Deutsches Jugendherbergswerk ( DJH ) - Mitgliedsabzeichen 3. Form ( mit Hakenkreuz )

Eisenblechausführung, an langer Nadel, Zustand 2.
399853
€ 65,00

Deutsches Jugendherbergswerk ( DJH ) - Mitgliedsabzeichen 3. Form ( mit Hakenkreuz )

Das Mitgliedsabzeichen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in seiner dritten Form mit Hakenkreuz stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der Gleichschaltungspolitik im nationalsozialistischen Deutschland dar. Diese Variante des Abzeichens wurde nach der Machtübernahme der NSDAP eingeführt und spiegelt die systematische Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch nationalsozialistische Symbolik wider.

Das Deutsche Jugendherbergswerk wurde ursprünglich 1909 von dem Volksschullehrer Richard Schirrmann gegründet, der in der Volksschule Altena in Westfalen die erste ständige Jugendherberge der Welt einrichtete. Die Bewegung verfolgte zunächst rein pädagogische und wanderfreundliche Ziele: jungen Menschen sollte durch preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten das Wandern und Naturerleben ermöglicht werden. Bis 1933 entwickelte sich das DJH zu einer erfolgreichen, überparteilichen Organisation mit mehreren hundert Herbergen im gesamten Deutschen Reich.

Mit der Machtergreifung 1933 änderte sich die Situation grundlegend. Im Zuge der Gleichschaltung wurden alle Jugendorganisationen und -verbände dem nationalsozialistischen Regime untergeordnet. Das DJH wurde in die Strukturen der Hitler-Jugend (HJ) und des Reichsjugendführers eingegliedert. Die Organisation verlor ihre Unabhängigkeit und wurde zum Instrument der NS-Jugendpolitik umfunktioniert.

Die dritte Form des Mitgliedsabzeichens mit Hakenkreuz entstand in diesem Kontext. Während die ersten beiden Formen des DJH-Abzeichens noch das ursprüngliche, unpolitische Design trugen, wurde nun die nationalsozialistische Symbolik integriert. Das Hakenkreuz als zentrales Symbol des NS-Regimes musste fortan Bestandteil des Abzeichens sein, um die ideologische Ausrichtung der gleichgeschalteten Organisation zu demonstrieren.

Die vorliegende Eisenblechausführung repräsentiert eine der gebräuchlichsten Herstellungsvarianten. Aufgrund der großen Mitgliederzahlen und der angestrebten Massenproduktion wurden solche Abzeichen häufig in einfachen, kostengünstigen Materialien gefertigt. Eisenblech bot dabei den Vorteil der preiswerten Herstellung bei ausreichender Stabilität. Die lange Nadel ermöglichte das sichere Befestigen an der Kleidung, insbesondere an den Uniformen der HJ oder an Wanderkleidung.

Das DJH unter nationalsozialistischer Führung diente mehreren Zwecken: Einerseits behielt es seine praktische Funktion als Netzwerk von Übernachtungsmöglichkeiten für junge Menschen bei. Andererseits wurde es zum Instrument der weltanschaulichen Schulung und der Vorbereitung der Jugend auf den Krieg. Die Jugendherbergen wurden zu Orten, an denen nationalsozialistische Ideologie vermittelt und “Volksgemeinschaft” inszeniert wurde. Wanderfahrten und Aufenthalte in den Herbergen dienten nicht mehr nur der Naturerfahrung, sondern der körperlichen Ertüchtigung und ideologischen Indoktrination.

Die Träger solcher Mitgliedsabzeichen waren überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, die entweder freiwillig oder durch den Druck der Verhältnisse Mitglied im gleichgeschalteten DJH waren. Das sichtbare Tragen des Abzeichens demonstrierte die Zugehörigkeit zur Organisation und damit indirekt auch die Konformität mit dem NS-System.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 musste das Deutsche Jugendherbergswerk vollständig neu aufgebaut werden. Die Alliierten verboten zunächst alle Organisationen mit NS-Vergangenheit. Das DJH wurde ab 1949 in der Bundesrepublik Deutschland als unabhängige, gemeinnützige Organisation wiedergegründet und kehrte zu seinen ursprünglichen, unpolitischen Zielen zurück. Die Abzeichen mit Hakenkreuz wurden selbstverständlich nicht mehr verwendet und sind heute ausschließlich als historische Dokumente von Bedeutung.

Aus heutiger Sicht sind solche Mitgliedsabzeichen wichtige Sachzeugen der Zeitgeschichte. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie und erinnern daran, wie selbst ursprünglich unpolitische, pädagogisch motivierte Organisationen instrumentalisiert wurden. Für die historische Forschung und museale Bildungsarbeit sind sie unverzichtbare Quellen zum Verständnis der NS-Zeit.

Der Erhaltungszustand “Zustand 2” weist auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, das die Jahrzehnte überdauert hat und noch klar erkennbare Details aufweist, was für Forschung und Dokumentation von besonderem Wert ist.