NSKOV Ärmelraute für Teilnehmer am Opferschiessen 1938
Die NSKOV Ärmelraute für Teilnehmer am Opferschießen 1938 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Militär- und Organisationsgeschichte der späten 1930er Jahre. Diese Auszeichnung wurde von der Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (NSKOV) verliehen, einer Organisation, die 1933 durch die Gleichschaltung verschiedener Kriegsopferverbände der Weimarer Republik entstanden war.
Die NSKOV wurde am 26. Januar 1933 gegründet und übernahm die Aufgaben der ehemaligen Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen. Unter der Leitung von Hanns Oberlindober entwickelte sich die Organisation zu einer der größten Gliederungen der NSDAP mit mehreren Millionen Mitgliedern. Ihr Hauptzweck bestand offiziell in der Betreuung von Kriegsversehrten, Kriegsteilnehmern und Hinterbliebenen des Ersten Weltkrieges.
Das Opferschießen war eine jährlich stattfindende Veranstaltung, die von der NSKOV organisiert wurde und mehrere Zwecke erfüllte. Einerseits diente es der Sammlung von Spenden für die Kriegsopferfürsorge, andererseits förderte es im Sinne der nationalsozialistischen Wehrideologie die vormilitärische Ausbildung und Schießfertigkeit der Bevölkerung. Die Veranstaltung von 1938 fand in einem besonders bedeutsamen Jahr statt, kurz vor dem Anschluss Österreichs im März und der Sudetenkrise im Herbst, die mit dem Münchner Abkommen ihren vorläufigen Abschluss fand.
Die hier beschriebene Ärmelraute zeigt charakteristische Merkmale dieser Auszeichnungen: eine grüne Grundfarbe, die typisch für NSKOV-Abzeichen war, und eine bronzierte Metallauflage. Die grüne Farbe war bewusst gewählt und unterschied die NSKOV von anderen NS-Organisationen. Die Rautenform entspricht der traditionellen deutschen militärischen Praxis, Ärmelabzeichen in dieser geometrischen Form zu gestalten.
Solche Abzeichen wurden an der Uniform, üblicherweise am linken Oberarm, getragen und dokumentierten die Teilnahme an spezifischen Veranstaltungen. Im Gegensatz zu dauerhaften Mitgliedsabzeichen waren diese Veranstaltungsabzeichen zeitgebunden und bezogen sich auf ein konkretes Ereignis. Die Verleihung erfolgte wahrscheinlich nach aktiver Teilnahme am Schießwettbewerb, möglicherweise nach Erreichen einer Mindestpunktzahl oder nach einer entsprechenden Spende.
Die vormilitärische Ausbildung durch Schießveranstaltungen passte in das umfassende Konzept der Wehrhaftmachung der deutschen Gesellschaft in den 1930er Jahren. Neben der offiziellen Wehrmacht existierten zahlreiche Organisationen wie der Reichsluftschutzbund, die SA, die SS und eben auch die NSKOV, die verschiedene Aspekte der militärischen Vorbereitung übernahmen. Das Jahr 1938 markierte dabei eine Phase intensiver Aufrüstung und Vorbereitung auf den kommenden Krieg.
Die Seltenheit solcher Abzeichen heute erklärt sich aus mehreren Faktoren: Erstens wurden sie nur für ein spezifisches Jahr und eine spezifische Veranstaltung ausgegeben, was die Gesamtauflage begrenzte. Zweitens wurden nach 1945 im Rahmen der Entnazifizierung viele NS-Devotionalien vernichtet. Drittens überlebten Textilabzeichen die Jahrzehnte schlechter als Metallabzeichen, da sie anfälliger für Motten, Feuchtigkeit und mechanische Beschädigung waren.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive dokumentieren solche Objekte die umfassende Durchdringung der deutschen Gesellschaft durch nationalsozialistische Organisationen. Jede Aktivität, selbst eine scheinbar unpolitische wie ein Schießwettbewerb, wurde ideologisch aufgeladen und in den Dienst der NS-Politik gestellt. Die Verbindung von Wohltätigkeit (Opferschießen für Kriegsopfer) mit Wehrsport zeigt die typische Vermischung verschiedener Ebenen in der NS-Organisationslandschaft.
Heute sind solche Abzeichen wichtige Studienobjekte für Historiker, die die Alltagsgeschichte des Dritten Reiches erforschen. Sie belegen die Vielschichtigkeit der NS-Herrschaft, die nicht nur durch Terror und Propaganda, sondern auch durch die Einbindung breiter Bevölkerungsschichten in organisierte Aktivitäten funktionierte. Das Opferschießen 1938 war eine von unzähligen Veranstaltungen, die normale Bürger in das System integrierten und gleichzeitig für militärische Zwecke vorbereiteten.