Ehrenzeichen für Deutsche Volkspflege 3. Stufe
Das Ehrenzeichen für Deutsche Volkspflege stellt eine bedeutende, jedoch oft übersehene Auszeichnung aus der Zeit des Nationalsozialismus dar. Diese Dekoration wurde am 1. Mai 1939 durch den Reichsminister des Innern Wilhelm Frick gestiftet und diente der Anerkennung von Personen, die sich um die “Volkspflege” im nationalsozialistischen Sinne verdient gemacht hatten.
Die Auszeichnung war in drei Stufen gegliedert, wobei die hier vorliegende 3. Stufe die unterste Verleihungsstufe darstellte. Die hierarchische Abstufung folgte einem in der NS-Zeit üblichen System: Die 1. Stufe in Gold war die höchste Auszeichnung, die 2. Stufe in Silber die mittlere, und die 3. Stufe in Bronze (bzw. vergoldetem Buntmetall) bildete die Eingangsstufe für diese Ehrung.
Das Ehrenzeichen wurde für Verdienste im Bereich der sozialen Fürsorge, der Gesundheitspflege und insbesondere der rassenhygienischen Programme des NS-Regimes verliehen. Der Begriff “Volkspflege” umfasste dabei ein breites Spektrum von Tätigkeiten, die dem nationalsozialistischen Ideal der “Volksgemeinschaft” dienten. Empfänger waren häufig Mitarbeiter im Gesundheitswesen, in Wohlfahrtsorganisationen wie der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), sowie Personen, die sich in der Erb- und Rassenpflege engagierten.
Die Gestaltung des Ehrenzeichens folgte der typischen Formensprache nationalsozialistischer Auszeichnungen. Das Abzeichen bestand aus einem Mittelmedaillon mit entsprechenden NS-Symbolen, umgeben von einem Kranz. Die Emaillierung war ein charakteristisches Merkmal dieser Orden, wobei die Qualität der Verarbeitung je nach Herstellungszeitpunkt variierte. Das hier beschriebene Exemplar aus vergoldetem Buntmetall zeigt die typischen Alterungserscheinungen in Form von Haarrissen in der Emaille, was bei Stücken aus dieser Zeit nicht ungewöhnlich ist.
Die Verleihung erfolgte durch verschiedene Reichs- und Landesbehörden, insbesondere durch das Reichsministerium des Innern und nachgeordnete Dienststellen. Die Verleihungskriterien waren in entsprechenden Satzungen festgelegt, wobei eine mehrjährige Tätigkeit im Bereich der Volkspflege sowie besondere Leistungen nachgewiesen werden mussten. Die 3. Stufe stellte dabei oft eine erste Anerkennung dar, die bei fortgesetztem Engagement durch höhere Stufen ergänzt werden konnte.
Das Band, an dem das Ehrenzeichen getragen wurde, war in den offiziellen Farben der Auszeichnung gehalten. Die Trageweise erfolgte an der linken Brustseite der Uniform oder Zivilkleidung, wobei die genauen Vorschriften in den Ordensstatuten festgelegt waren. Im militärischen Kontext wurde das Ehrenzeichen in der Bandschnalle getragen, wenn mehrere Auszeichnungen anzulegen waren.
Die historische Bedeutung dieses Ehrenzeichens liegt vor allem in seinem Kontext innerhalb des nationalsozialistischen Auszeichnungswesens. Es dokumentiert die systematische Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch das NS-Regime und die Instrumentalisierung sozialer Arbeit für ideologische Zwecke. Die “Volkspflege” war dabei keineswegs neutral, sondern eng verknüpft mit der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus, einschließlich der Euthanasie-Programme und der Verfolgung sogenannter “Erbkranker”.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden alle nationalsozialistischen Auszeichnungen durch die Alliierten verboten. Das Tragen dieser Orden wurde in Deutschland durch das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 geregelt, wobei NS-Auszeichnungen nur ohne verfassungsfeindliche Symbole getragen werden durften - eine Regelung, die in der Praxis einem faktischen Verbot gleichkam.
Heute besitzen solche Auszeichnungen primär einen historisch-dokumentarischen Wert. Sie dienen in Sammlungen und Museen als Zeugnisse einer dunklen Periode deutscher Geschichte und ermöglichen die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Auszeichnungswesen. Der Zustand des beschriebenen Exemplars (Zustand 2-3 in der philateristischen Bewertungsskala) deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit leichten Gebrauchsspuren hin, was für Objekte aus dieser Zeit durchaus typisch ist.