XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Brieföffner als Erinnerungsstück

23 cm lang, rostfreier Stahl, im Griff mit zahlreichen Verzierungen sowie der Olympischen Glocke " Ich rufe die Jugend der Welt ! " Berlin 1936, Hersteller : Fr.Meyer's Sohn Filiale Lübeck, Zustand 2.
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250,00

XI. Olympischen Spiele 1936 Berlin - Brieföffner als Erinnerungsstück

Der Brieföffner der XI. Olympischen Spiele 1936 in Berlin repräsentiert ein faszinierendes Stück Erinnerungskultur aus einer der politisch bedeutsamsten olympischen Veranstaltungen des 20. Jahrhunderts. Dieses 23 cm lange Objekt aus rostfreiem Stahl, hergestellt von Fr. Meyer's Sohn Filiale Lübeck, verbindet kunsthandwerkliche Qualität mit der komplexen Geschichte der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie.

Die Olympischen Spiele von 1936 fanden vom 1. bis 16. August in Berlin statt und waren ein zentrales Ereignis im Propagandakalender des NS-Regimes. Adolf Hitler und Joseph Goebbels erkannten das immense Potenzial der Spiele, um Deutschland international als moderne, friedliche Nation zu präsentieren. Die Veranstaltung wurde zur aufwendigsten olympischen Inszenierung ihrer Zeit, mit beispiellosen finanziellen Mitteln und organisatorischem Aufwand.

Im Zentrum der symbolischen Gestaltung stand die Olympische Glocke, die im Griff dieses Brieföffners verewigt ist. Die massive Glocke wog über 10.000 Kilogramm und wurde im Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation gegossen. Sie trug die Inschrift "Ich rufe die Jugend der Welt" zusammen mit dem olympischen Adler und den fünf olympischen Ringen. Diese Glocke läutete die Eröffnung der Spiele ein und wurde zum ikonischen Symbol der Berliner Olympiade. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie beschädigt aufgefunden und befindet sich heute auf dem Gelände des Olympiastadions.

Der Hersteller Fr. Meyer's Sohn mit Filiale in Lübeck gehörte zu den zahlreichen deutschen Unternehmen, die offizielle und inoffizielle Erinnerungsstücke zur Olympiade fertigten. Die Herstellung von Souvenirs war ein bedeutender Wirtschaftszweig während der Spiele. Brieföffner waren dabei besonders beliebte Objekte, da sie praktischen Nutzen mit dekorativem Wert verbanden und sich gut für die Gravur olympischer Symbole eigneten.

Die kunsthandwerkliche Ausführung dieses Stücks zeigt mehrere charakteristische Merkmale der Epoche. Rostfreier Stahl war in den 1930er Jahren ein relativ modernes Material, das Langlebigkeit und einen glänzenden, repräsentativen Charakter garantierte. Die zahlreichen Verzierungen am Griff entsprechen dem Stilempfinden der Zeit, das klassische Elemente mit modernistischen Gestaltungsformen verband. Die Olympischen Spiele von 1936 zeichneten sich durch eine besondere Ästhetik aus, die antike griechische Vorbilder mit zeitgenössischer Formensprache verschmolz.

Aus historischer Perspektive sind solche Erinnerungsstücke ambivalente Zeugnisse. Einerseits dokumentieren sie die sportlichen Leistungen, die während der Spiele erbracht wurden – darunter die legendären vier Goldmedaillen des afroamerikanischen Athleten Jesse Owens, die Hitlers Rassenideologie öffentlich widerlegten. Andererseits waren sie Teil eines umfassenden Propagandasystems, das die wahre Natur des NS-Regimes verschleiern sollte.

Die Spiele wurden als friedliches, weltoffenes Fest inszeniert, während gleichzeitig antisemitische Schilder vorübergehend entfernt und die Verfolgung von Minderheiten zeitweise gemildert wurde, um internationale Besucher nicht zu verstören. Die aufwendige filmische Dokumentation durch Leni Riefenstahl im Film "Olympia" setzte neue Maßstäbe in der Sportfotografie, diente aber primär propagandistischen Zwecken.

Für Sammler und Historiker besitzen Objekte wie dieser Brieföffner heute einen bedeutenden dokumentarischen Wert. Sie ermöglichen Einblicke in die Alltagskultur und Erinnerungspraxis der NS-Zeit. Die Tatsache, dass gewöhnliche Gebrauchsgegenstände mit olympischer Symbolik versehen wurden, zeigt die Durchdringung aller Lebensbereiche durch staatlich geförderte Erinnerungskultur.

Die Provenienz solcher Stücke – also ihre Herkunftsgeschichte – ist von besonderem Interesse. Viele wurden als offizielle Souvenirs verkauft, andere als Geschenke an Teilnehmer, Funktionäre oder Besucher überreicht. Wieder andere wurden nach den Spielen als kommerzielle Produkte vertrieben, um die Erinnerung an das Ereignis wachzuhalten und wirtschaftlich zu nutzen.

Der Erhaltungszustand "Zustand 2" nach gängiger Sammlerbewertung deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit leichten Gebrauchsspuren hin. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt, das fast neun Jahrzehnte alt ist und den Zweiten Weltkrieg sowie die deutsche Nachkriegszeit überdauert hat.

Heute werden solche Objekte in Museen und Privatsammlungen als historische Dokumente bewahrt. Sie dienen der Erinnerung und Aufklärung über eine Zeit, in der Sport und Politik auf verhängnisvolle Weise verflochten waren. Das Studium solcher Artefakte trägt zum Verständnis bei, wie totalitäre Regime Symbole, Rituale und Massenveranstaltungen für ihre Zwecke instrumentalisierten.