Mecklenburg-Strelitz Silberne Schützenkönig Medaille der Stadt Gransee für Georg Großherzog von Mecklenburg-Strelitz

um 1854. Große fein geprägte Silbermedaille, Durchmesser 42 mm. Auf der Vorderseite Darstellung : gekreuztes Gewehr und Säbel, Pulverflasche und Jagdhorn vor einer Schießscheibe, im Hintergrund eine Fahne, darüber ein stehender Adler auf einem Baumstumpf, unten rechts mit Signatur Stempelschneider "Loos". Rückseitig großer Eichenlaubkranz, im Zentrum mit feiner Gravur "Sr. Königl. Hoheit Georg Grossherzog von Mecklenburg Strelitz Schützen-König zu Gransee 1854/55". Granse befindet sich südlich der Haupt- u. Residenzstadt Neustrelitz. 
Die Medaille stammt aus dem persönlichen Eigentum von Friedrich Wilhelm II. Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, als Erinnerungsstück an seinen Vater Georg.
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1.350,00

Mecklenburg-Strelitz Silberne Schützenkönig Medaille der Stadt Gransee für Georg Großherzog von Mecklenburg-Strelitz

Die Silberne Schützenkönig-Medaille aus der Stadt Gransee, verliehen an Georg Großherzog von Mecklenburg-Strelitz in den Jahren 1854/55, repräsentiert eine faszinierende Verbindung zwischen höfischer Tradition und bürgerlichem Schützenwesen im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Diese prächtige Medaille mit einem Durchmesser von 42 mm verkörpert nicht nur handwerkliche Meisterschaft, sondern auch die gesellschaftliche Bedeutung des Schützenwesens in der Zeit vor der Reichsgründung.

Das Schützenwesen in den deutschen Territorien hatte eine jahrhundertealte Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreichte. Ursprünglich als städtische Verteidigungsorganisationen gegründet, entwickelten sich die Schützengilden und -vereine im 19. Jahrhundert zunehmend zu gesellschaftlichen und kulturellen Institutionen. Sie pflegten nicht nur die Schießkunst, sondern förderten auch Gemeinschaftssinn, vaterländische Gesinnung und gesellschaftliche Zusammenkünfte. Die jährliche Wahl eines Schützenkönigs, der durch seine Treffsicherheit beim Vogelschießen oder anderen Wettbewerben ermittelt wurde, bildete den Höhepunkt des Schützenlebens.

Die Stadt Gransee, gelegen südlich der Residenzstadt Neustrelitz, gehörte zum Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, einem der kleineren deutschen Bundesstaaten. Die Teilnahme eines regierenden Großherzogs an einem bürgerlichen Schützenfest und sein Gewinn der Schützenkönigswürde war keineswegs selbstverständlich, sondern zeugte von der besonderen Verbindung zwischen Landesherren und Bürgertum in den mittleren und kleineren deutschen Staaten. Solche Teilnahmen stärkten die Bindung zwischen Fürst und Volk und demonstrierten die Volksnähe des Herrscherhauses.

Georg, Großherzog von Mecklenburg-Strelitz (1779-1860), regierte von 1816 bis zu seinem Tod das Großherzogtum. Er war bekannt für seine konservative, aber volksnahe Regierungsweise. Die Medaille aus den Jahren 1854/55 entstand somit am Ende seiner langen Regierungszeit, als er bereits über 70 Jahre alt war. Seine Teilnahme am Schützenfest in Gransee in diesem fortgeschrittenen Alter unterstreicht die Bedeutung, die er dieser Tradition beimaß.

Die künstlerische Gestaltung der Medaille durch den Stempelschneider Loos zeigt die hohe Qualität der zeitgenössischen Medaillenkunst. Die Vorderseite präsentiert ein komplexes Arrangement aus gekreuzten Gewehren und Säbeln, Pulverflasche und Jagdhorn vor einer Schießscheibe, überragt von einem auf einem Baumstumpf stehenden Adler. Diese Symbolik verbindet zivile Schützentraditionen (Gewehr, Schießscheibe) mit militärischen Elementen (Säbel) und höfischen Jagdtraditionen (Jagdhorn). Der Adler, traditionelles Symbol deutscher Staatlichkeit, bekrönt die Komposition und unterstreicht den staatlichen Charakter der Auszeichnung.

Die Rückseite trägt einen prächtigen Eichenlaubkranz, ein seit der Antike verwendetes Symbol für Ehre, Tapferkeit und Sieg. Die feine Gravur im Zentrum nennt den Titel und Namen des Preisträgers sowie Ort und Jahr der Verleihung. Die Verwendung der Anrede “Sr. Königl. Hoheit” (Seiner Königlichen Hoheit) entspricht dem protokollarischen Rang eines Großherzogs im deutschen Staatensystem.

Besonders bemerkenswert ist die Provenienz dieser Medaille: Sie stammte aus dem persönlichen Besitz von Friedrich Wilhelm, Großherzog von Mecklenburg-Strelitz (1819-1904), dem Sohn und Nachfolger Georgs. Die Bewahrung dieser Auszeichnung als Erinnerungsstück an den Vater zeigt die emotionale und dynastische Bedeutung solcher Objekte innerhalb der Fürstenfamilien. Sie dienten nicht nur als persönliche Erinnerungen, sondern auch als materielle Zeugnisse der Verbindung zwischen Herrscherhaus und Landständen.

Die Anfertigung in Silber und die beachtliche Größe von 42 mm Durchmesser unterstreichen den Wert und die Bedeutung dieser Auszeichnung. Silber war das bevorzugte Material für hochwertige zivile Auszeichnungen und Vereinsabzeichen im 19. Jahrhundert, während Gold meist militärischen Orden oder höchsten staatlichen Ehrungen vorbehalten blieb.

Im Kontext der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts repräsentiert diese Medaille die Blütezeit des bürgerlichen Vereinswesens und die besondere Rolle des Schützenwesens als verbindendes Element zwischen den sozialen Schichten. Nach der Revolution von 1848/49 gewannen solche traditionellen Institutionen neue Bedeutung als Orte unpolitischer Geselligkeit, wobei sie gleichzeitig nationale und vaterländische Werte pflegten. Die Teilnahme von Fürsten und Adligen an bürgerlichen Schützenfesten trug zur Integration der verschiedenen Gesellschaftsschichten bei und stärkte die Legitimität der monarchischen Ordnung im Zeitalter des aufkommenden Liberalismus.

Solche Schützenmedaillen sind heute wertvolle kulturhistorische Zeugnisse, die Einblick in die gesellschaftlichen Praktiken, künstlerischen Traditionen und politischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts geben. Sie dokumentieren die Bedeutung lokaler Traditionen und die persönliche Verbindung zwischen Landesherren und ihren Untertanen in den kleineren deutschen Staaten vor der Reichsgründung von 1871.

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