Preußen Kavallerie Offizierssäbel in Luxusausführung .

Große Ausführung, leicht gekrümmte Steckrücken-Klinge mit Schör, Damaststahl, etwa 30 mm breit, auf dem ersten Drittel geätzt und vergoldet, Rankenmuster, auf der Fehlschärfe graviert, eine Herstellermarke ist nicht zu erkennen, auf dem Klingenrücken ist der Lieferant eingeätzt "M.Neumann Hoflieferant Berlin", prächtig gearbeitetes Gefäß, Messing vergoldet, fein ziseliert und mit aufpolierten Kanten, Löwenkopfknauf mit roten Augen, der Parierbügel mit graviertem Wappenschild (zwei Felder mit drei Vögeln und einem Palmenblatt), die Parierlappen flächig gestaltet, Rochenhautgriff mit intakter Drahtwicklung, Stahlscheide mit zwei Trageringen aus Messing, leichte Patina, geringe Alters- und Gebrauchsspuren, eine imposante Waffe in sehr guter Erhaltung. Zustand 2

Klingenlänge etwa 810 mm
Gesamtlänge etwa 1000 mm


508353
18.000,00

Preußen Kavallerie Offizierssäbel in Luxusausführung .

Der preußische Kavallerieoffiziersäbel mit Löwenkopfknauf verkörpert eine der charakteristischsten Waffenformen des deutschen Militäradels vom frühen 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Diese Luxusausführung mit Damaststahl-Klinge und reich verziertem Messinggriff repräsentiert weit mehr als eine militärische Ausrüstung – sie zeugt von der sozialen Hierarchie, dem Standesbewusstsein und der Handwerkskunst des preußischen Kaiserreichs.

Der Löwenkopfsäbel wurde charakteristischerweise von preußischen Offizieren der leichten Kavallerie getragen, insbesondere bei den prestigeträchtigen Husaren-, Ulanen- und Dragoner-Regimentern. Die stilistische Gestaltung mit dem Löwenkopfknauf, aus dessen Maul der Parierbügel entspringt, etablierte sich etwa um 1800 und blieb über ein Jahrhundert hinweg kennzeichnend für die preußische leichte Kavallerie. Während des 19. Jahrhunderts durchliefen preußische Kavalleriesäbel mehrere Modellentwicklungen, darunter das M1811 (Blücher-Säbel), M1852 und M1852/79, doch behielten Offiziersvarianten stets individuelle Gestaltungsmöglichkeiten.

Ein entscheidendes Merkmal der preußischen Militärkultur war die Verpflichtung der Offiziere, ihre Ausrüstung privat zu erwerben. Dies eröffnete wohlhabenden Offizieren – und die Kavallerieoffiziere entstammten überwiegend dem Adel, 1913 waren etwa 80 Prozent von adliger Herkunft – die Möglichkeit, Luxusversionen ihrer Dienstwaffen zu kommissionieren. Während reguläre Ausgabesäbel mit einfachen Stahlklingen ausgestattet waren, ließen sich vermögende Offiziere Prunkstücke mit Damaszener Stahlklingen, aufwendiger Vergoldung, feiner Ziselierung und persönlichen Gravuren anfertigen.

Die auf dem Parierbügel gravierte Familienwappen mit zwei Feldern, drei Vögeln und einem Palmenblatt bezeugt die Herkunft des ursprünglichen Besitzers aus dem Adel oder gehobenen Bürgertum. Solche personalisierten Waffen wurden häufig als Geschenke zu besonderen Anlässen überreicht – bei Beförderungen, Pensionierungen, Jubiläen oder als Zeichen kaiserlicher Gunst. Sie dienten nicht nur als Kampfwaffe, sondern als sichtbarer Ausdruck von Rang, sozialem Status und familiärer Tradition.

Die Rückenklinge trägt die Ätzung "M. Neumann Hoflieferant Berlin", was den Lieferanten eindeutig identifiziert. Die Bezeichnung Hoflieferant war eine privilegierte kommerzielle Auszeichnung, die ausgewählten Berliner Händlern verliehen wurde, die das Recht besaßen, die königlich-preußische Hofhaltung zu beliefern. M. Neumann fungierte als renommierter Militärausstatter und Händler in Berlin, der hochwertige Präsentationswaffen an wohlhabende Offiziere verkaufte. Die Klingen selbst wurden von spezialisierten Waffenschmieden hergestellt; M. Neumann agierte als exklusiver Vertriebspartner.

Die funktionale Bedeutung des Kavalleriesäbels wandelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts erheblich. Während der deutschen Einigungskriege – dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 – spielten Kavalleriesäbel noch eine aktive Rolle in berittenen Attacken und im Nahkampf. Mit der zunehmenden Bedeutung von Schusswaffen und Artillerie in der modernen Kriegsführung schwand jedoch die taktische Relevanz der Blankwaffe. Dennoch blieb der Säbel bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 regulärer Bestandteil der Kavallerieausrüstung und behielt seine enorme symbolische Bedeutung als Zeichen des Offizierstandes, der Ehre und militärischer Tradition.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs 1918 und den restriktiven Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919, der die deutschen Streitkräfte drastisch begrenzte, wurden Kavallerieeinheiten massiv reduziert. In den 1920er und 1930er Jahren behielten Säbel nur noch zeremonielle und dekorative Funktionen. Viele Offizierssäbel wurden als Familienerbstücke bewahrt oder gelangten in den Militaria-Sammlermarkt. Heute werden preußische Offizierssäbel – besonders Luxusausführungen mit Damaststahl von prestigeträchtigen Händlern wie M. Neumann – von Sammlern kaiserlich-deutscher Militaria als historische Artefakte hochgeschätzt, die die militärische Kultur, das Handwerk und die soziale Hierarchie des 19. Jahrhunderts repräsentieren.