Kriegsmarine dunkelblaue Paradejacke für einen Maschinenobergefreiten mit Sonderausbildung Elektrotechnik Lehrgang III

Aus dunkelblauem Tuch, auf der Brust ein maschinengestickter Brustadler, auf dem linken Oberarm das Dienstgradabzeichen und darunter das Abzeichen für Sonderausbildung. Innen mit Stempel am Revers, das Innenfutter fehlt. Maße: Schulterbreite ca.44 cm, Armlänge-Außen ca. 60 cm, Gesamtlänge ca.51 cm. Ankerknopf-Kette ist vorhanden, verschmutzt, Zustand 3.
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€ 400,00

Kriegsmarine dunkelblaue Paradejacke für einen Maschinenobergefreiten mit Sonderausbildung Elektrotechnik Lehrgang III

Die vorliegende Kriegsmarine-Paradejacke aus dunkelblauem Tuch repräsentiert ein bedeutendes Beispiel der deutschen Marineumuniform während des Zweiten Weltkriegs. Diese spezielle Jacke wurde von einem Maschinenobergefreiten mit Zusatzqualifikation in Elektrotechnik Lehrgang III getragen und vermittelt wichtige Einblicke in die hierarchische Struktur und das Ausbildungssystem der Kriegsmarine.

Die Kriegsmarine, offiziell am 1. Juni 1935 als Teil der Aufrüstung des Dritten Reiches gegründet, entwickelte ein komplexes System von Uniformen und Dienstgradabzeichen. Die dunkelblaue Paradejacke, auch als “Bordanzug” oder Ausgehuniform bekannt, unterschied sich deutlich von der alltäglichen Arbeitskleidung. Sie wurde bei formellen Anlässen, Landgängen und besonderen Dienstveranstaltungen getragen.

Das auf der Brust angebrachte maschinengestickte Brustadler-Emblem wurde nach der Uniformreform von 1936 eingeführt und war obligatorischer Bestandteil aller Kriegsmarine-Uniformen. Der Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der ein Hakenkreuz in seinen Fängen hielt, symbolisierte die nationalsozialistische Ausrichtung der Wehrmacht. Die maschinengestickte Ausführung war bei Mannschaftsdienstgraden üblich, während Offiziere häufig handgestickte Embleme in höherer Qualität trugen.

Der Dienstgrad Maschinenobergefreiter war Teil des technischen Personals der Kriegsmarine und rangierte zwischen Matrosengefreiter und Maschinenmaat. Diese Spezialisierung war für den Betrieb der zunehmend komplexen Schiffstechnik unerlässlich. Maschinenpersonal war verantwortlich für die Wartung und Bedienung der Antriebsanlagen, Generatoren und vielfältigen mechanischen Systeme an Bord.

Besonders bemerkenswert ist das Abzeichen für Sonderausbildung Elektrotechnik Lehrgang III am linken Oberarm. Die Kriegsmarine führte während des Krieges ein differenziertes System von Sonderausbildungsabzeichen ein, um speziell qualifiziertes Personal zu kennzeichnen. Diese Abzeichen wurden in verschiedenen Stufen (Lehrgang I, II, III) verliehen und dokumentierten den fortgeschrittenen Ausbildungsstand des Trägers. Die Elektrotechnik-Spezialisierung war besonders wertvoll, da moderne Kriegsschiffe über komplexe elektrische Systeme verfügten: von der Feuerleitung über Funkgeräte bis zu den Torpedosteuerungen.

Die Ausbildung in Elektrotechnik erfolgte in speziellen Marineschulen, darunter die Torpedo- und Nachrichtenschulen in Flensburg-Mürwik und Kiel. Der Lehrgang III deutet auf eine fortgeschrittene Qualifikation hin, die möglicherweise mehrere Monate intensiver technischer Schulung umfasste. Absolventen solcher Lehrgänge waren hochqualifizierte Fachkräfte, die für die Funktionsfähigkeit der modernen Kriegsflotte unverzichtbar waren.

Die technischen Details der Jacke – Schulterbreite etwa 44 cm, Armlänge etwa 60 cm, Gesamtlänge etwa 51 cm – entsprechen den standardisierten Maßen der Kriegsmarine-Uniformen. Die Ankerknopfkette, ein charakteristisches Element der Marineuniformen, diente sowohl funktionalen als auch dekorativen Zwecken. Der Stempel am Revers war üblich und enthielt typischerweise Informationen über Hersteller, Größe und Ausgabejahr.

Das Fehlen des Innenfutters und der verschmutzte Zustand lassen auf tatsächlichen Gebrauch schließen. Viele Marineuniformen wurden nach Kriegsende von ihren Trägern entledigt oder über Jahrzehnte unter verschiedenen Bedingungen gelagert, was den heutigen Erhaltungszustand erklärt.

Die Kriegsmarine beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs über 1,5 Millionen Soldaten. Das technische Personal, zu dem Maschinengefreite und Spezialisten wie der ursprüngliche Träger dieser Jacke gehörten, bildete das Rückgrat der Flotte. Ohne ihre Expertise wären die komplexen Operationen von U-Booten, Schlachtschiffen und Kreuzern unmöglich gewesen.

Heute sind solche Uniformstücke wichtige historische Artefakte, die Einblick in die militärische Organisation, Hierarchie und technologische Entwicklung der deutschen Marine während des Zweiten Weltkriegs geben. Sie dokumentieren nicht nur die militärische Geschichte, sondern auch die textile Handwerkskunst und die industrielle Produktion jener Zeit. Für Historiker und Sammler sind besonders die Spezialisierungsabzeichen von Interesse, da sie die zunehmende Technisierung der Kriegsführung widerspiegeln.