NSKK - Plakette "Hunsrückorientierungsfahrt Motorbrigade-Westmark 28.-29.8.1937"
Die vorliegende NSKK-Plakette zur Hunsrück-Orientierungsfahrt der Motorbrigade Westmark vom 28.-29. August 1937 repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der motorisierten Aktivitäten des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) in der Vorkriegszeit. Diese aus Aluminium gefertigte Plakette mit den Maßen von etwa 83 x 57 mm dokumentiert eine spezifische Veranstaltung, die sowohl propagandistische als auch ausbildungstechnische Zwecke verfolgte.
Das NSKK wurde am 1. April 1931 zunächst als Unterorganisation der SA gegründet und am 23. August 1934 zu einer selbständigen Organisation der NSDAP erhoben. Unter der Führung des Korpsführers Adolf Hühnlein entwickelte sich das NSKK zu einer paramilitärischen Formation, die der motorisierten Ausbildung und Schulung der deutschen Bevölkerung diente. Die Organisation sollte ein Reservoir ausgebildeter Kraftfahrer für die Wehrmacht schaffen und gleichzeitig die nationalsozialistische Ideologie im Bereich des Motorsports und der Motorisierung verbreiten.
Die Motorbrigade Westmark war eine der regionalen Gliederungen des NSKK, die das Gebiet der Pfalz, des Saarlandes und angrenzender Regionen umfasste. Der Begriff "Westmark" wurde von den Nationalsozialisten als propagandistische Bezeichnung für die westlichen Grenzgebiete des Deutschen Reiches verwendet. Die Motorbrigaden waren in mehrere Motorstaffeln und -stürme untergliedert und organisierten regelmäßig Ausbildungsveranstaltungen, Orientierungsfahrten und motorsportliche Wettkämpfe.
Orientierungsfahrten gehörten zu den charakteristischen Veranstaltungsformen des NSKK. Sie dienten nicht nur der sportlichen Betätigung, sondern verfolgten konkrete militärische Ausbildungsziele. Die Teilnehmer mussten nach Karten navigieren, vorgegebene Strecken unter Zeitvorgaben bewältigen und ihre Fahrzeuge unter verschiedenen Geländebedingungen beherrschen. Diese Fähigkeiten waren für den Aufbau einer motorisierten Wehrmacht von erheblicher Bedeutung, da Deutschland nach dem Versailler Vertrag zunächst nur begrenzte Möglichkeiten zur offenen militärischen Ausbildung hatte.
Der Hunsrück als Austragungsort wurde bewusst gewählt: Die Mittelgebirgslandschaft mit ihren kurvenreichen Straßen, Steigungen und wechselnden Wetterbedingungen bot ideale Trainingsbedingungen für Kraftfahrer. Solche Geländefahrten bereiteten die Teilnehmer auf die Anforderungen vor, denen motorisierte Einheiten im Ernstfall gegenüberstehen würden.
Die Herstellung von Erinnerungsplaketten war im NSKK weit verbreitet. Sie dienten als Auszeichnung für Teilnehmer an Veranstaltungen und als Sammelobjekte, die die Verbundenheit mit der Organisation stärken sollten. Die Verwendung von Aluminium als Material war typisch für die 1930er Jahre, da dieses Leichtmetall kostengünstig verfügbar war und sich gut für die Massenproduktion eignete. Die Plaketten wurden häufig in größeren Stückzahlen geprägt oder gegossen und anschließend oft noch nachbearbeitet oder emailliert.
Das Jahr 1937 markiert eine Phase intensiver Aktivitäten des NSKK. Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 und dem Aufbau der Wehrmacht verstärkte das NSKK seine Ausbildungstätigkeit erheblich. Die Organisation unterhielt Motorschulen, führte technische Lehrgänge durch und organisierte zahlreiche Veranstaltungen, die der Förderung des Motorsports und der Kraftfahrausbildung dienten.
Aus heutiger Sicht sind solche Plaketten wichtige zeithistorische Dokumente, die Einblick in die Organisationsstruktur, die Aktivitäten und die Propaganda des NS-Regimes geben. Sie dokumentieren die systematische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Krieg durch vermeintlich harmlose sportliche Veranstaltungen. Die regionale Ebene solcher Objekte ermöglicht zudem Rückschlüsse auf die lokale Durchdringung der Gesellschaft durch nationalsozialistische Organisationen.
Sammler und Historiker schätzen derartige Plaketten als Quellen zur Regional- und Organisationsgeschichte. Sie ergänzen das Bild, das aus offiziellen Dokumenten und Akten gewonnen werden kann, um die materielle Dimension nationalsozialistischer Massenorganisationen. Gleichzeitig erfordern sie einen kritischen Umgang, der den historischen Kontext und die ideologische Instrumentalisierung solcher Veranstaltungen nicht ausblendet.