III. Reich - Originalunterschrift von Emil Stürtz, Gauleiter von Kurmark

auf einem postkartengroßen Zeitungsfoto, mit sehr schöner Tintensignatur " Stürtz ", Zustand 2.
Das Autogramm stammt aus der Sammlung eines Jungen, der Fotos aus der Zeitung ausgeschnitten hatte, diese unterschreiben lassen hat und danach auf eine Seite eines Fotoalbums geklebt.
Emil Stürtz gilt seit dem 21.4.1945 als verschollen.
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280,00

III. Reich - Originalunterschrift von Emil Stürtz, Gauleiter von Kurmark

Die vorliegende Originalunterschrift von Emil Stürtz auf einem zeitgenössischen Zeitungsfoto repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der nationalsozialistischen Parteiorganisation und der Praxis des Autogrammsammelns während des Dritten Reiches. Das Objekt stammt aus der Sammlung eines jungen Autogrammsammlers, der systematisch Fotografien aus Zeitungen ausschnitt, diese von bekannten Persönlichkeiten signieren ließ und anschließend in ein Fotoalbum einklebte.

Emil Stürtz (geboren am 12. Oktober 1892 in Bernau bei Berlin) war eine bedeutende Figur in der regionalen Parteiführung der NSDAP. Seine politische Karriere begann in den frühen 1920er Jahren, als er 1923 der NSDAP beitrat. Nach dem Verbot der Partei trat er 1925 erneut bei und stieg kontinuierlich in der Parteihierarchie auf. Von 1930 bis 1933 war er Mitglied des Preußischen Landtags und ab November 1933 Mitglied des nationalsozialistischen Reichstags.

Am 29. Januar 1933 wurde Stürtz zum Gauleiter der NSDAP von Kurmark ernannt, einem Gau, der die Gebiete östlich von Berlin umfasste, einschließlich Teilen Brandenburgs und Pommerns. Diese Position machte ihn zu einem der mächtigsten Männer in der Region. Der Gau Kurmark war von strategischer Bedeutung für das NS-Regime, da er die Hauptstadt Berlin umgab und wichtige landwirtschaftliche sowie industrielle Gebiete umfasste.

Die Praxis des Autogrammsammelns im Dritten Reich war ein weit verbreitetes Phänomen, besonders unter Jugendlichen. Anders als das heutige Sammeln von Autogrammen von Sportlern oder Entertainern, konzentrierte sich diese Tätigkeit hauptsächlich auf politische und militärische Führungspersönlichkeiten. Junge Menschen, oft organisiert in der Hitlerjugend, sammelten Unterschriften von Gauleitern, Reichsministern, Generälen und anderen prominenten Nationalsozialisten. Diese Sammlungen wurden sorgfältig in Alben aufbewahrt und galten als Ausdruck von Loyalität und Bewunderung für das Regime.

Die Methodik war dabei oft ähnlich: Sammler schnitten Fotografien aus Tageszeitungen wie dem Völkischen Beobachter, der Berliner Illustrierten oder lokalen Parteizeitungen aus. Diese Fotos zeigten die Funktionäre bei öffentlichen Auftritten, Parteiveranstaltungen oder offiziellen Anlässen. Die jungen Sammler suchten dann bei öffentlichen Veranstaltungen, Parteiversammlungen oder durch direkte Anfragen die persönliche Begegnung, um die begehrten Unterschriften zu erhalten.

Die Tintensignatur auf dem vorliegenden Objekt ist charakteristisch für die Zeit. Im Gegensatz zu modernen Signaturen mit Kugelschreiber oder Filzstift wurden Unterschriften im Dritten Reich typischerweise mit Füllfederhalter und Tinte gegeben. Die Qualität und Ausführung der Signatur konnte dabei variieren – von hastigen Unterschriften bei Massenveranstaltungen bis zu sorgfältig ausgeführten Signaturen in ruhigerer Atmosphäre.

Das Schicksal von Emil Stürtz am Ende des Krieges ist bezeichnend für das Chaos der letzten Kriegstage. Er gilt seit dem 21. April 1945 als verschollen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich sowjetische Truppen bereits in der Schlacht um Berlin, und das Ende des NS-Regimes war nur noch Tage entfernt. Viele hochrangige Nationalsozialisten versuchten in diesen Tagen zu fliehen, begingen Selbstmord oder wurden bei Kampfhandlungen getötet. Stürtz' genaues Schicksal konnte nie abschließend geklärt werden, was bei vielen NS-Funktionären aus dieser Zeit der Fall ist.

Aus historischer Perspektive sind solche Autographensammlungen heute wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Propaganda und der Personenkulte im Dritten Reich. Sie dokumentieren nicht nur die Personen selbst, sondern auch die gesellschaftliche Praxis der Verehrung und die systematische Indoktrination der Jugend. Die Tatsache, dass junge Menschen systematisch Unterschriften von Parteifunktionären sammelten, zeigt die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie.

Sammler und Historiker bewerten solche Objekte heute primär nach ihrer historischen Authentizität und ihrem dokumentarischen Wert. Die Erhaltung in einem Album, wie im vorliegenden Fall, bietet zusätzlichen Kontext und erhöht den quellenkundlichen Wert. Solche Sammlungen ermöglichen Einblicke in die Alltagsgeschichte und die Mechanismen der NS-Herrschaft auf lokaler und regionaler Ebene.

Die rechtliche und ethische Betrachtung solcher Objekte ist komplex. In Deutschland unterliegen sie nicht dem Verbot von NS-Symbolen, da sie als historische Dokumente gelten. Ihre Verwendung zu wissenschaftlichen, dokumentarischen oder aufklärerischen Zwecken ist ausdrücklich gestattet. Dennoch ist ein verantwortungsvoller Umgang mit solchen Zeugnissen der NS-Zeit unerlässlich.