Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend ( RAD/wJ ) - Brosche für Stabsoberführerin
Die hier vorliegende Brosche für eine Stabsoberführerin des Reichsarbeitsdienstes der weiblichen Jugend (RAD/wJ) stellt ein seltenes Rangabzeichen aus der Zeit des Nationalsozialismus dar. Hergestellt von der renommierten Firma Assmann im Jahr 1939, verkörpert dieses Stück die spezifische Hierarchie und Organisationsstruktur des weiblichen Zweigs des Reichsarbeitsdienstes.
Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 durch das Reichsarbeitsdienstgesetz als staatliche Organisation etabliert. Während der RAD zunächst hauptsächlich für männliche Arbeitskräfte konzipiert war, entwickelte sich parallel dazu der RAD/wJ, der weiblichen Jugendlichen zwischen 17 und 25 Jahren eine halbjährige Dienstpflicht auferlegte. Diese Pflicht wurde im September 1939, zeitgleich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, offiziell eingeführt.
Die Organisationsstruktur des RAD/wJ war streng hierarchisch gegliedert und orientierte sich am militärischen Vorbild. Die Stabsoberführerin repräsentierte einen hohen Führungsrang innerhalb dieser Organisation. Sie stand über der Stabsführerin und unterhalb der Oberführerin. Diese Ränge waren durch spezifische Abzeichen, Uniformteile und eben solche Broschen klar gekennzeichnet, um die Befehlskette sichtbar zu machen.
Die Brosche selbst ist aus Eisen gefertigt und goldfarben ausgeführt, was für Führungsränge charakteristisch war. Die Herstellerfirma Assmann, vollständig B. H. Mayer's Kunstprägeanstalt in Pforzheim, gehörte zu den führenden Produzenten von militärischen Auszeichnungen und Abzeichen während der NS-Zeit. Die Kennzeichnung “Assmann 39” weist auf das Herstellungsjahr 1939 hin, ein bedeutsames Jahr, das den Übergang von der Friedens- zur Kriegsorganisation des RAD markierte.
Die Arbeit des weiblichen Reichsarbeitsdienstes konzentrierte sich hauptsächlich auf landwirtschaftliche Tätigkeiten, Haushaltshilfe in kinderreichen Familien und später zunehmend auf kriegswichtige Aufgaben. Die jungen Frauen sollten im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erzogen werden und gleichzeitig praktische Arbeit für die “Volksgemeinschaft” leisten. Die Führerinnen wie die Stabsoberführerin trugen die Verantwortung für die Ausbildung, Disziplin und ideologische Schulung ihrer Untergebenen.
Die Uniform des RAD/wJ unterschied sich deutlich von der männlichen Variante. Sie umfasste typischerweise ein braunes Kleid oder einen Rock mit Bluse, dazu eine charakteristische Kopfbedeckung. Die Rangabzeichen, einschließlich solcher Broschen, wurden prominent getragen, um die Autorität der Trägerin zu unterstreichen. Die goldene Farbgebung symbolisierte den gehobenen Status innerhalb der Organisation.
Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Objekte die umfassende Mobilisierung der deutschen Gesellschaft während des Nationalsozialismus. Der RAD/wJ war Teil eines Systems, das praktisch alle Jugendlichen erfasste und sie sowohl für wirtschaftliche Zwecke einsetzte als auch ideologisch indoktrinierte. Die hierarchische Struktur mit ihren spezifischen Rangabzeichen spiegelte das militarisierte Denken wider, das alle Bereiche des öffentlichen Lebens durchdrang.
Die Erhaltung solcher Objekte in Sammlungen dient heute der historischen Forschung und Bildung. Sie ermöglichen es, die Organisationsstrukturen und die materielle Kultur des NS-Regimes zu studieren und zu verstehen. Gleichzeitig erfordern sie eine sensible Kontextualisierung, da sie Teil eines Systems waren, das auf Unterdrückung, Krieg und Völkermord ausgerichtet war.
Die Brosche als Objekt repräsentiert somit mehrere historische Dimensionen: die Rolle der Frau in der NS-Gesellschaft, die Organisation des Reichsarbeitsdienstes, die Herstellungspraxis militärischer Abzeichen und die Hierarchien innerhalb paramilitärischer Organisationen. Für die militärhistorische Forschung bieten solche Gegenstände wichtige Einblicke in die Alltagsrealität und die Strukturen des “Dritten Reiches”.