NSKK / NSKOV - nichttragbare Teilnehmerplakette " Kriegsopferfahrt nach Riedenburg Juni 1934 "

Buntmetall hohl geprägt, 65 x 100 mm, mit 3 Bohrungen, Zustand 2.
323052
190,00

NSKK / NSKOV - nichttragbare Teilnehmerplakette " Kriegsopferfahrt nach Riedenburg Juni 1934 "

Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette dokumentiert ein bedeutendes Ereignis aus der Frühphase des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland: die Kriegsopferfahrt nach Riedenburg im Juni 1934. Dieses Objekt steht exemplarisch für die intensive Propagandatätigkeit der NS-Organisationen in den ersten Jahren nach der Machtergreifung 1933.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) und der Nationalsozialistische Kriegsopferverband (NSKOV) waren zwei zentrale Organisationen des NS-Regimes, die bei dieser Veranstaltung zusammenwirkten. Das NSKK, gegründet 1931 und ab 1934 unter der Führung von Adolf Hühnlein, diente der motorisierten Schulung und Erfassung von Kraftfahrern. Der NSKOV hingegen wurde 1933 als Nachfolgeorganisation bestehender Kriegsopferverbände etabliert und sollte die Veteranen und Kriegsversehrten des Ersten Weltkriegs unter nationalsozialistischer Kontrolle vereinen.

Die Plakette mit ihren Maßen von 65 x 100 mm wurde aus Buntmetall hohl geprägt, eine in den 1930er Jahren übliche Herstellungstechnik für derartige Erinnerungsstücke. Die drei Bohrungen dienten vermutlich der Befestigung an Fahrzeugen oder zur Präsentation als Wandschmuck. Der nichttragbare Charakter unterscheidet diese Plakette von Abzeichen oder Orden, die an der Uniform getragen wurden.

Die Kriegsopferfahrten waren ein wichtiges Instrument der NS-Propaganda in den mittleren 1930er Jahren. Sie dienten mehreren Zwecken: Erstens sollten sie die Bindung der Kriegsopfer und Veteranen an das neue Regime stärken. Zweitens demonstrierten sie die vermeintliche Fürsorge des NS-Staates für die “Volksgenossen”. Drittens ermöglichten sie die massenhafte Mobilisierung und Organisation durch das NSKK, das seine logistischen Fähigkeiten unter Beweis stellte.

Riedenburg, eine Kleinstadt in Bayern an der Altmühl gelegen, war im Juni 1934 Ziel einer solchen organisierten Massenveranstaltung. Das Jahr 1934 war besonders bedeutsam in der Geschichte des NS-Regimes: Es war das Jahr der sogenannten “Röhm-Affäre” oder “Nacht der langen Messer” (30. Juni bis 2. Juli 1934), bei der Hitler die SA-Führung ausschalten ließ. Die Kriegsopferfahrt nach Riedenburg fand unmittelbar vor oder während dieser dramatischen Ereignisse statt, als das Regime noch versuchte, durch Massenveranstaltungen und soziale Integration Loyalität zu gewinnen.

Solche Plaketten wurden in der Regel in begrenzter Auflage hergestellt und an die Teilnehmer der jeweiligen Veranstaltung ausgegeben. Sie dienten als Erinnerungsstücke und sollten die Verbundenheit mit der NS-Bewegung symbolisieren. Die Kombination von NSKK und NSKOV auf einer Plakette unterstreicht die enge Verzahnung verschiedener NS-Organisationen bei der Durchführung solcher Propagandafahrten.

Der NSKOV hatte 1934 bereits über 700.000 Mitglieder und war damit eine der größten NS-Massenorganisationen. Unter der Leitung von Hanns Oberlindober (1933-1945) wurde der Verband systematisch ausgebaut und diente der totalen Erfassung der Kriegsopfer. Die Organisation bot zwar gewisse soziale Leistungen, diente aber primär der ideologischen Indoktrination und der Vorbereitung auf einen neuen Krieg.

Das NSKK spielte bei solchen Fahrten eine Schlüsselrolle, da es über die notwendigen Fahrzeuge und geschulten Fahrer verfügte. Die Organisation war in Motorstandarten, Motorstürme und weitere Einheiten gegliedert und umfasste 1934 bereits mehrere hunderttausend Mitglieder. Die Kriegsopferfahrten boten dem NSKK die Möglichkeit, seine Bedeutung im NS-Staat zu demonstrieren und gleichzeitig die Bevölkerung an motorisierte Massenveranstaltungen zu gewöhnen.

Aus heutiger Perspektive sind solche Objekte wichtige Zeitdokumente, die die Propagandamechanismen und Organisationsstrukturen des NS-Regimes veranschaulichen. Sie zeigen, wie das Regime systematisch versuchte, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen und für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Die Erhaltung und wissenschaftliche Dokumentation solcher Objekte ist für die historische Forschung und die Bildungsarbeit von großer Bedeutung.