HJ / DJH - Deutsche Jugendherbergen 1937
Das HJ/DJH Deutsche Jugendherbergen Abzeichen von 1937 repräsentiert eine faszinierende Verschmelzung zweier Jugendorganisationen im nationalsozialistischen Deutschland: der Hitler-Jugend (HJ) und des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH). Dieses Eisenblechabzeichen mit Nadelhalterung dokumentiert die systematische Gleichschaltung aller Jugendorganisationen unter der Kontrolle der NSDAP während der 1930er Jahre.
Das Deutsche Jugendherbergswerk hatte seine Wurzeln in der Vorkriegszeit und der Weimarer Republik. Die erste permanente Jugendherberge wurde 1912 von Richard Schirrmann auf der Burg Altena gegründet. Die Jugendherbergsbewegung verbreitete sich schnell und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Jugendbewegung, insbesondere der Wandervogel-Bewegung. Bis 1933 existierte ein deutschlandweites Netz von Jugendherbergen, das jungen Menschen preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten während ihrer Wanderungen bot.
Nach der Machtergreifung 1933 begannen die Nationalsozialisten systematisch, alle bestehenden Jugendorganisationen aufzulösen oder in die Hitlerjugend einzugliedern. Das Gesetz über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 erklärte die HJ zur Staatsjugend und machte die Mitgliedschaft faktisch obligatorisch. Die Jugenddienstpflicht vom 25. März 1939 vervollständigte diesen Prozess durch die gesetzliche Verpflichtung aller Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren.
Das Jahr 1937, in dem dieses Abzeichen ausgegeben wurde, markiert eine Phase der vollständigen Kontrolle der HJ über alle jugendrelevanten Aktivitäten. Das Deutsche Jugendherbergswerk wurde nicht aufgelöst, sondern vielmehr instrumentalisiert und in die ideologische Arbeit der Hitlerjugend integriert. Die Jugendherbergen dienten nun als Infrastruktur für HJ-Fahrten, Geländeübungen und ideologische Schulungen.
Die Herstellung solcher Abzeichen aus Eisenblech war typisch für die Zeit. Nach der Verkündung des Vierjahresplans 1936 unter Hermann Göring wurden Buntmetalle wie Kupfer und Bronze zunehmend für die Rüstungsindustrie reserviert. Eisenblech bot eine kostengünstige Alternative für die Massenproduktion von Abzeichen und Auszeichnungen. Die Qualität variierte erheblich, wobei bessere Exemplare emailliert oder lackiert wurden, um Korrosion zu verhindern.
Die Kombination der Kürzel HJ und DJH auf einem Abzeichen symbolisiert die Vereinnahmung der traditionellen Jugendherbergsbewegung durch die nationalsozialistische Jugendorganisation. Solche Abzeichen wurden typischerweise an Teilnehmer von organisierten Fahrten, bei besonderen Veranstaltungen oder als Mitgliedsabzeichen ausgegeben. Sie dienten nicht nur der Identifikation, sondern auch der Förderung von Gruppenzugehörigkeit und Loyalität.
Die Nadelbefestigung war die Standardmethode zur Anbringung solcher Abzeichen an der Uniform oder Zivilkleidung. Im Gegensatz zu militärischen Auszeichnungen waren diese zivilen Abzeichen weniger streng reguliert, was zu einer großen Vielfalt an Designs und Herstellern führte. Viele wurden von lokalen Metallwarenfabriken und Prägeanstalten produziert.
Die Erhaltung in Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin. Eisenblechabzeichen aus dieser Zeit sind oft von Korrosion betroffen, weshalb gut erhaltene Stücke von besonderem sammlerhistorischem Interesse sind. Die Patina und eventuelle Oxidation können Aufschluss über Lagerung und Verwendung geben.
Nach 1945 wurden solche Abzeichen im Rahmen der Entnazifizierung aus dem öffentlichen Raum entfernt. Das Deutsche Jugendherbergswerk wurde nach dem Krieg neu gegründet und knüpfte an seine unpolitischen Traditionen aus der Weimarer Zeit an. Heute sind solche historischen Abzeichen Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und dienen der historischen Forschung und Aufklärung über die systematische Indoktrination der Jugend im Nationalsozialismus.