Maidenbrosche der Wirtschaftlichen Frauenschule Groß-Sachsenheim/Württemberg 2. Form

Buntmetall, an Nadel. Zustand 2.
477953
100,00

Maidenbrosche der Wirtschaftlichen Frauenschule Groß-Sachsenheim/Württemberg 2. Form

Die Maidenbrosche der Wirtschaftlichen Frauenschule Groß-Sachsenheim in Württemberg repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Bildungsgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Diese Brosche in ihrer zweiten Form gehört zu einer Kategorie von Abzeichen, die keineswegs militärischer Natur waren, sondern vielmehr die Bedeutung der hauswirtschaftlichen Ausbildung junger Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentieren.

Die Wirtschaftliche Frauenschule Groß-Sachsenheim war eine Institution, die im Königreich Württemberg und später im Freistaat Württemberg der Weimarer Republik eine wichtige Rolle in der weiblichen Berufsausbildung spielte. Groß-Sachsenheim, heute ein Stadtteil von Sachsenheim im Landkreis Ludwigsburg, war im frühen 20. Jahrhundert Standort mehrerer Bildungseinrichtungen. Die wirtschaftlichen Frauenschulen entstanden in einer Zeit, als die Professionalisierung der Hauswirtschaft und die systematische Ausbildung junger Frauen für ihre Rolle als Haushaltsführerinnen, aber auch als qualifizierte Arbeitskräfte in Großhaushalten, Hotels und Institutionen, zunehmend an Bedeutung gewann.

Die vorliegende Brosche ist aus Buntmetall gefertigt, einem häufig verwendeten Material für Abzeichen dieser Art. Buntmetall bezeichnet Legierungen wie Bronze, Messing oder andere Kupferverbindungen, die sich durch ihre goldene oder bronzefarbene Erscheinung auszeichneten. Die Verwendung von Buntmetall war sowohl wirtschaftlich als auch praktisch: Es war kostengünstiger als Edelmetalle, ließ sich gut bearbeiten und eignete sich hervorragend für die Herstellung von Abzeichen mit feinen Details.

Die Bezeichnung “2. Form” weist darauf hin, dass es mindestens zwei verschiedene Ausführungen dieser Brosche gab. Dies war bei Schulabzeichen und institutionellen Broschen durchaus üblich. Gründe für Formänderungen konnten sein: Änderungen im Corporate Design der Institution, Modifikationen nach Statutenänderungen, wirtschaftliche Notwendigkeiten (beispielsweise Materialknappheit während der Kriegsjahre), oder auch der Wechsel des Herstellers. Die Existenz mehrerer Formen ermöglicht es Sammlern und Historikern heute, die Entwicklung der Institution über verschiedene Zeitperioden hinweg nachzuvollziehen.

Die Maidenbrosche oder auch Schülerinnenbrosche war typischerweise an einer Nadel befestigt und wurde an der Kleidung, meist an der Bluse oder am Kleid, getragen. Sie diente mehreren Zwecken: Erstens war sie ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Institution und förderte das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülerinnen. Zweitens dokumentierte sie den Status als Schülerin einer anerkannten Ausbildungsstätte. Drittens konnte sie nach erfolgreichem Abschluss als stolzes Erinnerungsstück an die Ausbildungszeit dienen.

Der historische Kontext dieser Broschen ist eng mit der Frauenbildungsbewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verknüpft. In Württemberg, wie auch in anderen deutschen Staaten, entwickelte sich ab den 1870er Jahren ein zunehmend differenziertes System der Mädchen- und Frauenbildung. Neben den höheren Töchterschulen und später den Lyzeen entstanden spezialisierte Fachschulen, darunter auch die wirtschaftlichen Frauenschulen. Diese Institutionen vermittelten praktische und theoretische Kenntnisse in Bereichen wie Kochen, Backen, Nähen, Haushaltsführung, Buchführung, Ernährungslehre und teilweise auch in naturwissenschaftlichen Grundlagen.

Die Wirtschaftlichen Frauenschulen unterschieden sich von reinen Haushaltungsschulen durch ihren erweiterten Lehrplan, der auch wirtschaftliche und kaufmännische Aspekte umfasste. Absolventinnen waren qualifiziert für Positionen als Hauswirtschaftslehrerinnen, Wirtschafterinnen in Großhaushalten, Pensionen und Hotels, oder als professionelle Haushaltsführerinnen in gehobenen Privathaushalten. Diese Ausbildung eröffnete Frauen, die nicht studieren konnten oder wollten, angesehene Berufsperspektiven.

Die württembergische Bildungslandschaft war traditionell gut entwickelt. Das Königreich Württemberg verfügte über ein ausgebautes Schulwesen, und auch nach der Revolution von 1918/19 und der Gründung des Freistaats Württemberg blieb die Förderung der Bildung ein wichtiges staatliches Anliegen. Die wirtschaftlichen Frauenschulen waren häufig unter kirchlicher oder kommunaler Trägerschaft, erhielten aber staatliche Anerkennung und teilweise auch finanzielle Unterstützung.

Solche Broschen wurden üblicherweise bei der Aufnahme in die Schule oder nach erfolgreichem Abschluss verliehen. Sie waren oft käuflich zu erwerben, wobei die Schülerinnen sie selbst finanzieren mussten. In manchen Fällen wurden sie auch als Auszeichnungen für besondere Leistungen vergeben. Das Tragen der Brosche war in der Regel während der Schulzeit oder bei offiziellen Anlässen vorgeschrieben oder zumindest erwünscht.

Heute sind solche Schülerbroschen gefragte Sammlerobjekte, die Einblick in die Sozial- und Bildungsgeschichte geben. Sie dokumentieren die Vielfalt der Bildungslandschaft und die zunehmende Professionalisierung weiblicher Berufe im frühen 20. Jahrhundert. Für Heimatforscher und Regionalhistoriker sind sie wertvolle Quellen zur Erforschung lokaler Bildungsinstitutionen.