Preußen 1. Weltkrieg große Gerahmte Fotografie eines Leutnants in feldgrauer Uniform im Infanterie-Regiment von Borcke (4. Pommersches) Nr. 21

Heimatstandort Thorn, um 1916. 30.5 x 40 cm. Zustand 2.




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Preußen 1. Weltkrieg große Gerahmte Fotografie eines Leutnants in feldgrauer Uniform im Infanterie-Regiment von Borcke (4. Pommersches) Nr. 21

Die vorliegende großformatige Fotografie eines Leutnants des Infanterie-Regiments von Borcke (4. Pommersches) Nr. 21 stellt ein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument aus der Ära des Ersten Weltkriegs dar. Mit ihren Maßen von 30,5 x 40 cm und der charakteristischen Rahmung entspricht sie dem Standard repräsentativer Militärporträts jener Epoche, die sowohl für offizielle Zwecke als auch als persönliche Erinnerungsstücke angefertigt wurden.

Das Infanterie-Regiment von Borcke Nr. 21 war eine traditionsreiche Einheit der preußischen Armee mit dem Heimatstandort Thorn (heute Toruń, Polen), einer wichtigen Garnisonsstadt in Westpreußen. Das Regiment führte seinen Namen nach dem brandenburgischen Offizier Jobst Gerhard von Borcke (1582-1628), der im Dreißigjährigen Krieg diente. Als Teil des II. Armee-Korps war das Regiment in der pommerschen Militärtradition verwurzelt und rekrutierte seine Mannschaften vorwiegend aus der Region Pommern.

Die feldgraue Uniform, die der abgebildete Leutnant trägt, wurde 1910 in der preußischen und deutschen Armee eingeführt und ersetzte die bis dahin gebräuchlichen bunten Paradeuniformen. Diese Reform war eine Reaktion auf die veränderte Kriegsführung und die Notwendigkeit der Tarnung auf dem modernen Schlachtfeld. Die feldgraue Uniform des Offiziers zeigt typischerweise die charakteristischen Rangabzeichen eines Leutnants: die Schulterstücke mit den Regimentsbezeichnungen und möglicherweise weitere Auszeichnungen, die während des Kriegseinsatzes erworben wurden.

Die Datierung um 1916 ist von besonderer Bedeutung. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Erste Weltkrieg in einer Phase intensiver Kampfhandlungen an allen Fronten. Das Infanterie-Regiment Nr. 21 war an verschiedenen Kriegsschauplätzen eingesetzt, insbesondere an der Ostfront gegen russische Truppen und später auch an der Westfront. Das Jahr 1916 war geprägt von den verheerenden Materialschlachten bei Verdun und an der Somme, die die Natur des modernen Krieges fundamental veränderten.

Fotografien wie diese dienten mehreren Zwecken. Zum einen waren sie Teil der militärischen Dokumentation und des offiziellen Porträtbestands von Offizieren. Zum anderen hatten sie eine wichtige persönliche und familiäre Bedeutung. Offiziere ließen sich vor ihrem Fronteinsatz oder während Heimaturlauben fotografieren, um ihren Familien ein repräsentatives Andenken zu hinterlassen. Die aufwendige Rahmung und das große Format unterstreichen den Stellenwert, der solchen Porträts beigemessen wurde.

Der Rang eines Leutnants war der niedrigste Offiziersrang in der kaiserlichen Armee. Leutnants waren typischerweise Zugführer und kommandierten etwa 50 bis 60 Mann. Viele von ihnen waren jung, oft in ihren frühen Zwanzigern, und stammten aus dem Bürgertum oder niederen Adel. Die Ausbildung zum Offizier erfolgte entweder über die Kriegsschulen oder im Rahmen des Einjährig-Freiwilligen-Systems, das gebildeten jungen Männern einen verkürzten Militärdienst mit anschließender Reserveoffiziersausbildung ermöglichte.

Die Garnisonsstadt Thorn hatte eine lange militärische Tradition. Die Stadt an der Weichsel war seit dem 18. Jahrhundert eine bedeutende preußische Festung und beherbergte mehrere Regimenter. Die Kasernenanlagen und militärischen Einrichtungen prägten das Stadtbild. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Neuordnung Europas fiel Thorn an das wiedererrichtete Polen.

Das Infanterie-Regiment Nr. 21 wurde nach dem Krieg, wie die gesamte kaiserliche Armee, im Rahmen der Bestimmungen des Versailler Vertrags aufgelöst. Die Traditionen und die Erinnerung an das Regiment wurden jedoch in Veteranenverbänden und Regimentsgeschichten bewahrt, die in den 1920er und 1930er Jahren veröffentlicht wurden.

Solche fotografischen Dokumente sind heute von unschätzbarem historischem Wert. Sie geben nicht nur Einblick in die militärische Ausrüstung und Uniformierung der Zeit, sondern dokumentieren auch die menschliche Dimension des Krieges. Hinter jedem dieser Porträts steht das Schicksal eines Individuums, das in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs hineingezogen wurde. Die professionelle Qualität der Fotografie und die sorgfältige Rahmung zeugen von der Bedeutung, die Militär und Gesellschaft der visuellen Repräsentation des Offiziersstands beimaßen.