Wehrmacht Afrikakorps Kradmantel M 41

Kammerstück. Fertigung aus schweren olivem Leinentuch im typischen Schnitt für Kradmelder, komplett mit allen Knöpfen. Innen mit schönem Kammerstempel mit einem Hersteller aus Litzmannstadt. Leicht getragenes Stück, kleiner Riss an der rechten Tasche ansonsten gute Erhaltung, Zustand 2.
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950,00

Wehrmacht Afrikakorps Kradmantel M 41

Der Kradmantel M 41 (Kraftradmantel Modell 1941) des Deutschen Afrikakorps stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück der Wehrmacht während des Nordafrikafeldzugs von 1941 bis 1943 dar. Dieses spezialisierte Kleidungsstück wurde entwickelt, um Kradmelder und motorisierte Einheiten vor den extremen Witterungsbedingungen der nordafrikanischen Wüste zu schützen.

Das Deutsche Afrikakorps (DAK) wurde im Februar 1941 unter dem Kommando von Generalleutnant Erwin Rommel aufgestellt, um die italienischen Streitkräfte in Nordafrika zu unterstützen. Die besonderen klimatischen Bedingungen der libyschen und ägyptischen Wüste erforderten eine Anpassung der Standard-Wehrmacht-Ausrüstung. Temperaturen, die tagsüber 50 Grad Celsius überschreiten und nachts unter den Gefrierpunkt fallen konnten, sowie allgegenwärtiger Wüstensand und gelegentliche Regenfälle stellten besondere Anforderungen an Bekleidung und Ausrüstung.

Der Kradmantel wurde aus schwerem olivfarbenem Leinentuch gefertigt, das sich als praktisch für die Wüstenbedingungen erwies. Die olivgrüne Färbung, oft als tropenfarben bezeichnet, unterschied sich deutlich von den feldgrauen Uniformen, die in Europa getragen wurden. Das robuste Leinengewebe bot Schutz vor Wind, Sand und kühleren Temperaturen, während es gleichzeitig atmungsaktiver war als die schwereren Wollstoffe der europäischen Uniformen.

Der typische Schnitt für Kradmelder zeichnete sich durch seine Länge und Weite aus, die es ermöglichten, den Mantel über der restlichen Uniform und Ausrüstung zu tragen. Kradmelder (Motorradkuriere) spielten eine entscheidende Rolle in der militärischen Kommunikation, besonders in der weitläufigen nordafrikanischen Wüstenlandschaft, wo drahtlose Kommunikation oft unzuverlässig war. Der Mantel musste daher praktisch und funktional sein, um die Bewegungsfreiheit auf dem Motorrad nicht einzuschränken und gleichzeitig maximalen Schutz zu bieten.

Die Fertigung solcher Mäntel erfolgte in verschiedenen Textilbetrieben im gesamten Deutschen Reich und den besetzten Gebieten. Der Kammerstempel im Inneren des Mantels, der einen Hersteller aus Litzmannstadt angibt, ist besonders aufschlussreich. Litzmannstadt war die deutsche Bezeichnung für die polnische Stadt Łódź während der Besatzungszeit von 1939 bis 1945. Łódź war traditionell ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie und wurde während des Krieges intensiv für die Produktion militärischer Bekleidung genutzt.

Die Heeresverwaltung führte ein strenges System der Qualitätskontrolle und Kennzeichnung militärischer Ausrüstung. Kammerstempel dienten der Nachverfolgbarkeit und Qualitätssicherung. Sie enthielten in der Regel Informationen über den Hersteller, das Produktionsjahr und oft auch eine Abnahmenummer. Diese Stempel wurden von den zuständigen Heereszeugämtern angebracht, nachdem die Ware geprüft und für den militärischen Einsatz freigegeben worden war.

Die Verwendung von Knöpfen anstelle von Reißverschlüssen war typisch für militärische Bekleidung dieser Periode. Knöpfe waren robuster, leichter zu reparieren und weniger anfällig für Beschädigungen durch Sand und Staub. Die vollständige Erhaltung aller Originalknöpfe an einem solchen Stück ist bemerkenswert, da diese oft verloren gingen oder ersetzt wurden.

Der Nordafrikafeldzug dauerte von Februar 1941 bis Mai 1943 und war geprägt von hochmobilen Panzeroperationen in der Wüste. Die Bedeutung schneller Kommunikation und damit die Rolle der Kradmelder kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Diese Soldaten mussten oft weite Strecken durch feindliches Gebiet zurücklegen, um Befehle zu übermitteln oder Aufklärungsinformationen zu überbringen.

Aus konservatorischer Sicht stellt ein solcher Kradmantel ein bedeutendes Zeugnis der Militärgeschichte dar. Der Erhaltungszustand mit lediglich leichten Gebrauchsspuren und einem kleinen Riss an der Tasche deutet darauf hin, dass das Stück entweder nur kurzzeitig im Einsatz war oder nach dem Kriegseinsatz sorgfältig aufbewahrt wurde. Solche Originale werden zunehmend seltener und sind wichtig für Museen, Forscher und Sammler, um die materielle Kultur dieser Periode zu verstehen.

Die Studie solcher Uniformstücke trägt zum Verständnis der logistischen Herausforderungen bei, denen die Wehrmacht während des Krieges gegenüberstand, insbesondere bei der Ausrüstung von Truppen für verschiedene Klimazonen. Die Anpassung der Standardausrüstung an die besonderen Bedingungen Nordafrikas zeigt sowohl die Flexibilität als auch die Grenzen der deutschen Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkriegs.