Werksabzeichen für Zivilangestellte der Focke-Wulf-Flugzeugbau G.m.b.H. Hostedt 2

Metallabzeichen grün lackiert, innen mit Sichtfenster für die Matrikelnummer, an Nadel, Zustand 2.
358951
250,00

Werksabzeichen für Zivilangestellte der Focke-Wulf-Flugzeugbau G.m.b.H. Hostedt 2

Das Werksabzeichen für Zivilangestellte der Focke-Wulf-Flugzeugbau G.m.b.H. stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese grün lackierten Metallabzeichen mit integriertem Sichtfenster für die Matrikelnummer dienten der Identifikation und Zugangsregelung in einem der wichtigsten deutschen Flugzeugwerke.

Das Unternehmen Focke-Wulf wurde 1923 in Bremen von Heinrich Focke, Georg Wulf und Dr. Werner Naumann gegründet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entwickelte sich das Unternehmen zu einem der bedeutendsten deutschen Flugzeughersteller. Besonders bekannt wurde Focke-Wulf durch die Entwicklung des Jagdflugzeugs Fw 190, das ab 1941 zum Einsatz kam und als eines der besten Kampfflugzeuge seiner Zeit galt.

Der Standort Hostedt (heute: Achim-Baden bei Bremen) war einer von mehreren Produktionsstandorten des Konzerns. Im Rahmen der Rüstungsexpansion wurden ab Ende der 1930er Jahre zahlreiche Zweigwerke und Fertigungsstätten errichtet, um die Produktion zu dezentralisieren und vor Luftangriffen zu schützen. Diese Verlagerungspolitik intensivierte sich besonders ab 1943, als die alliierten Bombenangriffe zunahmen.

Werksausweise und Abzeichen spielten in der kriegswichtigen Industrie eine zentrale Rolle. Sie dienten mehreren Zwecken: Erstens ermöglichten sie die Zutrittskontrolle zu streng bewachten Produktionsanlagen. Zweitens dokumentierten sie den Status des Trägers als unabkömmlicher Arbeiter in der Rüstungsindustrie, was ihn vor dem Einzug zur Wehrmacht schützen konnte. Drittens erleichterten sie die innerbetriebliche Organisation und Verwaltung der oft tausenden von Beschäftigten.

Die Matrikelnummer im Sichtfenster war ein charakteristisches Merkmal dieser Ausweise. Sie ermöglichte eine schnelle Identifikation des Trägers und die Zuordnung zu bestimmten Werksbereichen und Sicherheitsstufen. Die Nummern wurden typischerweise auf Papier- oder Kartoneinlagen gedruckt, die hinter dem Fenster eingeschoben wurden. Dies erlaubte die Wiederverwendung des Metallabzeichens bei Personalwechsel.

Die grüne Lackierung könnte auf eine spezifische Abteilung oder Zugangsebene hinweisen. In vielen Rüstungsbetrieben wurden Farbcodierungen verwendet, um verschiedene Bereiche oder Sicherheitsstufen zu kennzeichnen. Grün wurde häufig für allgemeine Produktionsbereiche verwendet, während andere Farben wie Rot oder Gelb für besonders sensible Bereiche reserviert waren.

Die Produktion bei Focke-Wulf basierte auf einem komplexen System von Stammbelegschaft und Zwangsarbeitern. Neben deutschen Zivilangestellten arbeiteten in den Werken auch Zwangsarbeiter aus besetzten Gebieten, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Die Arbeitsbedingungen waren oft unmenschlich, besonders für die Zwangsarbeiter. Das Werksabzeichen für “Zivilangestellte” macht deutlich, dass es eine hierarchische Unterscheidung zwischen verschiedenen Arbeiterkategorien gab.

Im Werk Hostedt wurden hauptsächlich Komponenten für die Flugzeugproduktion gefertigt. Die Fw 190 wurde in verschiedenen Varianten produziert, darunter Jagdflugzeuge, Jagdbomber und Schlachtflugzeuge. Bis Kriegsende wurden über 20.000 Exemplare dieses Typs hergestellt, wobei die Produktion auf mehrere Standorte verteilt war.

Nach dem Kriegsende 1945 wurden die Focke-Wulf-Werke von den Alliierten beschlagnahmt. Die Produktionsanlagen wurden teilweise demontiert, das Unternehmen aufgelöst. Viele der ehemaligen Werksgelände wurden anderen Nutzungen zugeführt oder abgerissen.

Sammlerwert und historische Bedeutung: Heute sind solche Werksabzeichen gesuchte Sammlerobjekte, die Einblick in die Organisation der deutschen Rüstungsindustrie geben. Sie dokumentieren die Bürokratie und Kontrolle, die selbst im totalen Krieg aufrechterhalten wurde. Für die historische Forschung sind sie wichtige Quellen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Zweiten Weltkrieges.

Die Erhaltung solcher Objekte ist wichtig für die Erinnerungskultur. Sie erinnern nicht nur an die technologischen Leistungen, sondern auch an die dunklen Seiten der Rüstungsproduktion, einschließlich der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und der Verstrickung der Industrie in das nationalsozialistische System.

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