Blechspielzeug - Heer Feldkanone mit Schutzschild

Eisenblechfertigung, in Mimikri-Tarnlackierung, Blechreifen , Länge 23 cm, Amorces-Kanone nicht funktionsfähig, Zustand 2/3
515253
100,00

Blechspielzeug Heer Feldkanone mit Schutzschild – Ein Zeugnis deutscher Spielzeugindustrie und militärischer Propaganda

Dieses Blechspielzeug in Form einer Heer Feldkanone mit Schutzschild ist ein eindrucksvolles Sammlerstück, das die Verflechtung von Spielzeugindustrie, Militarismus und politischer Propaganda im Deutschland der 1930er und frühen 1940er Jahre anschaulich dokumentiert. Gefertigt aus Eisenblech mit einer authentischen Mimikri-Tarnlackierung, die militärische Tarnmuster widerspiegelt, und ausgestattet mit Blechreifen sowie einem nicht mehr funktionsfähigen Amorces-Mechanismus (Zündhütchen-Schussmechanismus), verkörpert dieses Stück mit einer Länge von 23 cm eine ganze Epoche deutscher Industriegeschichte.

Die deutsche Blechspielzeugindustrie im Dienst der Aufrüstung

In den 1930er Jahren kehrten namhafte deutsche Spielzeughersteller wie Hausser, Tippco, Märklin, Gescha, Gama, Kellermann und Lineol zur Produktion von Militärspielzeug zurück. Diese Rückkehr verlief parallel zu Deutschlands geheimer Wiederaufrüstung und der offenen Missachtung des Versailler Vertrages. Die Spielzeugindustrie wurde damit, ob bewusst oder unbewusst, zu einem Spiegel der militärischen Ambitionen des Regimes. Aufwändige Panzer- und Artilleriemodelle aus geformtem Blechblech, Messing und Gusseisen wurden von Firmen wie Märklin, Bub, Gescha, Gama und Tippco in fantastischer Detailtreue hergestellt.

Die Amorces – vom französischen Wort für Zündhütchen – waren kleine Perkussionskapseln, die in Spielzeugkanonen eingesetzt wurden, um realistische Schussgeräusche zu erzeugen. Diese Technologie war seit den 1920er Jahren in der französischen und deutschen Spielzeugindustrie weit verbreitet. Die Artilleriespielzeuge konnten tatsächlich mittels Zündhütchen und explodierenden Projektilen feuern, was den militärischen Realismus für die jungen Nutzer erheblich steigerte.

Varianten und Maßstab

Das Sortiment der Militärspielzeuge umfasste neben Feldkanonen auch Flugabwehrgeschütze (Flak), Haubitzen und andere Artillerietypen in verschiedenen Größen. Diese Modelle waren typischerweise so dimensioniert, dass sie zu den 7 bis 7,5 cm großen Massefiguren passten, die von Lineol und Elastolin produziert wurden. So entstand ein zusammenhängendes Spieluniversum, das die gesamte Bandbreite der Wehrmacht abbildete.

Spielzeug als Instrument der Propaganda

Diese Spielzeuge illustrieren in eindrücklicher Weise die Rolle des Spielzeugs bei der Propagandisierung einer Nation auf dem Weg in den Krieg. Realistische Fahrzeuge und Flugzeuge rollten aus den Fabriken direkt in die Kinderzimmer empfänglicher deutscher Kinder. Die Hersteller bauten eine mächtige Armee von Fahrzeugen, darunter Kanonen und Kanonen-Zugfahrzeuge – was über Deutschlands Boden in Übungen rollte oder klapperte und später über Europas Schlachtfelder, das tat es ebenso in den Heimen deutscher Kinder.

Die Spielzeughersteller produzierten freiwillig nationalsozialistisch geprägte Artikel, um vom Erfolg des neuen Regimes zu profitieren. Hitlers Aufrüstung Deutschlands in den 1930er Jahren spiegelte sich in einer erheblichen Ausweitung dieser Figuren wider: Parteiführer und Sturmtruppler marschierten durch die Seiten der Kataloge jener Zeit, zusammen mit Panzertruppen und der Luftwaffe. Kindern, die kaum zwei oder drei Jahre alt waren, wurden Puzzles mit Wehrmacht-Militärszenen als Spielzeug gegeben. Diese Kinder wuchsen in dem Glauben auf, dass Soldaten, Krieg, Heldentum und Tod völlig normale Aspekte des alltäglichen Lebens seien.

Kriegsbedingte Einschränkungen und Ende der Produktion

Kriegsbedingte Einschränkungen begrenzten die Spielzeugherstellung erheblich. Die meisten heute auffindbaren Fahrzeuge und Geschütze sind Modelle von Typen, die von den 1930er Jahren bis sehr früh im Krieg in Produktion waren. Dies erklärt das Fehlen vieler Versionen modernerer Wehrmachtspanzer und -flugzeuge der Kriegsjahre. Die Produktion aller Figuren und sämtlichen Spielzeugs wurde 1943 eingestellt, als die deutsche Wirtschaft auf totale Kriegswirtschaft umgestellt wurde.

Nachkriegsgeschichte und Sammlerwert

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die deutsche Spielzeugindustrie eine bemerkenswerte Renaissance. Während die Alliierten zunächst die Produktion von Kriegsspielzeug verboten, lockerten sich diese Beschränkungen allmählich während der 1950er Jahre. Gescha etablierte sich in dieser Ära als bedeutender Hersteller mechanischer Blechspielzeuge. Eine begrenzte Produktion von Massefiguren wurde einige Jahre nach Kriegsende 1945 wieder aufgenommen.

Heute sind diese Blechspielzeuge hochgradig sammelbare Militaria-Objekte. Der spezifische Hersteller dieses Exemplars ist nicht gekennzeichnet, was bei vielen Stücken dieser Ära nicht ungewöhnlich ist. Der Zustand 2/3 auf der Sammlerskala, die Mimikri-Tarnlackierung und der historische Amorces-Mechanismus machen dieses Stück zu einem authentischen Zeitdokument einer Epoche, in der die Grenzen zwischen Kinderspiel und militärischer Indoktrination auf erschreckende Weise verschwammen.