Schnellboot-Kriegsabzeichen 1. Modell - Miniatur

16 mm, Buntmetall an langer Nadel, rückseitig mit Markierung des Herstellers "L/57" Boerger & Co, Zustand 2.
516853
550,00

Hintergrund und Stiftung

Schnellboot-Kriegsabzeichen 1. Modell – Miniatur

Das vorliegende Objekt ist eine Miniaturausführung des Schnellboot-Kriegsabzeichens 1. Modell, gefertigt in 16 mm Größe aus Buntmetall an langer Nadel. Die Rückseite trägt die Herstellermarkierung “L/57”, die dem Berliner Unternehmen Boerger & Co. zugeordnet wird. Diese Miniatur war zum Tragen an Zivilkleidung bestimmt – auf dem linken Revers – und musste von den Ausgezeichneten selbst erworben werden.

Das Schnellboot-Kriegsabzeichen war eine Auszeichnung der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg, die für den Dienst auf Schnellbooten (S-Booten) bzw. Torpedo- und Patrouillenbooten verliehen wurde. Die Stiftung erfolgte am 30. Mai 1941 durch Großadmiral Erich Raeder, den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Zuvor, ab dem 12. August 1940, war den Angehörigen der S-Boot-Streitkräfte das Zerstörer-Kriegsabzeichen zugestanden worden, doch die Besatzungen waren mit dieser Regelung wenig zufrieden. Die Einführung eines eigenen Abzeichens war daher ein lang ersehnter Schritt, der dem besonderen Charakter und der gefährlichen Einsatzführung der Schnellbootwaffe Rechnung trug.

Zum Zeitpunkt der Stiftung hatten die S-Boot-Besatzungen bereits zahlreiche britische Kriegsschiffe und Handelsschiffe versenkt. Das Design des Abzeichens stammte von Wilhelm Ernst Peekhaus aus Berlin, wobei der damalige Führer der Schnellboote, Korvettenkapitän Rudolf Petersen, das erste Entwurfsmuster persönlich überarbeitete.

Verleihungskriterien

Die Verleihung des Schnellboot-Kriegsabzeichens war an konkrete Einsatzanforderungen geknüpft. Ein Besatzungsmitglied konnte das Abzeichen nach Abschluss von 12 operativen Einsätzen auf S-Booten erhalten. Eine geringere Anzahl genügte, wenn einzelne Einsätze besonders erfolgreich verlaufen waren, sich der Soldat durch besonderen persönlichen Einsatz hervorgetan hatte oder im Dienst gefallen war. Zu den anerkannten Voraussetzungen zählten ferner ein herausragend erfolgreicher Einsatz, Verwundung im Gefecht, 12 Einsätze gegen feindliche Schiffe oder Anlagen sowie außergewöhnliche Führungsleistung. Wenn ein S-Boot im Einsatz mit der gesamten Besatzung verloren ging, konnte das Abzeichen posthum verliehen werden. Das Abzeichen war an der linken Brustseite zu tragen.

Varianten und Seltenheit

Es existierten zwei Grundvarianten des regulären Schnellboot-Kriegsabzeichens sowie eine Sonderausführung mit Brillanten. Das 1. Modell wurde am 30. Mai 1941 gestiftet, das 2. Modell am 28. Januar 1943 eingeführt. Die Miniaturausführung in 16 mm war zum Tragen an Zivilkleidung auf dem linken Revers vorgesehen. Bekannte Hersteller des 1. Modells waren Mayer, Juncker, Schwerin sowie Foerster & Barth. Die vorliegende Miniatur mit der Markierung L/57 wurde von Boerger & Co., Berlin gefertigt.

Das Schnellboot-Kriegsabzeichen zählt zusammen mit dem Hilfskreuzer-Kriegsabzeichen und den U-Boot-Frontspangen zu den seltensten Auszeichnungen der Kriegsmarine. Insbesondere das 1. Modell gilt als sehr selten. Die Brillanten-Version wurde nur achtmal verliehen.

Träger der Brillanten-Ausführung

Die acht Ritterkreuzträger, die das Schnellboot-Kriegsabzeichen mit Brillanten erhielten, waren: Kapitänleutnant Werner Töniges (13. November 1942), Kapitänleutnant Siegfried Wuppermann (14. April 1943), Korvettenkapitän Friedrich Kemnade (27. Mai 1943), Korvettenkapitän Georg-Stuhr Christiansen (13. November 1943), Korvettenkapitän Bernd Klug (1. Januar 1944), Korvettenkapitän Klaus Feldt (1. Januar 1944), Kapitän zur See Rudolf Petersen (13. Juni 1944) und Kapitänleutnant Götz Freiherr von Mirbach (14. Juni 1944).

Leistungen der S-Boot-Waffe

Die Kampfbilanz der deutschen Schnellbootwaffe im Zweiten Weltkrieg war beachtlich. Die als “E-Boats” von den Alliierten bezeichneten Boote versenkten insgesamt 101 Handelsschiffe mit einer Gesamttonnage von 214.728 BRT. Darüber hinaus beanspruchten sie die Versenkung von 12 Zerstörern, 11 Minenräumern, 8 Landungsschiffen, 6 MTBs, einem Torpedoboot, einem Minenleger, einem U-Boot sowie einer Anzahl kleinerer Fahrzeuge. Die Besatzungen der S-Boote erhielten insgesamt 23 Ritterkreuze des Eisernen Kreuzes und 112 Deutsche Kreuze in Gold.

Nachkriegsgeschichte

Nach 1945 wurden erbeutete S-Boote wie die S130 und S208 vom britischen Geheimdienst MI-6 für verdeckte Operationen eingesetzt. Die S130 wurde im März 1957 an die neu aufgestellte Bundesmarine zurückgegeben und unter der Nummer UW 10 in Dienst gestellt, zunächst für die Unterwasserwaffenausbildung, später als Versuchsboot unter der Bezeichnung EF 3.

Nach dem Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen vom 26. Juli 1957 ist das Tragen der Auszeichnung in der Bundesrepublik Deutschland nur ohne nationalsozialistische Embleme gestattet.

Sammlerische Bedeutung

Die vorliegende Miniatur vereint mehrere Faktoren, die sie für Sammler besonders interessant machen: Sie repräsentiert das seltene 1. Modell, trägt eine eindeutige Herstellermarkierung und dokumentiert die kaum beachtete Praxis des zivilen Tragens militärischer Auszeichnungen im Dritten Reich. Als Zeugnis einer der seltensten Kriegsmarine-Auszeichnungen in ihrer Miniaturform ist dieses Stück ein bemerkenswertes Sammlerobjekt.