besatzung wuchs, und die Kollaborationsorganisation wurde immer mehr als Instrument der Unterdrückung wahrgenommen.

Nach der Befreiung der Tschechoslowakei im Mai 1945 wurde das Národní souručenství aufgelöst. Viele seiner führenden Mitglieder wurden wegen Kollaboration vor Gericht gestellt. Die Beneš-Dekrete und nachfolgende Gesetze regelten die Bestrafung von Kollaborateuren und die Konfiszierung ihres Vermögens. Die Mitgliedschaft in der NS allein führte nicht automatisch zu einer Verurteilung, jedoch wurden Funktionäre und aktive Unterstützer zur Rechenschaft gezogen.

Aus historischer Perspektive repräsentiert das Národní souručenství ein komplexes Kapitel der tschechischen Geschichte. Die Organisation bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Kollaboration, Pragmatismus und dem Versuch, unter extremen Bedingungen einen Handlungsspielraum für die tschechische Nation zu bewahren. Die Geschichtsschreibung hat diese Periode intensiv untersucht, wobei die Bewertungen von pauschaler Verurteilung bis zu differenzierten Analysen der Handlungszwänge unter Besatzung reichen.

Objekte wie das beschriebene Mitgliedsabzeichen sind heute wichtige historische Artefakte, die diese ambivalente Periode dokumentieren. Sie erinnern an die schwierigen Entscheidungen, vor denen Menschen unter totalitärer Herrschaft standen, und an die Komplexität historischer Situationen jenseits einfacher moralischer Kategorien. Der getragene Zustand des Abzeichens zeugt davon, dass es tatsächlich von einem Zeitgenossen getragen wurde und damit Teil der gelebten Geschichte dieser turbulenten Jahre ist.