Elastolin - " Der Duce " Benito Mussolini als Reiter zu Pferd grüßend
Die vorliegende Elastolin-Figur des Benito Mussolini als grüßender Reiter zu Pferd stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Spielzeug- und Propagandaproduktion der 1930er Jahre dar. Mit einer Größe von 7,5 cm und einem charakteristischen Porzellankopf repräsentiert diese Figur die typische Fertigungsweise der Firma O. & M. Hausser aus Ludwigsburg, die unter dem Markennamen Elastolin weltberühmt wurde.
Die Firma Hausser gründete ihre Produktion von Massefiguren im Jahr 1904 und entwickelte schnell eine besondere Expertise in der Herstellung militärischer und politischer Persönlichkeiten. Der Name “Elastolin” bezeichnete das von der Firma verwendete Material, eine elastische Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin und anderen Bestandteilen, die auf Drahtgestelle modelliert wurde. Die Köpfe wichtiger Persönlichkeiten wurden häufig aus Porzellan gefertigt, um eine feinere Detailwiedergabe und größere Haltbarkeit zu gewährleisten.
Benito Mussolini (1883-1945), mit dem Beinamen “Il Duce” (Der Führer), war von 1922 bis 1943 faschistischer Diktator Italiens. Seine charakteristische Selbstinszenierung als Reiter entsprach dem faschistischen Personenkult, der Mussolini als starken, militärischen Führer darstellte. Reitende Darstellungen sollten an römische Imperatoren erinnern und seine angebliche Verbindung zur glorreichen Vergangenheit des Römischen Reiches unterstreichen.
Die Produktion solcher Figuren erreichte ihren Höhepunkt in den 1930er Jahren, als die Achsenmächte Deutschland und Italien enge politische und militärische Beziehungen unterhielten. Die Berliner-Rom-Achse, die 1936 formalisiert wurde, führte zu einer intensiven gegenseitigen Propaganda. Deutsche Spielzeughersteller produzierten daher nicht nur Figuren deutscher Führer, sondern auch ihrer italienischen Verbündeten.
Elastolin-Figuren wurden in verschiedenen Maßstäben hergestellt, wobei die 7,5 cm-Größe zu den Standardformaten gehörte. Diese Figuren waren nicht nur Spielzeug, sondern auch Sammelobjekte und Propagandainstrumente. Sie wurden in aufwendig gestalteten Schaufenstern präsentiert und in speziellen Verkaufskatalogen angeboten. Die detaillierte Ausführung mit präzise modellierten Uniformen, Gesichtszügen und Gesten machte sie zu begehrten Objekten.
Die Darstellung Mussolinis in grüßender Pose zu Pferd folgt ikonographischen Vorbildern der militärischen Repräsentation. Der römische Gruß, den Mussolini populär machte und der später vom Nationalsozialismus übernommen wurde, war ein zentrales Element faschistischer Symbolik. Die Kombination aus Reiterpose und Gruß sollte Autorität, Macht und militärische Führungsstärke vermitteln.
Technisch gesehen sind Elastolin-Figuren mit Porzellanköpfen heute besonders wertvoll, da das Porzellan anfällig für Beschädigungen war und viele Exemplare im Laufe der Jahrzehnte verloren gingen oder beschädigt wurden. Die Tatsache, dass diese Figur ohne das zugehörige Pferd erhalten ist, ist nicht ungewöhnlich, da Pferd und Reiter oft getrennt wurden, besonders wenn Kinder mit ihnen spielten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Firma Hausser die Produktion politischer Führerfiguren ein und konzentrierte sich auf historische und unpolitische Themen. Viele der Nazi- und Faschistenfiguren wurden vernichtet oder verschwanden aus dem öffentlichen Bewusstsein. Heute sind diese Objekte wichtige historische Dokumente, die Aufschluss über Propaganda, Alltagskultur und die Spielzeugindustrie im totalitären Kontext geben.
Aus sammlertechnischer Perspektive wird der Erhaltungszustand mit “Zustand 2” als gut bewertet, was leichte Gebrauchsspuren, aber keine gravierenden Beschädigungen bedeutet. Solche Figuren sind heute begehrte Objekte militärhistorischer Sammlungen und dienen der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Propagandamechanismen totalitärer Regime.