Die Orden und Ehrenzeichen des deutschen Reiches und der Weimarer Republik - Band 1 - Deutschland-Katalog - Deutsches Reich - Orden und Ehrenzeichen ab 1871, 

Hildesheim, Selbstverlag, ohne Jahr (1989), Gebundene Ausgabe, Hartkartoneinband, 202 Seiten, mit farbigen Abbildungen, mit Eigentumsstempel, Zustand 2 
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Die Orden und Ehrenzeichen des deutschen Reiches und der Weimarer Republik - Band 1 - Deutschland-Katalog - Deutsches Reich - Orden und Ehrenzeichen ab 1871, 

Der vorliegende Referenzkatalog stellt ein bedeutendes Werk zur Dokumentation deutscher Auszeichnungen dar, das sich mit den Orden und Ehrenzeichen des Deutschen Reiches sowie der Weimarer Republik befasst. Diese 1989 in Hildesheim im Selbstverlag erschienene Publikation umfasst 202 Seiten mit farbigen Abbildungen und repräsentiert eine wichtige Quelle für Sammler, Historiker und Wissenschaftler, die sich mit der deutschen Phaleristik beschäftigen.

Die Phaleristik, die Wissenschaft von Orden und Ehrenzeichen, gewann im deutschsprachigen Raum besonders seit dem 19. Jahrhundert an Bedeutung. Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 unter Kaiser Wilhelm I. entstand ein komplexes System staatlicher Auszeichnungen, das die militärischen und zivilen Verdienste der Bürger würdigte. Das neu geschaffene Reich übernahm teilweise die Ordenssysteme der deutschen Einzelstaaten, schuf aber auch reichsweite Auszeichnungen wie den Eisernen Kreuz, das bereits in den Befreiungskriegen gegen Napoleon etabliert worden war.

Während der Ära des Kaiserreichs (1871-1918) entwickelte sich ein differenziertes Auszeichnungssystem, das sowohl militärische Tapferkeit als auch zivile Leistungen honorierte. Zu den bedeutendsten Orden gehörten der Orden Pour le Mérite, der höchste preußische Militärorden, sowie zahlreiche Verdienstorden der deutschen Bundesstaaten. Das Reich selbst vergab vornehmlich Kriegsauszeichnungen, während die Einzelstaaten ihre eigenen Ordenssysteme beibehielten. Diese föderale Struktur führte zu einer bemerkenswerten Vielfalt an Auszeichnungen.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 und der Ausrufung der Weimarer Republik stellte sich die Frage nach dem Umgang mit dem monarchischen Ordenswesen. Die republikanische Regierung stand vor der Herausforderung, ein neues demokratisches Auszeichnungssystem zu schaffen, das den veränderten politischen Verhältnissen Rechnung trug. Durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 18. April 1919 wurde das Tragen von Orden und Ehrenzeichen aus der Kaiserzeit unter bestimmten Bedingungen gestattet, jedoch wurden die monarchischen Symbole teilweise modifiziert oder entfernt.

Die Weimarer Republik schuf neue Auszeichnungen wie das Ehrenkreuz für Frontkämpfer (1934 gestiftet, aber für Verdienste im Ersten Weltkrieg) und verschiedene zivile Verdienstorden. Das demokratische System vermied bewusst die Schaffung zu vieler neuer Orden, um eine Inflation der Auszeichnungen zu verhindern. Dennoch entstanden wichtige Ehrenzeichen für verschiedene Berufsgruppen und besondere Verdienste um die Republik.

Kataloge wie der vorliegende erfüllen mehrere wichtige Funktionen. Sie dienen erstens der systematischen Erfassung und Dokumentation der verschiedenen Auszeichnungen, ihrer Varianten und Herstellungsmerkmale. Zweitens bieten sie Sammlern und Händlern Orientierung bei der Bewertung und Identifizierung von Orden und Ehrenzeichen. Drittens leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur historischen Forschung, indem sie die materielle Kultur des Auszeichnungswesens bewahren und zugänglich machen.

Die farbigen Abbildungen in solchen Katalogen sind von besonderem Wert, da sie die Details der Emailarbeiten, Gravuren und verschiedenen Fertigungsstufen sichtbar machen. Orden wurden oft von verschiedenen Herstellern gefertigt, was zu Variationen in Design und Qualität führte. Renommierte Firmen wie Godet & Sohn in Berlin oder C.E. Juncker waren für ihre qualitativ hochwertigen Ausführungen bekannt.

Der zeitliche Rahmen von 1871 bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 umfasst eine der turbulentesten Perioden deutscher Geschichte. Das Ordenswesen spiegelt diese Entwicklungen wider: vom imperialen Glanz des Kaiserreichs über den Ersten Weltkrieg mit seiner massenhaften Verleihung von Kriegsauszeichnungen bis zur demokratischen Republik mit ihrem Bemühen um neue Formen staatlicher Anerkennung.

Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema sind solche Referenzwerke unverzichtbar. Sie ermöglichen die Datierung von Objekten, die Zuordnung zu bestimmten Verleihungskategorien und das Verständnis der sozialen und politischen Bedeutung von Auszeichnungen. Das Ordenswesen war nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern integraler Bestandteil des staatlichen Ehrungssystems und spiegelte gesellschaftliche Hierarchien und Wertvorstellungen wider.

Die Tatsache, dass dieses Werk 1989 erschien, ist ebenfalls von Bedeutung. In diesem Jahr, kurz vor der deutschen Wiedervereinigung, bestand großes Interesse an der gemeinsamen deutschen Geschichte und ihrer materiellen Hinterlassenschaften. Solche Kataloge trugen zur Bewahrung des kulturellen Erbes bei und ermöglichten eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit.