Frackkettchen eines Preußischen Offiziers des Feldzugs 1866 und des Frankreichfeldzugs 1870/71

8 Auszeichnungen: Eisernes Kreuz 1870 2. Klasse. Preußen Roter Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife. Preußen Kronen Orden 3. Klasse. Preußen Hausorden Hohenzollern Adler der Ritter. Württemberg Friedrichsorden Ritterkreuz 1. Klasse. Oldenburg Haus- und Verdienstorden Ehrenkreuz 3. Klasse mit Schwertern. Preußen Kreuz 1866 "Königgrätz". Preußen Centenarmedaille 1897. Nur leicht getragen, Zustand 2.
439452
1.650,00

Frackkettchen eines Preußischen Offiziers des Feldzugs 1866 und des Frankreichfeldzugs 1870/71

Diese bemerkenswerte Frackkettchen eines preußischen Offiziers repräsentiert eine außergewöhnliche militärische Karriere, die sich über zwei der bedeutendsten Konflikte des 19. Jahrhunderts erstreckte: den Deutschen Krieg von 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Zusammenstellung von acht Auszeichnungen auf einer einzigen Ordensspange dokumentiert nicht nur individuelle Tapferkeit und Verdienste, sondern auch die zentrale Rolle Preußens bei der deutschen Reichsgründung.

Das Eiserne Kreuz 2. Klasse von 1870 bildete während des Krieges gegen Frankreich eine der am häufigsten verliehenen Tapferkeitsauszeichnungen. König Wilhelm I. erneuerte diese von seinem Vater Friedrich Wilhelm III. während der Befreiungskriege gestiftete Auszeichnung am 19. Juli 1870. Das Eiserne Kreuz verkörperte preußische Militärtugenden und wurde ohne Rücksicht auf Rang oder Stand verliehen, was es zu einem Symbol der Gleichheit im Angesicht des Feindes machte.

Der Rote Adler-Orden 3. Klasse mit Schleife gehörte zu den höchsten preußischen Staatsorden. Die Schleife am Band signalisierte besondere Verdienste im Krieg. Dieser 1705 ursprünglich als brandenburgischer Orden gestiftete und 1810 in Preußen reorganisierte Orden wurde sowohl für militärische als auch zivile Verdienste verliehen. Die 3. Klasse war ranghohen Offizieren vorbehalten und zeugte von bedeutenden Führungsleistungen.

Der Preußische Kronenorden 3. Klasse wurde 1861 von König Wilhelm I. als Geburtstagsstiftung seines verstorbenen Bruders Friedrich Wilhelm IV. ins Leben gerufen. Diese Auszeichnung ehrte sowohl militärische Verdienste als auch staatsbürgerliche Leistungen. Die 3. Klasse mit ihrem charakteristischen schwarzen Adler auf weißem Email war eine angesehene Auszeichnung für höhere Offiziere.

Der Königliche Hausorden von Hohenzollern mit dem Adler der Ritter stellte eine besonders exklusive Auszeichnung dar. Dieser 1851 von König Friedrich Wilhelm IV. gestiftete Orden wurde ausschließlich für herausragende militärische Führungsleistungen verliehen. Der Träger dieses Ordens führte den Titel "Ritter" und genoss besonderes Ansehen innerhalb der preußischen Armee.

Das Ritterkreuz 1. Klasse des Württembergischen Friedrichsordens dokumentiert die Teilnahme an den Kämpfen als Teil der süddeutschen Verbündeten. König Wilhelm I. von Württemberg verlieh diesen Orden für außerordentliche Kriegsverdienste. Seine Präsenz auf dieser Ordensspange unterstreicht die föderale Struktur der deutschen Armeen während der Einigungskriege, in denen preußische Offiziere auch in oder mit württembergischen Verbänden dienen konnten.

Das Oldenburgische Haus- und Verdienstorden Ehrenkreuz 3. Klasse mit Schwertern repräsentiert einen weiteren deutschen Bundesstaat im Kampf für die nationale Einigung. Der Großherzog von Oldenburg verlieh diesen Orden für militärische Verdienste, und die Schwerter am Band kennzeichneten eindeutig die kriegerische Leistung.

Das Preußische Erinnerungskreuz für 1866 mit der Inschrift "Königgrätz" ehrte alle Teilnehmer am Feldzug gegen Österreich. Die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 entschied den Deutschen Krieg zugunsten Preußens und markierte den entscheidenden Schritt zur kleindeutschen Lösung unter preußischer Führung. Diese Kampagnenmedaille wurde an alle Kombattanten vergeben und dokumentiert die Teilnahme an diesem historischen Wendepunkt.

Die Centenarmedaille von 1897 wurde zum 100. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. an alle noch lebenden Veteranen der Einigungskriege verliehen. Sie symbolisiert die Erinnerungskultur des Kaiserreichs und die Verehrung des ersten Deutschen Kaisers als Reichsgründer.

Die Zusammenstellung dieser Ordensspange folgte strengen preußischen Militärvorschriften. Die "Rangliste" bestimmte die exakte Reihenfolge, in der Orden getragen werden mussten. Typischerweise begann die Reihe mit dem Eisernen Kreuz, gefolgt von den Hausorden nach ihrer Klasse und Bedeutung. Kampagnenmedaillen und Erinnerungszeichen bildeten traditionell den Abschluss.

Der angegebene Erhaltungszustand "nur leicht getragen" ist bemerkenswert. Viele Ordensspangen zeigen deutliche Gebrauchsspuren, da sie bei zahlreichen militärischen und gesellschaftlichen Anlässen getragen wurden. Die gute Erhaltung deutet darauf hin, dass diese Spange entweder sorgfältig aufbewahrt oder als zweite Garnitur für den Gesellschaftsanzug verwendet wurde.

Diese Frackkettchen erzählt die Geschichte eines Offiziers, der beide entscheidenden Kriege der deutschen Einigung miterlebte und durch seine Tapferkeit und Führungsqualität mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie verkörpert die militärische Tradition Preußens und dokumentiert zugleich die föderale Struktur des entstehenden Deutschen Reiches, in dem verschiedene Bundesstaaten ihre eigenen Ehrenzeichen beibehielten, während sie gemeinsam für die nationale Sache kämpften.