Luftwaffe Fliegernetzkopfhaube

Braune Lederausführung mit Netz, innen mit Schafsfell, Herstelleretikett "Netzkopfhaube Gr. ...,  Baumuster L.Kp.101 Geräte- Nr. 124-452. A-2 Werk-Nr -/Striwa Anf.Z. Ln 26670 Hersteller bdc", mit Kabel mit Stecker und Kehlkopfmikrofonen. Zustand 2.
523352
650,00

Luftwaffe Fliegernetzkopfhaube

Die Luftwaffe Netzkopfhaube LKp.N.101 repräsentiert einen bedeutenden Entwicklungsschritt in der deutschen Militärluftfahrt-Ausrüstung des Zweiten Weltkriegs. Diese spezielle Fliegerkopfhaube mit Netzoberteil wurde ab 1938 als Teil der verbesserten 101-Serie eingeführt und entwickelte sich zu einem ikonischen Symbol der Luftwaffe-Jagdflieger, besonders während der Luftschlacht um England im Jahr 1940.

Die Geschichte deutscher Fliegerhelme reicht zurück bis zum Ersten Weltkrieg, als Adaptionen kommerzieller Automobilhelme für militärische Luftfahrtzwecke verwendet wurden. Bis Mitte der 1930er Jahre entwickelte die Luftwaffe standardisierte Helmsysteme mit integrierter Kommunikationsausrüstung. Die LKp 101-Serie wurde 1938 als verbesserter Nachfolger der LKp 100-Serie eingeführt und bot bessere Elektronik mit verbesserten Siemens-Kommunikationssystemen sowie optimierter Schallisolierung.

Die LKp.N.101 stellte eine spezialisierte Sommer- oder Warmklima-Variante innerhalb der Luftwaffe-Fliegerkopfhauben dar, die sich durch ihre charakteristische Netzkonstruktion am Oberteil auszeichnete. Die 101-Serie umfasste mehrere Varianten: die LKp S.101 mit vollständigem Stoffoberteil für den Sommer, die LKp W.101 als Winterversion mit Leder und Pelzfutter sowie spezialisierte Ausführungen wie die LKp S.54 für Flugzeugführer. Die N.101-Variante wurde speziell für Jagdflugzeugpiloten entwickelt, die in wärmeren Klimazonen oder tropischen Regionen operierten.

Die konstruktive Ausführung kombinierte braunes Leder für die Ohrmuscheln und den Kinn- und Nackenbereich mit einem leichten Baumwoll-Netzmaterial für die Krone, was hervorragende Belüftung gewährleistete. Das Innere der Ohrmuscheln war mit Schafsfell oder weißem Vlies ausgekleidet, während Stirn- und Nackenbereiche mit Chamois-Leder gefüttert waren. Eine charakteristische Besonderheit war das Fehlen eines Kinnriemens, was von Piloten als besonders komfortabel empfunden wurde. An den vorderen Kanten jeder Leder-Ohrmuschel befanden sich drei vertikal ausgerichtete Blechösen für die Befestigung der Sauerstoffmaske. Es existierten zwei Untervarianten: ein frühes Muster mit zweiteiliger Sauerstoffmaskenbefestigung und ein späteres Muster mit dreiteiliger Befestigung.

Die technische Ausstattung umfasste integrierte Kehlkopfmikrofone, die während des Zweiten Weltkriegs primär von deutschen Streitkräften entwickelt wurden, um klare Sprachübertragung in der extrem lauten Umgebung von Flugzeugcockpits zu ermöglichen. Ein Kabel mit vierpoligem Bakelit-Steckverbinder verband die Kopfhaube mit der Bordsprechanlage, während Kopfhörer in die Ohrmuscheln integriert waren. Die Helme wurden in verschiedenen Größen von etwa 54 bis 62 cm Kopfumfang gefertigt. Für die LKp S101-Serie dokumentierte das Imperial War Museum folgende Maße: Helmtiefe 140 mm, Länge 230 mm, Breite 215 mm, Kabellänge etwa 1170 mm und Steckerdurchmesser etwa 20 mm.

Die Netzkopfhaube wurde von Luftwaffen-Besatzungen verwendet, vorwiegend von Jagdfliegern während des gesamten Zweiten Weltkriegs. Die Netzoberteil-Konstruktion machte sie besonders beliebt bei wärmerem Wetter und in tropischen Einsatzgebieten. Sie war für den Einsatz mit Funksprechgeräten und Sauerstoffmaskensystemen in einsitzigen Jagdflugzeugen konzipiert. Die Gerät-Nummer Ln 26670 weist auf offizielle Luftwaffe-Beschaffungsspezifikationen hin. Die Verwendung erstreckte sich von etwa 1938 bis 1945.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich originale LKp N.101-Helme zu begehrten Sammlerstücken in Kreisen militärischer Luftfahrt-Memorabilien. Die in diesen Systemen entwickelte Kehlkopfmikrofon-Technologie beeinflusste die Entwicklung von Nachkriegs-Luftfahrt-Kommunikationsausrüstung und fand schließlich zivile Anwendungen in verschiedenen Bereichen. Viele erhaltene Exemplare befinden sich in Museen, einschließlich des Smithsonian National Air and Space Museum und der Imperial War Museums, sowie in Privatsammlungen.