Königreich Hannover Fahne des 3. Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner

Um 1833. Ca. 53 x 53 cm große Fahne aus gelbem („goldenen“) Stoff mit goldenen Metall-Fransen, beidseitig reich mit Silberfaden bestickt, teils erhaben ausgeführt, im Zentrum das britisch-hannoversche Wappen mit dem Wahlspruch «nec aspera terrent» (der Devise des 1815 gestifteten Guelphenordens), seitlich gehalten von dem englischen Löwen und dem schottischen Einhorn, darüber die britische Krone auf welcher der gekrönte Löwe steht (royal crest), der Löwe und das Einhorn stehen auf einem blau hinterlegten Spruchband mit der Devise «Dieu et mon droit», über dem Wappen aufgestickt die beiden Ehrennamen «Peninsula» und «Göhrde», unter dem Wappen der Regimentsname «3tes Dragoner Regiment. H.V.C.», darunter aufgestickt der Ehrenname «Waterloo». Auf der linken Seite der Fahne von oben nach unten der „Hosenbandorden“, der „Distelorden“ und der „Guelphenorden“, auf der rechten Seite (der Flugseite) der „Bathorden“, der Patricksorden und der Michaelsorden. Die Fahne dem alter nach gut erhalten mit kleineren Beschädigungen.

Ein Objekt von musealer Bedeutung! Ein unwiederbringliches Artefakt der Geschichte des Königreichs Hannover!

Das Objekt stammt nach Auskunft aus dem Welfen-Schloss Marienburg, der königlichen hannoverschen Sammlung, die 2005 auf der Sotheby's Auktion größtenteils versteigert wurde.

An hannoverschen Fahnen sind einige wenige Stücke in Museen und Sammlungen erhalten geblieben und stehen so der historischen Forschung zur Verfügung. Die Historie der ab 1821 unter Georg IV. an bestimmte Infanterie-Regimenter verliehene Stücke ist dabei gut nachzuvollziehen. Bei der Kavallerie erschwerten die häufigen Umstrukturierungen und Umbenennungen jedoch die Forschung.

Nach bisherigen Erkenntnissen erhielt ab 1821 zunächst jede Schwadron eine Fahne. Von den Fahnen der Infanterie unterschieden sich die Fahnen der Kavallerie durch die wesentlich aufwendigere Machart sowie das Führen eines „zweiten Schlachtennamens“. Gemeinsam waren den Fahnen die Ausführung des Wappens, der Orden und die Größe. Die Fahnen kosteten dabei aber das Vierfache der Fahnen für die Infanterie. Überliefert ist ein Preis von 300 Talern (!!), was zu dieser Zeit einen erheblichen Betrag darstellte. Dies war auch so teuer, dass 1837 bestimmt wurde, dass jedes Regiment nur noch eine Fahne zu führen hatte. Mit dem Regierungsantritt König Ernst August I. 1837 und dem damit einhergehenden Ende der Personalunion wurden die Fahnen für die Infanterie dann teils geändert und teils neue eingeführt. Bei der Kavallerie wurden die sehr teuren Fahnen aber wohl auch eine Zeitlang unverändert weitergeführt und kamen später in das königliche Arsenal bzw. in die königliche Sammlung.

Die vorliegende Fahne entspricht in Machart und Abmaßen ganz den bekannten Stücken. Das Wappen ist in seiner Ausführung in die Zeit von 1816-37 zu setzen. Es ist davon auszugehen, dass die Fahne wie andere bekannte Stücke noch unter König Georg IV. bzw. Wilhelm IV. verliehen wurde. Da das Regiment aber erst 1833 von „Königlich Hannoversches 3. Husaren-Regiment“ in „Königlich Hannoversches 3. Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner“ umbenannt wurde, ist die Entstehungszeit der Fahne auf nach 1833 und bis 1837 zu setzen. 1848 erfolgte die Umbenennung in „Königlich Hannoversches Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner“. Nach der Auflösung der Hannoverschen Armee 1866 übernahm dann erst 1899 das 1. Hannoversche Dragoner-Regiment Nr. 9 die Tradition des Regiments, welches aber 1907 in „Dragoner-Regiment König Karl I. von Rumänien (1. Hannoversches) Nr. 9“ umbenannt wurde.

Das „Königlich Hannoversches 3. Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner“ (Bezeichnung ab 1833) stand in der Tradition des „3. leichten Dragoner-Regiment der Königlich deutschen Legion“ (1811 in 3. Husaren-Regiment der Königlich deutschen Legion umbenannt), welches 1813 an der Schlacht an der Göhrde teilnahm).

Bei Interesse können wir zu der Fahne noch eine Fahnenspitze bzw. eine Fahnenspitze der der original Stange anbieten, die sich zur Zeit noch in einer privaten Sammlung befinden.
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Königreich Hannover Fahne des 3. Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner

Die vorliegende Fahne des 3. Regiments Herzog von Cambridge-Dragoner stellt ein außergewöhnliches Zeugnis der militärischen Tradition des Königreichs Hannover dar. Als kostbares Artefakt aus der Zeit zwischen 1833 und 1837 verkörpert sie nicht nur die handwerkliche Meisterschaft ihrer Entstehungszeit, sondern auch die komplexe politische und dynastische Verbindung zwischen Großbritannien und Hannover während der Personalunion.

