Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps - Wandplakette - " Taunus Orientierungsfahrt 27.-28.8.1938 NSKK Motorgruppe Westmark "
Diese Wandplakette aus dem Jahr 1938 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der motorsportlichen Aktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) in der Vorkriegszeit. Das NSKK wurde 1931 zunächst als Unterorganisation der SA gegründet und entwickelte sich zu einer paramilitärischen Formation mit über 500.000 Mitgliedern bis 1939.
Die Taunus-Orientierungsfahrt vom 27.-28. August 1938 war eine von zahlreichen motorsportlichen Veranstaltungen, die das NSKK im Rahmen seiner Aufgabe organisierte, die deutsche Bevölkerung mit der Kraftfahrzeugtechnik vertraut zu machen und gleichzeitig paramilitärische Fähigkeiten zu fördern. Orientierungsfahrten waren dabei mehr als bloße Sportveranstaltungen – sie dienten der praktischen Ausbildung in Navigation, Geländekunde und Fahrzeugtechnik, Fähigkeiten, die im militärischen Kontext von erheblicher Bedeutung waren.
Die Motorgruppe Westmark war eine der regionalen Untergliederungen des NSKK. Der Begriff “Westmark” bezeichnete ab 1940 offiziell die annektierten Gebiete Lothringens, Elsass und Luxemburg sowie die Saarpfalz. Da diese Plakette jedoch bereits von 1938 stammt, bezieht sie sich auf die territoriale Gliederung des NSKK im westdeutschen Grenzgebiet vor der Kriegszeit.
Die Plakette selbst wurde vom Hersteller Adam Donner aus Elberfeld gefertigt, einem bekannten Produzenten von Auszeichnungen und Abzeichen dieser Zeit. Die Verwendung von Feinzink mit partieller Emaillierung war typisch für solche Erinnerungsstücke, die einen Kompromiss zwischen künstlerischer Qualität und Wirtschaftlichkeit darstellten. Die Montage auf einer Holzplatte erhöhte die Präsentationswürdigkeit und machte das Objekt zu einem dauerhaften Erinnerungsstück.
Besonders bemerkenswert ist die beiliegende Namensliste der Mannschaft des Motorsturms 22/m 147: J. Lind, K. Lanzendorf, W. Vogt, W. Hedrich, F. Weber und R. Erdmann. Diese sechs Personen bildeten offensichtlich ein Team bei der Orientierungsfahrt. Die hierarchische Bezeichnung “Motorsturm” entsprach der militärischen Nomenklatur, die das NSKK von der SA übernommen hatte. Ein Motorsturm umfasste typischerweise mehrere Mannschaften und war Teil einer größeren Motorstaffel.
Solche Erinnerungsplaketten wurden in der Regel an die Teilnehmer vergeben oder konnten von diesen erworben werden. Sie dienten sowohl als persönliche Auszeichnung als auch als Propagandamittel, um die Leistungen der Organisation sichtbar zu machen. Die Plaketten wurden häufig in Gemeinschaftsräumen oder in den Privaträumen der Mitglieder ausgestellt.
Der historische Kontext von 1938 ist bedeutsam: Deutschland befand sich in der Phase intensiver Aufrüstung und Vorbereitung auf den kommenden Krieg. Das NSKK spielte dabei eine wichtige Rolle in der vormilitärischen Ausbildung und der Motorisierung der deutschen Gesellschaft. Die Organisation betrieb Fahrschulen, organisierte technische Lehrgänge und führte genau solche Orientierungsfahrten durch, um einen Pool ausgebildeter Fahrer und Mechaniker für die Wehrmacht zu schaffen.
Die Taunus-Region bot sich als Austragungsort ideal an: Das mittelgebirgsartige Gelände stellte anspruchsvolle Anforderungen an Fahrer und Material und simulierte Bedingungen, die später im militärischen Einsatz relevant werden sollten. Die zweitägige Dauer der Veranstaltung deutet auf eine komplexe Route mit möglicherweise Übernachtung und technischen Prüfungen hin.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive dokumentiert diese Plakette die Durchdringung des zivilen Lebens durch nationalsozialistische Organisationen. Sport und Freizeitaktivitäten wurden systematisch für politische und militärische Zwecke instrumentalisiert. Gleichzeitig zeigt das Objekt die hohe Bedeutung, die dem Motorsport und der Kraftfahrzeugtechnik im Dritten Reich beigemessen wurde – nicht zuletzt durch die persönliche Förderung Adolf Hitlers, der das Automobil als Symbol der Moderne betrachtete.
Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus und dokumentieren die organisatorische Struktur und Aktivitäten paramilitärischer Formationen jenseits der bekannteren SS und SA. Sie erinnern an die systematische Vorbereitung der deutschen Gesellschaft auf den Krieg und die totale Mobilmachung aller gesellschaftlichen Bereiche für die Ziele des Regimes.