Das Königreich Hannover entstand 1814 aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und stand bis 1837 in Personalunion mit dem britischen Königreich. Diese besondere Verbindung spiegelt sich eindrucksvoll in der Symbolik der Regimentsfahnen wider. Das zentrale britisch-hannoversche Wappen mit dem Wahlspruch “nec aspera terrent” (lateinisch für “Widrigkeiten schrecken nicht ab”), der Devise des 1815 gestifteten Guelphenordens, vereint die heraldischen Elemente beider Monarchien. Der englische Löwe und das schottische Einhorn als Wappenhalter sowie die Devise “Dieu et mon droit” unterstreichen die britische Komponente dieser Verbindung.

Die Entstehungsgeschichte der hannoverschen Kavalleriefahnen ist eng mit den Reformen unter König Georg IV. verbunden. Ab 1821 wurde ein systematisches Fahnenverleihungssystem eingeführt, wobei zunächst jede Schwadron eine eigene Fahne erhielt. Diese Fahnen der Kavallerie unterschieden sich erheblich von denen der Infanterie: Sie waren wesentlich aufwendiger gearbeitet, kosteten mit 300 Talern etwa das Vierfache der Infanteriefahnen und trugen im Gegensatz zu diesen einen zweiten Schlachtennamen. Der enorme finanzielle Aufwand führte 1837 zur Bestimmung, dass fortan jedes Regiment nur noch eine Fahne zu führen hatte.

Das 3. Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner stand in einer ruhmreichen militärischen Tradition. Seine Wurzeln reichen zurück zum 3. leichten Dragoner-Regiment der Königlich Deutschen Legion, einer aus hannoverschen Soldaten bestehenden Einheit im britischen Dienst, die nach der französischen Besetzung Hannovers 1803 gebildet wurde. 1811 erfolgte die Umbenennung in 3. Husaren-Regiment der Königlich Deutschen Legion. Die Einheit nahm an bedeutenden Schlachten der Napoleonischen Kriege teil, darunter die Schlacht an der Göhrde im September 1813, eine der wenigen größeren Gefechte auf deutschem Boden, bei denen französische Truppen geschlagen wurden, sowie die berühmte Schlacht bei Waterloo 1815.

Nach dem Wiener Kongress und der Wiedererrichtung der hannoverschen Souveränität wurde das Regiment in die hannoversche Armee integriert. 1833 erfolgte die Umbenennung von “Königlich Hannoversches 3. Husaren-Regiment” in “Königlich Hannoversches 3. Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner”, benannt nach Adolphus Frederick, 1. Herzog von Cambridge, einem Sohn Georgs III. und Vizekönig von Hannover. Diese Namensgebung unterstreicht erneut die enge Verbindung zur britischen Königsfamilie.

Die Ehrennamen auf der Fahne – “Peninsula”, “Göhrde” und “Waterloo” – dokumentieren die militärische Glorie des Regiments. “Peninsula” bezieht sich auf den Peninsular War (1807-1814), den Kampf gegen die napoleonische Besatzung auf der Iberischen Halbinsel, an dem die King's German Legion maßgeblich beteiligt war. Diese Schlachtennamen waren mehr als bloße Dekoration; sie waren Teil der militärischen Identität und des Korpsgeistes.

Die auf der Fahne dargestellten britischen Ritterorden – der Hosenbandorden (Order of the Garter), der Distelorden (Order of the Thistle), der Bathorden (Order of the Bath), der Patricksorden (Order of St. Patrick) und der Michaelsorden (Order of St. Michael and St. George) – sowie der hannoversche Guelphenorden verdeutlichen die hierarchische Struktur und die dynastischen Verbindungen der Monarchie. Diese Orden waren Ausdruck königlicher Gunst und militärischer Ehre.

Das Jahr 1837 markierte einen Wendepunkt: Mit dem Tod König Wilhelms IV. endete die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, da in Hannover die salische Erbfolge galt, die eine weibliche Thronfolge ausschloss. Während in Großbritannien Königin Victoria den Thron bestieg, wurde Ernst August I. König von Hannover. Dies führte zu Änderungen in der Symbolik und bei den Regimentsfahnen der Infanterie, während die kostspieligen Kavalleriefahnen zunächst weiterverwendet wurden.

1848 wurde das Regiment erneut umbenannt in “Königlich Hannoversches Regiment Herzog von Cambridge-Dragoner”. Die Geschichte des Regiments endete abrupt 1866 mit der Annexion Hannovers durch Preußen nach dem Deutschen Krieg. Die hannoversche Armee wurde aufgelöst, und viele ihrer Traditionen gingen verloren oder wurden von preußischen Einheiten übernommen. Erst 1899 übernahm das 1. Hannoversche Dragoner-Regiment Nr. 9 die Tradition des ehemaligen Cambridge-Dragoner-Regiments.

Solche Fahnen wurden nach ihrer Außerdienststellung typischerweise im königlichen Arsenal oder in der königlichen Sammlung aufbewahrt, oft in den Welfenschlössern. Sie dienten als materielle Erinnerung an vergangene Glorie und als Symbol dynastischer Kontinuität. Heute sind nur wenige hannoversche Kavalleriefahnen in Museen und Sammlungen erhalten, was jeden erhaltenen Gegenstand zu einem Objekt von außerordentlicher historischer Bedeutung macht.

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